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1 (1879) Alte Kirchengeschichte / [von Ferdinand Schantz]
Entstehung
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des Landes. In Baiern wirkte der fränkische Bischof Ruppert von Worms; taufte den Herzog und einen Theil des Volkes und gründete das Bisthum Salzburg, viele Klöster und Kirchen; in Worms; ein fränkischer Reisebischof(Corbinian) rottete um 720 das Heidenthum aus. Im südlichen Friesland, das unter fränkischer Herrschaft stand, wirkten mehrere fränkische Bischöfe(Amandus, Eligius, Wulfram; Sage von der Taufe des Friesenherzogs Ratbod), später angelsächsische Mönche. Der Apostel der Friesen war der Angelsachse Willibrord; er lies sich in Rom zum Bischof weihen und wirkte seit 690 unter dem Schutz Pipins von Heristal und Karl Martells. Die unterworfenen Friesen bekehrte er fast alle; auch in dem benachbarten Frankenland predigte er und gründete dort das Kloster Echternach. Bis in das freie Friesland, das unter der Herrschaft Ratbods stand, und Jütland machte er Missionsreisen, freilich erfolglos; auf der Rückreise von Jütland fand er in Helgoland wegen Verletzung heidnischer Heiligthümer beinahe den Tod. 739. Seine Schüler vollendeten sein Werk, nachdem Friesland von Pipin und Karl d. Gr. völlig unterworfen war.

Der Apostel des mittleren Deutschlands war Winfried, geboren um 680 zu Kirton in Wessex. Als ältester Sohn eines vornehmen Angelsachsen war er zum Erben bestimmt, wollte aber schon als Knabe Mönch werden. Als es ihm sein Vater endlich erlaubte, widmete er sich im Kloster mit eisernem Fleiss den Studien; bald wurde er Lehrer der Klosterschule und erlangte solchen Ruhm, dass aus ganz England Schüler zu ihm strömten; ebenso tüchtig war er in Geschäften. Trotz seiner Jugend zum Abt gewählt, schlug er die Würde aus, um sich der Mission zu widmen. In Rom liess er sich zum Missionar weihen, zog nach Hessen(Amöneburg bei Marburg) und bekehrte Viele. Der Papst berief ihn nach Rom, verpflichtete ihn eidlich zum Gehorsam und weihte ihn zum Bischof mit dem Namen Bonifacius; auf Empfehlung des Papstes nahm ihn der Frankenfürst Karl Martell in Schutz. Zunächst wirkte er in Hessen weiter und stürzte die Donarseiche bei Geismar; dann begab er sich nach Thüringen, wo er die Briten vertrieb; in beiden Ländern gründete er Kirchen und Schulen und setzte überall Priester ein, um die Bekehrten(über 100,000) zu unterweisen. Später(auf der Rückreise von Rom, wo er zum Erzbischof geweiht war) ging er nach Baiern, vertrieb mit Hülfe des Herzogs die Briten, ordnete die Sprengel der vier Bisthümer und unterwarf die bairische Kirche dem Papst; dann gründete er in Hessen und Thüringen vier Bisthümer. Nach Karl Martells Tod übertrug Karlmann Winfried die Reform der tiefgesunkenen fränkischen Kirche in Austrasien. Während der Bürger- kriege in den letzten 60 Jahren hatten die Hausmeier, besonders Karl Martell, Bischöfe und Aebte willkührlich abgesetzt und vornehme Franken eingesetzt. Diese kümmerten sich nicht um ihr Amt, zogen auf die Jagd und in den Krieg, verschleuderten die Kirchengüter, bestellten ihresgleichen als Priester; von Cölibat und geistlichem Leben war kaum eine Spur. Winfried verpflichtete auf mehreren Synoden in Austrasien Klerus und Mönche zu einem geistlichen Leben und Gehorsam gegen Rom. Später erreichte er in Neustrien mit Pipins Hülfe eine ähnliche Reform und die Unterwerfung unter Rom. Durch jährliche Synoden befestigte er sein Werk und setzte mehrere der schlimmsten Erzbischöfe und Bischöfe ab; als Sitz erhielt er gegen seinen Wunsch Mainz(statt Köln). Daneben liess Bonifacius die Mission nicht aus dem Auge; jährlich bereiste er Hessen und Thüringen, am liebsten verweilte er in dem von seinem Schüler Sturm gegründeten Kloster Fulda, dessen Schule bald berühmt wurde. 754 ernannte er seinen Lieblingsschüler Lul(den Gründer des Klosters Hersfeld) zu seinem Nachfolger in Mainz, übertrug ihm und Pipin die Sorge für die Mission und widmete sich der Bekehrung der Friesen; am 5. Juni wurde er mit 52 Begleitern bei Doccum von einer Schaar Heiden erschlagen; sein Leib ruht in Fulda.