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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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Sein Streben war von ſolchem Erfolge begleitet, daß, während das eben noch ſo blühende Jena durch Auswan⸗ derung ſeiner hervorragendſten Lehrer um das Jahr 1803 bald ſank, Heidelberg durch einen ſeltenen Verein bedeutender Dozenten für eine Reihe von Jahren an die Spitze der deutſchen Wiſſenſchaft trat und erſt durch die Begründung der Berliner Hochſchule wieder in den Schatten geſtellt ward. Es ward zwar nicht in dem Maße der Ausgangspunkt einer großen Bewegung, wie es Jena mit Fichte und Schelling, mit Schiller, Schlegel und vielen andern geweſen war, aber es fanden doch die meiſten akademiſchen Fächer dort bedeutende Vertreter und eifrige Pflege, griffen belebend in einander und ſicherten der Anſtalt den Ruhm, an dem er⸗ freulichen Aufſchwung, den zu Anfang dieſes Jahrhunderts das wiſſenſchaftliche wie das nationale Leben Deutſchlands nahm, reichen Anteil gehabt zu haben.

Die erſte Berufung erging an einen jungen Profeſſor in Marburg, der durch ſein 1803 erſchienenes Werkvom Recht des Beſitzes ſich als klaſſiſcher Juriſt erwieſen hatte und einſt der erſte ſeines Faches werden ſollte, Friedrich Karl v. Savigny, der freilich damals wegen einer für die nächſte Zeit geplanten Reiſe nach Paris nicht zuſagte, aber auch nicht völlig ablehnte, jedenfalls aber durch ſeine beſtändige Verbindung mit dem Geheimrat Hofer einen bedeutenden Einfluß auf die folgenden Vokationen ausübte. Sein Werk war namentlich die Berufung von Paetz, Heiſe, und auch wohl diejenige ſeines genauen Freundes ¹) Friedrich Creuzer, gleichfalls Profeſſors in Marburg), des erſten der vielen Heſſen, die nach dem Beiſpiel Sylburgs an der Neckaruniverſität gelehrt haben ³). Es folgten in den nächſten Jahren Fries, Schwarz, Boeckh, Marheineke, de Wette, Thibaut, Martin, Zachariae, Naegele u. a. Dieſe Dozenten, neu zuſammengeführt, alſo noch ohne

Tradition alter Parteiung, meiſt auch jung, machten ſich

gegenſeitig das Leben noch nicht ſchwer.Was hier in dem vernachläſſigten, unſchuldigen Eß⸗ und Trink⸗, Käs⸗ und Tanzland Gutes geſchieht, ſchreibt Clemens Brentano), wird durch die neuen Lehrer geſchehen. Was bis jetzt da iſt, iſt jung, emſig, für das Vortreffliche enthuſiasmirt, und, was das Vortrefflichſte iſt, einig).

¹) S. m. Abhandl⸗i. Progr. d. Friedrichsgymnaſ. zu Caſſel, 1890.

²) Für ihn war indeſſen auch Daub thätig.

¹) Aus Heſſen kamen noch Schwarz, der Mediziner Tiede⸗ mann, Conradi, Leonhard, Blum, Vangerom; 1796 ſchon Daub; Savignny ſelbſt kam nicht und wurde durch ſeinen ſpäteren Gegner Thibaut erſetzt.

) Geſ. Schr. VIII.(Geſ. Br. I.) S. 150.

) Manche Kreiſe, beſonders die Katholiken, ſahen freilich ſcheel auf die aufblühende proteſtantiſche, mit lauter Norddeutſchen beſetzte

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In den Kreis dieſer Männer, die in neidlos begeiſtertem Streben in einem regen geiſtigen und geſellſchaftlichen Verkehr miteinander ſtanden ¹), trat im Oktober 1805 denn auch Wilken ein und fühlte ſich bald lebhaft von ihm angezogen. Auch mit den Romantikern, die ſich damals in Heidelberg zuſammenfanden ²), mit Arnim, Brentano, zu denen dann noch Görres, ſpäter Helmine von Chézy, Amalie von Helvig, geb. Imhof u. a. ſich geſellten, nahm er die früheren Beziehungen wieder auf, ohne ihnen jedoch ganz nahe zu treten ³). Auch mit dem Voßſchen Hauſe wurde Wilken und ſpäter auch ſeine Frau näher bekannt). Freilich ſollte Voß, der grimme alte Kämpe, auch bald der Sauerteig werden, der die Gärung in die Heidelberger Geſellſchaft trug und durch den ſich dieſe in zwei feindliche Lager ſchied. Glücklich fühlte Wilken ſich auch beſonders durch die ungewohntermaßen auskömm⸗ liche Lage, in die er ſich verſetzt ſah.Mit meiner Okonomie, ſchreibt er 6. Oktober,ſteht es gar gut; ich habe ſoviel übrig, daß ich damit dieſen Winter reichlich auskomme und alles, was ich einnehme, bei Seite legen kann. Ich bin jetzt keinem Menſchen in der Welt einen Heller ſchuldig; und ich mache es mir für jetzt wie für mein ganzes künftiges Leben zum heiligen Geſetz, durchaus nichts auf Credit zu nehmen. Ich habe in Göttingen die Erfahrung gemacht, was es heißt Schulden machen. Heidelberg, heißt es in einem Briefe vom 20. Oktober, wird mir mit jedem Tage lieber; es iſt ein gar freund⸗

Anſtalt hin, wenn dieſe Abneigung auch nicht zu Attentaten führte, wie ſpäter in München. S. Herbſt, Voß. II. 2. 107. 132. Das einzige abſprechende Urteil übrigens über das verjüngte Heidel⸗ berg, das ich finde, das von J. D. Gries bei Reichlin⸗Meldegg, Paulus u. ſ. Zeit. II. 34, erklärt ſich aus ſeinem Verdruß über den Rückgang ſeines zeitlebens einzig geliebten Jena. Vergl. übrigens über die Neugründung Heidelbergs und das dortige Leben in der nächſten Zeit das Büchlein von Dittenberger, 1844, und C. Th. Perthes, Polit. Zuſtände und Perſonen in Deutſchland ct. I. 338, wo auch Wilken erwähnt, Görres allerdings unrichtig citiert iſt. (S. Sepp, Görres. S. 77.)

¹) S. die Artikel der Allg. Zeitung v. 16. u. 17. April 1806 Blicke auf deutſche Univerſitäten, wo auch Wilken ehrend erwähnt wird.

²) S. Jul. Schmidt a. a. O. II. 121.

³)Vorgeſtern, ſchreibt er ſeiner Braut am 5. Oktober 1805, habe ich bei Brentano Kaffee getrunken; ſie(die ſchon 1806 verſtorbene Dichterin Sophie Brentano, geſch. Mereau, ſ. Programm des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel, 1890, S. 17) gefällt mir ſehr und ich bedaure nichts mehr, als daß ihr Mann ſo haſenfüßig und überhaupt nicht zu einem näheren Umgang geeignet iſt. Dies be⸗ dauert hier jeder, mit dem ich von ihr geſprochen habe.

)Geſtern war ich bei Voß, ſchreibt er ebenda;er iſt im Geſpräch ein ſehr einfacher Mann, der ſeinen Stolz, welcher ihm nicht mangelt, ſehr verbirgt, und hat dabei viel Biederes und Deutſchredliches, was ſehr für ihn einnimmt.