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dem Grafen, das bis zu ſeinem Tode unverändert fort⸗ beſtand ¹), in dieſer Stellung, die ſeine Zeit ſehr in Anſpruch nahm, nicht beſonders befriedigt fühlte, ſo war er doch in der Lage, ſeine Studien zur Geſchichte der Kreuzzüge fortzuſetzen, wohl auch einzelne Rezenſionen für die Halliſche und die Leipziger Litteraturzeitung abzufaſſen ²)
und beſonders die ſchon erwähnte perſiſche Grammatik zu
beendigen ³). Leipzig unter dem Titel: Institutiones ad fundamenta linguae persicae auf 108 Oktavſeiten, zugleich mit einer Chrestomathia maximam partem ex auctoribus ineditis collecta,(119 SS.); daran ſchloß ſich etwas ſpäter eine lateiniſche Überſetzung,„Auctarium“, von 81 Seiten, und als zweiter Band erſchien dann noch ein Glossarium locuples von 446 Seiten.
Dieſe erſchien 1805 bei S. L. Cruſius in
zu haben, das Buch„dans le moment, où les exploits brillants des armes victorieuses de Votre Majesté impériale font trembler la Perse“ ¹), dem Kaiſer zu über⸗ reichen. In dem Briefe an den Geſandten heißt es u. a.:
„Je serais au comble de mes voeux, si d'après ce faible essay, Sa Majesté me jugeait digne de vouer à son service mes légères connaissances des langues orientales dont je ne puis faire dans ma patrie qu'un emploi très circonscrit. Je ne saurais parvenir plus sürement à ce bonheur si désiré qu'en priant V. Ex- cellence de vouloir bien m'accorder sa puissante pro- tection.“
Es findet ſich freilich im Nachlaſſe Wilkens nirgends
eine Antwort auf dieſen Brief.
Es iſt dies die erſte perſiſche Grammatik, die über⸗
haupt in Deutſchland verfaßt worden iſt; die Chreſtomathie enthält neben einigen aus engliſchen Werken entlehnten Stücken auch ſolche, die Wilken aus Handſchriften ent— nommen hat, wie die Geſchichte des Iskander aus dem Schahnameh, einige aus dem Mirkhond und dem Dauletſchah*). Rezenſionen finden ſich in der Neuen Leipziger Zeitung 34. Gel. Anz. 1805, S. 1452— 4 u. 1806, S. 416. Orientaliſten wie Silvestre de Sacy und Tychſen benutzten ſie ſofort in ihren Vorleſungen, während ſie heute veraltet iſt.
Nach dem Erſcheinen der perſiſchen Grammatik hat Wilken, wohl in der Ungewißheit, wie ſich ſein Schickſal ge⸗ ſtalten werde, ſein Heil ſogar in Rußland verſuchen wollen. Wenigſtens ſcheint er ſich mit einem Briefe, deſſen Konzept vom 12. Januar 1805 datiert iſt, an den ruſſiſchen Ge⸗ ſandten in Berlin, Baron Alopeus, mit der Bitte gewandt
¹) Etwa 50 dies beweiſende Briefe des erſt 1860 verſtorbenen Grafen und ſpäteren Fürſten an Wilken befinden ſich in der fürſtl. Hofbibliothek zu Bückeburg.
²) Mit dieſen liegen wenigſtens Kontrakte vom 12. Okt. 1803 bezw. 19. März 1805 vor; für die ganze Leipziger Zeit ſind ſonſt noch 3 Kontrakte Wilkens mit Wallmoden, auch Feders und Platners Studienpläne, ſowie die Konzepte von 8 Berichten und 1 Studien⸗ plan Wilkens, endlich 2 anerkennende Briefe Wallmodens vorhanden.
²) Zu dieſer machte er auch zu Göttingen noch Studien, z. B. nach einer Stelle eines ſeiner 16 Briefe an den Bibliothekar Reuß zu Göttingen(im Beſitz der Bibliothek daſelbſt) im April und Mai 1804, woraus zugleich hervorgeht, daß die Ferien wenigſtens teilweiſe nicht in Leipzig verbracht wurden.
*) Daß Vullers in ſeiner Chrestomathia schahnamiana an einigen Stellen jenes erſten Stückes Verbeſſerungen Wilkens vornimmt, iſt— nach gütigen brieflichen Mitteilungen des Herrn Prof. Juſti zu Marburg an den Verfaſſer— nicht zu verwundern und ſetzt Wilkens Verdienſt in keiner Weiſe herab.
Der Aufenthalt in Leipzig wurde für Wilken auch inſofern von Bedeutung, als er— wohl ſchon im Sommer 1803— dort ſeine ſpätere Gattin fand. Durch den Oberſten von Haake fand er Zutritt zu dem Hauſe des Akademie⸗Direktors und berühmten Porträtmalers Fr. A. Tiſchbein. Deſſen älteſte, vielumworbene Tochter Karoline, ein überaus ſchönes, edles und feingebildetes Mädchen ²),
gewann Wilkens ganzes Herz und erwiderte ſeine Neigung Stück(13. März 1805) S. 335— 9, und in den Gött.
auf das innigſte. Sie zeichnete auch vortrefflichs) und war in allen diſtinguierten Kreiſen Leipzigs geſchätzt wegen ihrer Geſangskunſt und ihrer ſchönen Altſtimme. Durch die Duette, die ſie mit ihrer ebenſo anmutigen jüngeren Schweſter Betti4) ſang, gewann ſich das reizende Schweſtern⸗ paar alle Herzen 5).
Ihr Vater war anfangs, da er Wert auf glänzende äußere Verhältniſſe legte, dem ſich entwickelnden Einverſtänd⸗ niſſe der beiden jungen Leute nicht eben hold, und es ſetzte
¹) So heißt es in dem gleichzeitig gefertigten Concept zu einem Schreiben an Kaiſer Alexander ſelbſt. Perſien lag 1804—1813 mit Rußland in einem Kriege, in dem es wenig Glück hatte.
¹) Ihr vom Vater gefertigtes Porträt iſt im Beſitz der Schwieger⸗ tochter Wilkens, der verwittweten Frau Geheimrat Wilken in Caſſel.
³) Als Zeichnerin hat ſie auch in Naglers Künſtlerlexikon, XVIII. 506 einen Platz gefunden.
⁴) Sie heiratete ſpäter den damals noch ſehr wohlſituierten Kaufmann Wilhelm Kunze zu Leipzig, den treuen Freund Theodor Körners; als fideler Burſche kam dieſer oft ſpät abends, von den Pedellen verfolgt, in mancherlei Verkleidungen zu Kunze, um bei ihm die Nacht ſicher zuzubringen. S. Jonas, Chr. G. Körner. S. 216. Kunze war es(mit Wendler und Förſter), der den bei Lützen(17. Juni 1813) verwundeten Freund vor der franzöſiſchen Gefangenſchaft rettete. S. daſ. S. 302— 8. u. Alb. Weber, 46 Briefe der Familie Körner in der D. Rundſchau 1878. Juni⸗ u. Iulihefte, beſ. S. 473. 117. 118.
³) Sehr anziehend ſind die Aufzeichnungen, welche Karoline in ihrem Alter über ihre und der Schweſter Jugendzeit und ihr Wander⸗ leben zur Erinnerung für ihre Kinder gemacht hat; ich hoffe, ſie werden in Kürze veröffentlicht werden.


