er ſich der Hoffnung hingeben durfte ſich der akademiſchen
Laufbahn zu widmen. Dieſer Abfall trug ihm einen Brief voll harter Vorwürfe von Eggers ein.
Einſtweilen wurde er i. J. 1800, nach einer Prüfung durch Stäudlin und Planck, Repetent und gehörte ſomit aller⸗ dings noch der theologiſchen Fakultät an; er führte ſich mit einer mir vorliegenden Antrittsvorleſung über den 45. Pſalm am 28. Auguſt d. J. in ſein Amt ein, das er bis 1803 verwaltete ¹). Dieſes verpflichtete ihn zu Vorleſungen über das alte und das neue Teſtament, zu ſchriftlichen Ausar⸗ beitungen, Disputationen und gelegentlichen Predigten in der Univerſitätskirche. Die Hefte ſeiner Vorleſungen über Hiob, über die hebräiſche Poeſie, das Evangelium Johannis, die Apoſtelgeſchichte, das hohe Lied und die Sprichwörter Salomonis ſind noch vorhanden.
Daneben iſt aber Wilken auch als Privatdozent der
philoſophiſchen Fakultät verzeichnet ²) und endlich bei der Bibliotheksverwaltung thätig geweſen. Ob er ein Colleg zuſammengebracht, iſt mir freilich zweifelhaft; ſeine Hörer⸗ verzeichniſſe beginnen erſt mit dem Jahre 1805 in Heidelberg.
Es erübrigt noch zu erwähnen, in welche perſönlichen Beziehungen Wilken in der Göttinger Zeit noch eingetreten
iſt. Außer dem Eichhornſchen, in dem er viel verkehrte, ſcheint ſich ihm kein Profeſſorenhaus erſchloſſen zu haben.
Unter ſeinen jüngeren Bekannten war von Bedeutung der um vier Jahre ältere berühmte engliſche Philoſoph und Dichter S. T. Coleridge, dem er entweder deutſchen Sprachunter⸗
richt erteilte oder durch Vermittelung ſeiner andern eng⸗ liſchen Schüler näher trat ³).
Als Mitglieder des philologiſchen Seminars ſtanden ihm näher G. Fr. Grotefend, der ſich durch ſeine alt⸗
¹) Nach Brandes a. a. O. S. 275 wurden in dem theo⸗ logiſchen Repetentenkollegium auf den Vorſchlag der Fakultät zwei junge vorzüglich geſchickte Theologen, die den eigentlichen akademiſchen Kurs ſchon beendet hatten, angeſtellt; ſie ſollten eigentlich die bereits gehörten wichtigſten Vorleſungen den Studenten unentgeltlich vortragen. Da aber jeder 150 Thaler erhielt, ſo diente die Anſtalt damals mehr dazu, jungen vorzüglich fähigen Männern die Fortſetzung des aka⸗ demiſchen Aufenthaltes zu ihrer eigenen weiteren Ausbildung zu er⸗ leichtern.
²) S. Pütter⸗Saalfeld, Gött. Gel. Geſch. III. S. 276.
²) Von ihm iſt noch folgender Stammbucheintrag vom 22. Juni 1799 vorhanden:„A God is every where! mankind to be one mighty Brotherhood, Himself our Father and the World our Home.“
This will recall to Mr. Wilkens mind the memory of one, who during a short stay at Gottingen learnt to value his caracter and admire his talents. S. T. Coleridge.
S. über dieſes romantiſchen Dichters 1 ½ jährigen Aufenthalt in Deutſchland Brand!, Coleridge S. 240— 266. Coleridge hatte vor ſeinem Göttinger Aufenthalt in Ratzeburg gelebt.
Erasmus Müller)
Even the who fram'd
perſiſchen Forſchungen berühmt gemacht hat, Ballhorn, gen. Roſen, der als Juſtizkanzleidirektor 1855 in Detmold ſtarb, Vater der bekannten Orientaliſten Friedrich Auguſt und Georg Roſen, Joh. Aug. Briegleb, ſpäter Profeſſor am Gymnaſium in Coburg, H. L. J. Billerbeck(1772—1836), ſpäter Direktor in Hildesheim, am nächſten aber nach Aus⸗ weis ſeiner zahlreichen Briefe der 1816 als Profeſſor der Theologie in Altdorf verſtorbene G. W. Meyer ¹). Von Hiſtorikern ſtudierte damals Schloſſer von 1794—97 in
Göttingen, iſt mit Wilken aber, dem er in der Heidelberger
Profeſſur ſpäter nachfolgte, damals noch nicht näher bekannt worden; dagegen war dieſer mit Luden befreundet, der 1799— 1802(oder 3) in Göttingen ſtudierte ¹).
Außerdem verkehrte Wilken mit dem Mathematiker Bernhard Friedrich Thibaut,(Bruder des berühmten Ju riſten), der 1832 als Profeſſor in Göttingen ſtarb ³), mit dem bekannten Litteraturfreund von Meuſebach, mit Achim v. Arnim, der i. J. 1800 von Halle nach Göttingen überſiedelte⁴), dem Philologen und Archäologen Börge Thorlacius, nachmaligen Profeſſor in Kopenhagen, dem däniſchen Hiſtoriker Engelſtoft und dem ſpäteren be⸗ deutenden Theologen und Biſchof von Seeland Peter Auch der Gouverneur der Rheinlande 1814 und 1815, Juſtus Gruner, der Juriſt Arnold Heiſe und der oben ſchon erwähnte Orientaliſt J. M. Hart⸗ mann wurden ihm damals bekannt.—
Von ſchriftſtelleriſchen Arbeiten Wilkens erſchien 1801 ein„hiſtoriſch⸗kritiſcher Verſuch über die ſyriſchen Naſſairier“, vorzüglich in Hinſicht auf eine Stelle in Abulfaradſch ſyriſcher Chronik, in Stäudlins„Magazin für Religion, Moral u. Kirchengeſchichte.“ Bd. I. Stück 1, S. 154— 186 ⁶);
¹) S. über ihn Allg. D. B. Wilken und Ballhorn kamen einſt auf die Idee, eine gewiſſe Dame ſei für Meyer eine ſehr paſſende Partie, und redeten ihm das ſo lange ein, bis er ſich mit ihr verlobte. Er bedankt ſich ſpäter brieflich bei Wilken als dem Urheber ſeines Glückes.
²) Ihr Verkehr ſchlief nach Ludens Abgang von Göttingen ein; Luden ſuchte ihn 1811 wieder zu beleben und ſchrieb, als Wilken wegen ſeiner Pariſer Reiſe nicht gleich antwortete, einen ſehr ſpitzen, von Wilken aber nun erſt recht nicht beantworteten Brief, der mir vorliegt. Erſt 1835 ſtellte Wilken durch einen perſönlichen Deinch bei Luden in Jena das alte gute Verhältnis her.
³) S. Allg. Nekrol. d. Deutſchen.
⁴) Clemens Brentanog, den der Sohn auch zu den Göttinger
Bekannten ſeines Vaters zählt, konnte allenfalls auf einer ſeiner
Sängerfahrten auch einmal in Göttingen eine kleine Weile ſich auf⸗ gehalten haben; ſo reiſte er im Januar 1802, von Savigny in Marburg kommend, über Göttingen nach Jena. S. Brentanos S. W. VIII. S. 38.
⁵³) Dieſe Dänen beſuchten Wilken zuerſt an dem Tage, wo er den Preis erhalten hatte, um ihn kennen zu lernen. Sie wie Meuſe⸗
bach haben ſich auch in Wilkens Stammbuch eingetragen.
6) Rezenſiert in Wachlers Theol. Annalen 1801.


