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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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angefragt, ob Wilken wohl bereit ſein werde, eine Profeſſur der Geſchichte in Heidelberg anzunehmen. Wilken möge ſich mit Heiſe in Verbindung ſetzen. Am 12. April meldet Eichhorn, Hugo habe Antwort aus Heidelberg erhalten: möge der Theologe Bauer hinkommen oder nicht, man ſei dort geneigt, auch Wilken vor der Hand als professor extraordinarius, etwa für Geſchichte(wozu Ihre ange⸗ kündigte Geſchichte der Kreuzzüge Veranlaſſung iſt), mit 6 800 fl. anzuſtellen.Da es die Zeit nicht erlaubte, erſt mit Ihnen Rückſprache zu nehmen, ſo habe ich Hugo gebeten, die Offerte in Ihrem Namen anzunehmen: doch wenn es angehe als ordinarius und wenigſtens mit 800 fl. Gehalt. Am 20. ſchreibt Eichhorn wieder, es ſei noch keine Antwort von Heidelberg da; ſollte doch wirklich Auguſti ¹) aus Jena dazwiſchengekommen ſein, ſo erhalte Wilken ſicher die Stelle in Jena.Bleiben Sie bei Ihrem Herrn Grafen, ſchloß er,ſo lange Sie es gut können: Sie erſparen wenigſtens eine Summe Geldes, die Sie in Zukunft beſſer anwenden können.

Auf Wilkens weitere Anfrage bei Heiſe vom 12. Mai antwortet dieſer unter dem 6. Juni, er habe ihn in Vor⸗ ſchlag gebracht, doch ſei eine Entſcheidung erſt in drei Wochen zu erwarten. Endlich am 31. Juli erhielt dann Wilken wirklich eine offizielle Vokation durch den badiſchen Miniſter Freiherrn von Edelsheim.

Am 3. Auguſt ſendet Heiſe ihm dieſe ein und teilt ihm nach dem Auftrage Edelsheims zugleich die weiteren Bedingungen mit: Bei 600 fl. Gehalt(zum Teil in Naturalien, wobei er ſich gut ſtehe) ſolle er eine außer⸗

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ordentliche Profeſſur, zugleich aber die Verſicherung bald⸗ V

möglichſter Beförderung zu einem Ordinariate mit höherem Gehalt und ſodann an Transport⸗- und Reiſekoſten 5 fl. für jede Station des Weges erhalten; gänzliche Freiheit von allen Abgaben ſolle er genießen, müſſe aber ſpäteſtens

kommen.

11. Juni zu ihm nach Göttingen kam und ihn von da auf eine größere Reiſe mitnahm. Am 12. fuhren ſie über Caſſel, wo die Bildergalerie und Wilhelmshöhe beſucht wurden, nach Philippsthal, am 29. nach Barchfeld, und über Fulda, Geln⸗ hauſen, Wilhelmsbad nach Frankfurt und Wiesbaden(4. Juli); fünf Wochen wurden dort, eine in Frankfurt zugebracht. Hier ſah Wilken in einer Geſellſchaft bei Bethmann auch ſeine Göttinger Bekannten Achim v. Arnim und Cl. Brentano wieder. In Offenbach lernte er des letzteren Großmutter, die ehrwürdige Frau von Laroche, Wielands Jugend⸗ liebe, kennen, deren Unterhaltung er intereſſanter fand als ihre Schriften. Eine weitere Rundreiſe führte ſie am 19. Auguſt den Rhein hinunter bis Düſſeldorf und über Diez im Lahnthal, Frankfurt und Darmſtadt am 16. September nach Heidelberg; nachdem er dort einen Tag ſich aufgehalten und ſich eine Wohnung der Univerſität gegenüber ¹) gemietet hatte, ging er auf den Wunſch des Grafen, obwohl er lieber die nächſten Wochen noch in Leipzig bei ſeiner Braut verbracht hätte, doch noch mit ihm nach Stuttgart und Würzburg, wo beide dann am 26. September bewegten Herzens von einander Abſchied nahmen. Mit einem Retour⸗ kutſcher fuhr Wilken nach Heidelberg, überall wie ſeit Wochen ſchon von Kriegsunruhen umgeben. Am 28. fuhr er, übrigens völlig unbehelligt, durch ein Corps von 15000 Franzoſen hindurch, die tags zuvor bei Mannheim den Rhein überſchritten hatten. Am 29. September langte der neue Profeſſor an dem Orte ſeiner nächſten Beſtimmung an.

18051817.

Infolge des Lüneviller Friedens war Heidelberg 1802. mit den rechtsrheiniſchen Teilen der Pfalz an Baden ge⸗ Die Univerſität hatte während der Revolutions

kriege durch franzöſiſche Occupation ihre reichen links⸗

Mitte Oktober eintreffen; er teilt ihm mit, welche Kollegien ge⸗

Fragen, die Heiſe am 9. beantwortet; er ſolle ſich in allem an ihn wenden, die offiziellen Wege ſeien bis jetzt nicht die richtigſten; er empfiehlt ihm an den Baron von Reizen⸗ ſtein*²), der allein die Vokation ins Leben gebracht habe, ein Dankſchreiben zu richten, was Wilken denn auch that).

Inzwiſchen blieb Wilken nach Eichhorns Rat den Sommer des Jahres 1805 über noch beim Grafen, der am

¹) 1771 1841. S. Allg. D. Biogr. ²) S. über dieſen vortrefflichen Mann die Allg. D. Biogr. ³) Das Konzept trägt kein Datum.

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wünſcht wurden, und erſucht um umgehende Entſcheidung. als eine halbe Million Gulden ſchätzte),

Am 5. Auguſt ſagt Wilken zu und ſtellt noch einige V frahere Blüte völlig verloren)

rheiniſchen Beſitztümer und Einkünfte, die man auf mehr und damit ihre War doch ſchon vielfach von der Auflöſung der Anſtalt die Rede geweſen. Da ſuchte aber alsbald der treffliche Markgraf Karl Friedrich von Baden die geſunkene Anſtalt zu neuem Leben zu er⸗ wecken und ein neues Bildungscentrum für Süddeutſchland zu ſchaffen; er wurde in der That gleichſam der zweite Stifter der altberühmten Ruperto-Carolina.

¹) bei Poſtſekretär Becker, unmöbliert für 30 Thlr. jährlich. ²) S. Hautz, Geſch. d. Univerſität Heidelberg. 1864. II. 307. 309. ³) In dem Univerſitätskatalog von 1803/4 findet ſich nicht

eine philologiſche Vorleſung angekündigt; die Zahl der Studierenden

betrug blos etwa 250.