Druckschrift 
1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1802 die Überſetzung eines in den Gött. Gel. Anz. 1800 S. 147 günſtig beurteilten engliſchen Buches:Geſchichte des Verfalls der Wiſſenſchaften und Künſte bis zu ihrer Wiederherſtellung im 15. Jahrhundert ¹); zu dieſer letzten Arbeit, die gleichwohl mehrfache Beſprechung natürlich nur in Rückſicht ihres Inhaltes erfuhr²), hatten ihm freilich bloß finanzielle Bedürfniſſe die Feder in dieÜber⸗ ſetzerfauſt gedrückt.

Nach Erſcheinen ſeiner Preisſchrift galten Wilkens Hauptſtudien dauernd der Geſchichte der Kreuzzüge und der perſiſchen Sprache und hiſtoriſchen Litteratur. Er beſchäftigte ſich zunächſt mit einer Ausgabe der Geſchichte der Samaniden des perſiſchen Schriftſtellers Mirkhond, deren Druck ſchon vor ſeinem Abgange von Göttingen be⸗ gann, die indeſſen erſt 1807 veröffentlicht wurde.

Daneben arbeitete er auch an einer perſiſchen Gram matik. Dieſelbe erſchien 1803. Auch beſchäftigte ihn in jenen Jahren zweifellos ſchon der erſte Band ſeiner Geſchichte der Kreuzzüge, das Hauptwerk ſeines Lebens, deſſen erſter Band 1807, deſſen ſiebenter und letzter erſt 1832 erſchien. Eine zufällig aufgeworfene und ihn zur Bearbeitung reizende Preisfrage hatte alſo, wie ſchon oft, dem ganzen wiſſenſchaftlichen Leben auch dieſes Gelehrten ſeine Richtung gegeben. Vorläufig erhielt er durch Diplom vom 25. März 1803ob egregiam litterarum imprimis orientalium scientiam idoneis arbitris luculenter comprobatam, wie ſchon oben(S. 7) erwähnt, die Ehren eines Doctor philo- sophiae von der Univerſität Jena zuerkannt. An dieſe Univerſität hatte er bei Ilgens Abgang nach Schul⸗Pforta, V wohl auf deſſen Betreiben, ſchon 1802 berufen werden ſollen; doch hatte der auf die allzugroße Jugend des Vor⸗ geſchlagenen ſich ſtützende Widerſpruch Meiningens gegen Weimar und Gotha, die darauf eingehen wollten, die Be⸗ rufung verhindert.

daſelbſt immatrikulieren ²). Grafen für das erſte Semeſter hatte Profeſſor Platner

18031805.

Im Anfang des Jahres 1803 ſuchte der hannöverſche Generalfeldmarſchall Reichsgraf Johann Ludwig Wall⸗ moden⸗Gimborn) einen wiſſenſchaftlichen Lehrer und Geſellſchafter für ſeinen Mündel, den 19 jährigen Erb⸗

¹) In Göttingen 1802 bei Ph. G. Schröder erſchienen, 302 SS.; den Namen des engl. Autors konnte Wilken ſelbſt nicht ermitteln.

²) Allgem. lit. Zeit. März 1803. Nr. 153, S. 485. 6. Neue Leipz. Litt. Zeit. 1803 St. 33. S. 522 f., N. Allg. Deutſche Bibl. Bd. 87. St. 1.

²) 17361811. Er iſt bekannt geworden durch die von ihm am 3. Juni 1803 zu Sulingen abgeſchloſſene Kapitulation des hannöv. Heeres. Der Freiherr vom Stein war ſein Schwiegerſohn. S. f. Sp. N. 2.

grafen Georg von Schaumburg⸗Lippe, der ſchon 1787 ſeinem Vater gefolgt war, ein Enkel des be⸗ kannten portugieſiſchen Generaliſſimus Grafen Wilhelm zur Lippe. Wahrſcheinlich war es Wilkens Freund, der oben(S. 8) genannte Dr. Ballhorn⸗Roſen, der durch den Garniſonprediger Bremer in Hannover die Auf⸗ merkſamkeit Wallmodens auf Wilken lenkte. Am 21. Febr. teilte nach Wilkens eigner Aufzeichnung Ballhorn ihm mit, daß Wallmoden ihn zu ſprechen wünſche; am 24. reiſte er nach Hannover und brachte hier bis zum 3. März die Sache zum Abſchluß.

Wilken hatte nach den noch erhaltenen Kontrakten die wiſſenſchaftliche Ausbildung des Erbgrafen, für welchen der Philoſoph Feder) einen allgemeinen Studienplan, etwa achtzehn Wiſſenſchaften umfaſſend, ausgearbeitet hatte, im einzelnen zu leiten und zunächſt die Univerſität Leipzig mit ihm zu beſuchen. An die Spitze des Gräflichen Haushalts dortſelbſt wurde als Gouverneur der Oberſt von Haake geſtellt, der auch die allgemeinemoraliſche Aufſicht über den Grafen zu führen hatte. Wilken ſollte den jungen Mann in die nicht privaten Kollegien begleiten, um bei dem ſchwachen

Gehör desſelben ihm erforderlichenfalls bei der Wiederholung

nachhelfen zu können, ferner ſeine wiſſenſchaftliche Lektüre leiten und vertiefen, zu eignen wiſſenſchaftlichen Arbeiten ihn an⸗ leiten, ihm auch täglich eine oder zwei Privatlektionen erteilen. Unter keinen Umſtänden ſollte er vor zwei Jahren das Ver⸗ hältnis löſen, wogegen ihm bei anſtändiger freier Station 300 Thlr. jährlich und nach Ablauf der zwei Jahre eine Gratifikation von 800 Thlrn. zugeſichert wurden.

Am 30. März in Hannover angelangt, fand Wilken den Grafen dort ſchon anweſend, und ſie blieben daſelbſt, einen achttägigen Beſuch in Bückeburg abgerechnet, bis zum 15. Mai, wo ſie die dreitägige Reiſe nach Leipzig antraten. Neben ſeinem Schüler ließ ſich auch Wilken am 2. Juni Den ſpeziellen Studienplan des

in Leipzig ſchon früher feſtgeſtellt; für die folgenden drei Semeſter ſtellte indeſſen Wilken ſelbſt die Pläne auf, ſo wie er auch jedes halbe Jahr einen Bericht an Wallmoden einreichte.

Wenngleich Wilken, der für höfiſches Leben wenig angelegt war, ſich trotz ſeines ſehr guten Verhältniſſes zu

¹) Früher Profeſſor in Göttingen, damals Direktor des Pagen⸗ inſtituts(Georgianum) zu Hannover; vergl. meine Abhandlung im Programm des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel 1890, S. 12. N. 58.

²) Seinen erſten Bericht ſandte er wegen derhannövriſchen Unfälle erſt am 26. Juni an den Feldmarſchall ein; dieſer hatte nämlich, obwohl perſönlich ehrenwert und mutig wie das Heer, von dem elenden Landesregiment getäuſcht und gezwungen, mit 15000 M. vor Mortier kapituliert. S. Schloſſer⸗Jäger XV. S. 3547.

2

2