Merkelbach, Wilhelm, geboren den 27. September 1855 zu Grenzhausen, evangelischer Confession, Ostern 1875 vom Realgymnasium zu Wiesbaden mit dem Zeugniss der Reife entlassen, studierte in Marburg und Leipzig Mathematik und Naturwissenschaften, bestand am 15. November 1878 in Marburg die Prüfung pro fac. doc. und ist seit Februar 1879 als Probecandidat an der Realschule I. O. in Cassel thätig.
Ausserdem wurde durch Verfügung Königl. Pr. Schulcollegiums vom 7. Januar 1879 der Candidat Holzapfel zur Ableistung des Probejahres der Anstalt zugewiesen. Derselbe erhielt jedoch nach wenigen Tagen die von dem K. Pr. Schulcollegium erbetene Erlaubniss, die Stelle eines beauftragten Lehrers in Görlitz anzunehmen, und verliess daraufhin Cassel.
Am 22. September v. J. vereinigte sich die Anstalt mit allen übrigen Schulen Cassels, um Seine Majestät den Kaiser und König bei seiner Anwesenheit dahier festlich zu begrüssen und dem freudigen Dank gegen Gott für die glückliche Wiedergenesung des geliebten Kaisers Ausdruck zu geben. Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde am 22. März in einer Schulfeier mit vaterländischen Gesängen und Declamationen festlich begangen; die Festrede hielt Oberlehrer Stange, Gegenstand derselben war das Fürstenhaus der Hohenzollern von seinem ersten historischen Auftreten an bis zu seiner Erhebung zur kurfürstlichen Würde. Die Anstalt nahm an der Schulfeier theil, welche aus Anlass der goldenen Hochzeit unseres Allerdurchlauchtigsten Herrscherpaares am 11. Juni in der grossen Kirche dahier stattfand.
Eine eingehende Revision der Realschule I. O. wurde durch Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel am 12. 13. 14. 16. 17. und 18. December v. J. vorgenommen.
Auch in diesem Schuljahr eröffnete Zeichenlehrer Karbiner mit Schülern der oberen Classen einen Cursus in der Stenographie.(Gabelsbergers System.)
Dem Wunsche einer Anzahl von Schülern, die griechische Sprache zu erlernen, wurde durch Errichtung eines griechischen Cursus genügt. Denselben leitete Oberlehrer Dr. Siebert, zugelassen wurden 15 Schüler der oberen Classen und zwar besonders dazu befähigte.
Ein zum Vortheil des auf dem Niederwald zu errichtenden Nationaldenkmals veranstaltete Lotterie ergab einen Reinertrag von 80 Mark, welcher an das Comité in Wiesbaden eingeschickt wurde.
Bei der Einweihung des Universitäts-Gebäudes in Marburg war der Director zugegen, welcher zu der Festlichkeit eine Einladung erhalten hatte.
Bei der ersten Säcularfeier des hiesigen Königlichen Gymnasiums(13.—15. August d. J.) wurden die herzlichen Wünsche für das fernere Gedeihen desselben seitens der Realschule I. O. theils mündlich durch den Director überbracht, theils durch eine besondere Zuschrift des Collegiums ausgedrückt.
Dispensation vom Religionsunterricht wurde vom keinem Schüler nachgesucht.
Der 2. Sept. wurde in üblicher Weise durch einen Auszug der gesammten Schule gefeiert.
Die Abiturientenprüfung zu Michaelis 1878 wurde in ihrem schriftlichen Theil vom 5.— 10. August, in ihrem mündlichen am 31. August, die zu Michaelis 1879 vom 4.— 9. August bez. am 8. und 9. September unter dem Vorsitz des Provinzial-Schulrathes Dr. Rumpel abgehalten.
Das Königliche Ministerium der geistlichen, Unterrichts und Medicinal-Angelegenheiten war davon in Kenntniss gesetzt worden, dass sich bei dem hiesigen Confirmandenunterricht mancherlei Uebelstände und sittliche Gefahren herausgestellt hätten. Dasselbe hat daraus Veranlassung ge- nommen, alle betheiligten Behörden, sowie die betreffenden Geistlichen und Lehrer zu energischem gemeinsamen Zusammenwirken behufs Abstellung der gerügten Uebelstände aufzufordern. Die Geistlichen sollen vorbeugend so auf Herz und Gemüth der Confirmanden einwirken, dass dieselben


