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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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in den kläglichſten Verhältniſſen in Lübeck lebenden Köhler),

den berühmten O. G. Tychſen in Roſtock), Chriſt. Friedrich

Schnurrer in Tübingens), und beſonders E. F. K. Roſen⸗ müller in Leipzig); ſein jugendlicher Verſuch, ſchreibt er, wie Wilken ihn beſcheiden nenne, würde einem Veteranen Ehre machen; von dieſem Fleiße, dieſem eindringenden Forſchungs⸗ geiſte und dieſen Kenntniſſen laſſe ſich noch viel für die Wiſſenſchaften erwarten.Möchten Sie doch Ihrem Vor⸗ ſatz, ſich ganz der morgenländiſchen Litteratur zu widmen und

vierzehntägige¹) Reiſe nach Jena zu unternehmen ſich ohne Gewiſſensbiſſe erlauben durfte. Das erhaltene Tagebuch zeigt uns einen gar ſparſamen Wanderer, der ängſtlich

ſelbſt die Pfennigzechen bucht, ſich der ſchönen Natur freut, die Augen aber auch für alles Merkens⸗ und Wiſſenswerte

vors erſte die Geſchichte der Kreuzzüge zu bearbeiten, getreu bleiben! In dieſen Wunſch ſtimmt gewiß jeder mit ein,

der ſich für morgenländiſche Geſchichte intereſſiert, die bisher ſo wenige Bearbeiter gehabt hat, welche die nötigen Erforderniſſe, Sprachkenntniß und Sinn für hiſtoriſche Kritik, beſeſſen hätten.

Zu raſtloſer Thätigkeit und beſtändigem Erwerb ge⸗ zwungen erteilte Wilken nebenher Privatunterricht, wie z. B. dem ſpäteren Mediziner Franz Eichhorn, dem Sohn ſeines von ihm hoch verehrten Gönners, und einer Anzahl Eng⸗ länder, im Verkehr mit denen er ſich auch die engliſche Sprache gründlich zu eigen machte; er beſorgte Korrekturen, ſo von des bekannten Satirikers Käſtner Geſchichte der Mathematik, ſchrieb auch die ſchon 1797 imNeuen

Hannöverſchen Magazin, 22. und 23. Stück, erſchienene

philologiſch⸗botaniſche Abhandlung über den Cytiſus) der Alten; in der Zeit der höchſten Not, als ihn der Mangel eines notwendigen Kleidungsſtücks ſchon Tage, vielleicht Wochen lang an das Haus gefeſſelt hatte, beglückte ihn plötzlich ein Lotteriegewinn von 100 Gulden; um 1799 ſah der arme Schlucker ſeine Verhältniſſe wenigſtens ſoweit geſichert, daß er von dem Geld, das ſeine Preisarbeit ihm verſchafft hatte, im September d. J. auch einmal eine

von der Wichtigkeit des audiatur et altera pars ſicher recht lebhaft überzeugen und uns, will's Gott! eine aufgeklärtere Geſchichte dieſer Kriege geben.

¹) S. ebenda; auch er war ein Herausgeber des Albufeda; er bewundert die vielen Kenntniſſe eines jungen Mannes bei ſeinem erſten Verſuch.

²) Biogr. v. Hartmann(in d.Zeitgenoſſen N. F. V.); er hat ſogleich das Werk durchgeleſen und Wilkens ausnehmenden Fleiß, kritiſchen Blick und ſeine ſeltene Kenntnis der Morgenländ. Sprachen mit innigem Vergnügen wahrgenommen und ſich des aufrichtigen Wunſches nicht erwehren können, daß die Vorſicht ihn auf eine ſeinen Talenten angemeſſene Laufbahn bald hinführe.

³) der ihmzu einem ſo ehrenvollen Probeſtück Glück wünſcht, das zu ſo ſchönen Erwartungen berechtige, und fortab an eine glück⸗ liche Fortſchreitung auf der ſo rühmlich betretenen Bahn treuen Anteil nehmen will. Wilken trat ihm 1808 durch einen Beſuch in Tübingen auch perſönlich nahe. S. über ihn Allg. D. B.

) S. Allg. D. Biogr.

) Eine kleeartige Pflanze.

Augen.

offen hat und nach der Sitte der Zeit litterariſche Bekannt⸗ ſchaften zu machen ſucht. Üüber Allendorf(18. Septbr.), wo der pastor loci²) den ihm vor dem Thor begegnenden, beſcheiden den Hut ziehenden jungen Menſchen keines Gegengrußes würdigt, Hoheneiche, an der Boyneburg vorbei, über Kreuzburg kam er am 19. ſpät abends in Eiſenach an, beſucht die Wartburg, überſetzt, in Mechterſtedt einge⸗ regnet, die 6. Ode des Hafis ſchriftlich erſt ins Deutſche, dann ins Engliſche und kommt am 20. nach Gotha, wo er die Philologen Lenz, Jacobs und Schlichtegroll beſucht, die ihn freundlich aufnehmen und ihm ungemein gefallen; beim Beſuch der herzoglichen Bibliothek, in der ihn die zahlreichen arabiſchen und perſiſchen Handſchriften höchlich intereſſieren, wird er dem Herzog Ernſt II., dem bekannten Förderer von Kunſt und Biſſenſchaft ³), vorgeſtellt, der ſich zweimal lange mit ihm unterhält und ihn bittet, auf dem Rückweg die orientaliſchen Manuſcripte ſeiner Biblio⸗ thek zu ordnen, und gelangt über Erfurt, wo er die große Glocke beſieht und J. J. Bellermann) beſucht, am 22. nach Weimar. Dort beſichtigt er am 23. die Bibliothek und ſucht dann Böttiger auf, mit dem er bis zu deſſen Tode(1835) im freundſchaftlichſten Verkehr blieb. Nachmittags um 3 Uhr, ſchreibt er,ging ich zu Herder, bei dem ich mich hatte anmelden laſſen und wurde von ihm äußerſt human empfangen. Ich unterhielt mich mit ihm wohl eine halbe Stunde über allerlei Gegenſtände, und die Zeit verſtrich mir ſehr angenehm bey ihm. Auch ich ſchien ihm keine Langeweile zu machen. Herder iſt ein ſchöner Mann, etwas ältlich ſchon, aber mit ſehr hellen, funkelnden Er frug mich nach Eichhorns und Heynes Be⸗ finden. Hugo'n lobte er ſehr. Ich fand an ihm durchaus nichts Stolzes oder Zurückhaltendes, was ich vorher von ihm gehört hatte, und was ich ſeinen Schriften nach in ihm zu finden geglaubt hatte.

Am 24. zog er weiter nach Jena, ſuchte dort ſeine Landsleute auf, beſuchte Ilgen), damals Profeſſor der orientaliſchen Sprachen, der ihm ſehr gutherzig, aber eitel

¹) Kleinere nach Wolfenbüttel zur Benutzung der Bibliothek oder nach Hildesheim zu Verwandten ſeiner Mutter hatte er in Ferienzeiten ſchon unternommen.

²)Der ſtolze E..., zürnt er im Tagebuch.

³) S. über ihn Beck, Ernſt II. ꝛc. Perthes 1854.

) 1842. S. Ribbecki. Prgr. d. Grauen Kloſters i. Berlin 1842.

⁵³) S. Allg. D. Biogr., auch Biogr. v. Kraft.