licher Ort, nicht gerade ſchön gebaut, aber doch auch nicht ſchlecht¹); nur das Pflaſter hätte ich gern beſſer, denn beſonders des Abends fällt man oft in Löcher, ich ſpüre noch einen ſolchen Fall von vorgeſtern Abend.“ ²)
Das einſtündige Publikum des neuen Profeſſors über die Kreuzzüge war ziemlich beſucht; dagegen brachte er wegen der geringen Zahl der Studenten und der Ähnlichkeit der beiden Kollegien, die er hatte ankündigen müſſen, nur ein Privatkolleg und zwar über die Europäiſche Staaten⸗ geſchichte zuſammen, nahm aber von dreizehn Zuhörern doch immer 108 fl. an Honoraren ein ³).
Wilkens erhaltene Briefe an ſeine Braut reichen bloß bis Anfang Januar 1806 und ſetzen erſt im April wieder ein. Ende März war er nach Leipzig gereiſt und kehrte Mitte April heim. er in der Deutſchen Geſchichte 23, in der Reichsgeſchichte faſt 30, und in ſeinem Publikum 100 Zuhörer, alſo etwa ein Drittel der ganzen Studentenſchaft. Im Juli mietete er, da er jetzt an die Gründung eines eignen Hausſtandes denken durfte, für 80 fl. eine Familienwohnung am Fuße des Schloßbergs. An den„Kreuzzügen“ ſchrieb er eifrig ab und ſandte vom Juni an größere Teile des Manuſkriptes zum Druck nach Leipzig. Am 26. Juli ſchreibt er in der Kranken⸗ ſtube des ſchwer am Nervenfieber darniederliegenden Creuzer, bei dem er die Nacht gewacht hat ⁴). Für den September wurde
¹) S. indeſſen Dittenberger a. a. O. S. 38 f. ²) Von Intereſſe für die damalige politiſche Auffaſſung des
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neuen badiſchen Unterthanen und deutſchen Hiſtorikers iſt noch folgende Stelle desſelben Briefes:„Der Kriegsſchauplatz wird wohl nicht in
dieſe Gegend kommen; denn unſere mächtigen Alliirten(d. h. die
Franzoſen) ſind ja noch immer ſiegreich und haben ſchon ſehr wichtige
Vortheile durch die Dummheit der öſterreichiſchen Feldherren— dies
Lob hat Kaiſer Napoleon ſelbſt ihnen zugeſtanden— errungen, daß
zu hoffen und zu wünſchen iſt, der Friede werde bald von ihnen er⸗ rungen werden.
Es blutet einem das Herz, wenn man bedenkt, daß
Deutſche durch engliſches Geld ſich dazu erkaufen laſſen mit Spott Irrung heraus, verfiel aber in die gefährliche Krankheit, die hier
und Schande bedeckt zu werden.“— Am ſelben Tage überlieferte
Mack den Franzoſen Ulm und 23000 Mann der Kriegsgefangenſchaft!
— In ſeinem letzterwähnten Satz nimmt Wilken Napoleons Dar⸗ ſtellung in ſeinem Manifeſt an ſeine Truppen völlig an. S. Häuſſer, Deutſche Geſchichte ꝛc. II. 576. Über die politiſche Stimmung Süd⸗
deutſchlands überhaupt in jenen Jahren ſ. ebenda S. 599. Übrigens
teilt auch der ſonſt patriotiſche Voß Wilkens Auffaſſung in ſeinem Brief an Overbeck, der zwei Tage vor Wilkens Brief geſchrieben iſt, ſ. Herbſt, J. H. Voß. II. 2. S. 132.—
³) Nach der Zuhörerliſte.
Im Sommerſemeſter 1806 hatte
„Die Studenten“, ſchreibt er,„ſind
gar ſchöne Herrn, vor denen man Reſpekt haben muß. Sie tragen
Hüte, die ſo groß ſind, daß bei einem Herrn von mittlerer Größe die Naſe gerade der Mittelpunkt zwiſchen der Spitze des Hutes und der Fußſohle iſt, und an dieſer Beſchreibung iſt nur wenig übertrieben.“
¹) Der früh mit der weit älteren Wittwe des Profeſſors Leske verheiratete Mann lernte 1804 die ſchöne und geiſtvolle Dichterin
ſeine Verheiratung feſtgeſetzt, obwohl Tiſchbein wegen der Erbſchaft ſeines in Petersburg verſtorbenen Bruders Ludwig Philipp ¹) am 8. Auguſt für vorausſichtlich längere Zeit*) dorthin abreiſen mußte; während ſeiner Abweſenheit wollte ſeine Gattin mit der jüngeren Tochter Betti und dem achtjährigen Sohn Karl Wilhelm ³), der auch als Maler ſich ſpäter bekannt gemacht hat, in Heidelberg in der Nähe des jungen Paares wohnen, und im Auguſt mietete Wilken eine kleine Wohnung auch für ſie. Am 6. September traf er in Leipzig ein; am 17. fand in der Thomaskirche die Trauung ſtatt, und am 21. trat er mit ſeiner Gattin und deren Familie die Heimreiſe an.
Wilkens Vorleſungen in der Folgezeit bis zu ſeinem Abgang von Heidelberg betrafen Allgemeine Welt⸗, Europäiſche Staaten⸗ und Reichsgeſchichte, Statiſtik, Geſchichte des Altertums, des Mittelalters, der drei letzten Jahrhunderte, Geſchichte Frankreichs und die Germania des Tacitus. Daneben las er über die allgemeine Geſchichte der Litteratur, hielt arabiſche und perſiſche Kurſe und erklärte Hiob, die Sprüchwörter Salomonis, den Pentateuch, die Kleinen Propheten und Jeſaias. Zuhörer hatte er in ſeinen Hauptkollegien 15—25, ſelten über 30; unter ihnen waren auch Juriſten und einzelne Mediziner. Von hervor⸗ ragenden Namen finde ich unter ihnen P. F. Stuhr aus Flensburg, Fr. A. Nüßlin, Georg Heinr. Moſer, Auguſt von Goethe(drei Semeſter lang), Fr. Kortüm, J. M. von Olfers, Georg von Maurer, Fr. von Blitters⸗ dorf, E. J. Leichtlen, Eilard Mitſcherlich, den ſpäteren Chemiker, der damals philologiſche, beſonders orien⸗ taliſche Studien trieb, Ernſt von Schiller, K. Ullmann, K. von Hügel, G. A. R. von Rochow, Fr. J. Mone, L. von Babo, Chr. Bähr u. a. ¹).
Karoline von Günderode kennen, verliebte ſich leidenſchaftlich in ſie, fand ebenſolche Gegenliebe bei ihr, bei ſeiner Gattin aber keine Nei⸗ gung ſich ſcheiden zu laſſen. Endlich rang er ſich glücklich aus der
erwähnt iſt. Verzweifelnd erſtach ſich Karoline am ſelben Tage, wo Wilken ſchreibt. Näheres ſ. in meiner Abhandlung im Programm des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel, 1890, S. 5 f.
¹) S. Nagler, a. a. O. Dieſer Maler und Architekt war 1743 zu Caſſel geboren.
²) Er war allerdings etwa zwei Jahre lang dort, ſah ſeine Hoffnungen aber getäuſcht. Nagler, a. a. O.
³) Er wird fälſchlich in dem Meyerſchen und Brockhausſchen Lexikon Carl Ludwig genannt; geb. 1797, iſt er 1855 als Hofmaler in Bückeburg geſtorben. 1
4) Kein Schüler Wilkens war der Hiſtoriker J. F. Böhmer, der ſeit Herbſt 1813 in Heidelberg ſtudierte; doch bedauerte dieſer ſpäter ſehr, daß Creuzer, dem er für das Sommerſemeſter 1814 die Auswahl ſeiner Kollegien überlaſſen hatte, ihm nicht auch Wilken empfohlen habe, deſſen Geſchichte der Kreuzzüge ihm damals ſelbſt


