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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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heftige Szenen ¹). Doch die treffliche Mutter, eine kernige

und joviale Frau, die an Frau Aja erinnert, ſtellte ſich vor den Riß, und die geſicherte Exiſtenz, die Wilken bald fand, ſowie ſein ſteigender litterariſcher Ruf rangen auch dem Vater nach einer Weile ſeine Einwilligung ab.

Zwar zerſchlugen ſich die Anfang 1805 begonnenen Unterhandlungen Wilkens wegen einer Anſtellung an der Univerſität zu Altdorf, für welche ſeine Freunde Meyer (ſ. o. S. 8) und Eichhorn in Göttingen ſich bemüht hatten;

aber eine andere, wertvollere Ausſicht eröffnete ſich ihm im

April desſelben Jahres auf eine Profeſſur der Geſchichte in Heidelberg.

In dieſem Monat ging Wilken allerdings zunächſt,

nachdem der Erbgraf ſeine Leipziger Studien abgeſchloſſen hatte, mit dieſem und deſſen übrigen Begleitern für mehrere

Wochen nach Dresden, wo er im Hauſe des mit der Tiſch⸗

beinſchen Familie ſehr befreundeten Rats Chr. G. Körner frohe Stunden verlebte, die Kunſtſchätze der Stadt genoß, das Theater beſuchte, aber auch auf der Bibliothek wie im Verkehr mit einem Maltheſerritter Boisgelée, der, mit einer Geſchichte ſeines Ordens beſchäftigt, ſchöne Samm⸗ lungen dafür angelegt hatte, ſeine Studien zur Geſchichte der Kreuzzüge eifrig fortſetzte. Namentlich benutzte er auf der Bibliothek ein aus einer Schrift des Königs Renatus von Anjou genommenes Manuſkript von 83 SS. kl. Fol. über die Turniere zu einer Abhandlung über dieſelben, welche dann 1806 in Creuzer und DaubsStudien (S. 168 203) gedruckt wurde ³).

Auch verkehrte er mit Tiſchbeins alten Freunden Böttiger), den er ſchon 1799 in Weimar aufgeſucht hatte und der inzwiſchen nach Dresden übergeſiedelt war, und dem Landſchaftsmaler J. W. Mecha u?).

¹)Kaum waren wir geſtern im Zimmer, ſchreibt Caroline Anfang März 1804,ſo ergoß er ſich in tauſend heftigen und bitteren Bemerkungen über uns beide und ſchloß mit der AÄußerung, er werde endlich noch Maßregeln gegen dieſe unbeſonnene Neigung zu finden wiſſen. ein Kraut gegen den Tod. werden.

²) Ihr Porträt von der Hand ihres Gatten, jetzt im Beſitz der

Beides kann und wird nie gefunden

Frau Dr. Pinder, verwittweten Gattin von Wilkens Enkel, Muſeums⸗

direktor Dr. Pinder zu Caſſel, zeigt die anmutigſte junge Frau. Unter ihren Briefen an die Tochter befindet ſich ein faſt klaſſiſch zu nennender über die Schlacht bei Leipzig, der von Wilkens Schwieger⸗ ſohn E. v. Pochhammer(Pſ. Ed. Mund) in einer Jugendſſchrift, Grafen⸗ und Schulzenſohn, Stuttgart. S. 187 195 wiedergegeben iſt.

*) Rezenſion in d. Gött. Gel. Anz. 1806. S. 1786.

) S. meine Abhandlung im Progr. des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel, 1890. S. 12.

) 1745 1808. S. Allg. D. Biogr.

Maßregeln gegen dieſe Neigung! Das kommt mir vor wie

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Anfang Mai für kurze Zeit nach Leipzig zurück⸗ gekehrt, begleitete er dann den heimkehrenden Grafen bis Braunſchweig und reiſte von da über Celle und Lüneburg, wo er das franzöſiſche Lager beſuchte, nach Ratzeburg zu ſeinen Eltern, die er zehn Jahre lang nicht geſehen hatte. Leider hatte ich meinen Eltern, ſo ſchreibt er ſeiner Braut, den Tag meiner Ankunft nicht beſtimmt angeben können. Ich hatte daher alle Mühe von der Welt, ſie zu über⸗ zeugen, daß ich ihr Sohn ſei; meine Eltern und Geſchwiſter ſtanden eine Viertelſtunde ganz ſprachlos, und ich war in einer peinlichen Lage, beſonders in einer entſetzlichen Furcht für meinen alten ſchwachen Vater; indeſſen erholte er ſich doch am erſten von der Betäubung, und ſo kam doch auch meine Mutter auf ſein Zureden dahin, mich wiederzuerkennen. Nur vier Tage konnte Wilken bleiben und ſah dann ſeine Eltern und ſeine Vaterſtadt niemals wieder.An meinen Abſchied aus Ratzeburg mag ich nicht wieder denken! ¹) Eine dreitägige Poſtfahrt brachte Wilken dann nach Hannover, wo er mit dem Grafen und deſſen Schweſtern noch einen Tag verbrachte; am 9. Juni langte er in Göt⸗ tingen an und wurde da von Eichhorn aufs freundlichſte aufgenommen, der inzwiſchen auf Wilkens Bitte ſich lebhaft für ihn bemüht hatte.

Am 1. April 1805 hatte Eichhorn ihm zwar nach Leipzig geſchrieben, eine Unterhandlung wegen einer Pro⸗ feſſur in Heidelberg ſei unthunlich, weil ſchon Profeſſor Bauer in Altdorf mit Carlsruhe in eine ſolche eingetreten ſei. Doch habe der Nürnberger Magiſtrat Bauer alles bewilligt, und er bleibe nun dort.Heute geht nun ein ſehr eindringliches Empfehlungsſchreiben nach Carlsruhe ab, das Sie zu der Stelle in Vorſchlag bringt. Ich habe Hofrat Hugo) gebeten, die Sache in die rechten Hände zu bringen, weil er als Badener Perſonal⸗- und Lokalkenntnis hat, und er hat auch mein Geſuch erfüllt und wird mein Schreiben) dahin ſchicken. Mit dem bisherigen Univerſitätsprediger Meyer(ſ. o. S. 8 Sp. 2 Note ¹) habe ich verabredet, daß, wenn die Nachricht falſch ſein und Bauer doch gehen ſollte), er gleich nach ſeiner Ankunft in Altdorf alles in Bewegung ſetzen ſolle, daß Sie dieſe Stelle erhalten möchten. Am 6. April ſchreibt auch der mehrgenannte Ballhorn, damals Privatdozent der Rechte in Göttingen, Profeſſor Heiſe in Heidelberg, Wilkens alter Freund, der bei der Reorganiſation der dortigen Univerſität wirkſam ſei, habe privatim bei ihm

¹) Sein Vater ſtarb 1809, ſeine Mutter 1829.

²) S. Gymnaſialprogramm 1890. S. 13 f.

⁵³) Hugo zeigte es auch Planck, der Eichhorns Urteile über Wilken in allem beitrat. ) S. Allg. D. Biogr. Dieſer rationaliſtiſche Theolog ging 1805 allerdings auch nach Heidelberg, ſtarb aber ſchon im Januar 1806.

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