Die Sachsen tödteten aus Hass gegen die Franken alle Missionare. Daher beschloss Karl d. Gr. trotz Alcuins' Abrathen sie mit Gewalt zum Christenthum zu bekehren, zwang sie nach blutigen Kämpfen zur Taufe und gründete in Sachsen 8 Bisthümer; die Bischöfe derselben und andere Missionare predigten eifrig das Evangelium, Sturm, Abt von Fulda, Willehad, B. von Bremen, Liudger, B. von Münster. Bald eigneten sich die Sachsen das Evangelium aufs innigste an, wie das Epos,»der Heiland«, beweist.
§. 11. Die fränkische Kirche unter Karl d. Gr.
Karl d. Gr. widmete sich mit grossem Eifer der Hebung der fränkischen Kirche; den Erzbischöfen befahl er jährlich Synoden zu halten, den Bischöfen, in ihrem Sprengel jährlich umher zu reisen und liess den Klerus durch die Sendgrafen beaufsichtigen; schlechte Geistliche, hohe wie niedere, wurden abgesetzt, Krieg und Jagd verboten. Zur Beförderung der Wissenschaft berief Karl berühmte Gelehrte an seinen Hof, Petrus von Pisa, den Longobarden Paul Diaconus Warnefried, den Angel- sachsen Alcuin, sorgte eifrig für Errichtung von Schulen(die Hofschule, Kloster- und Domschulen). Ferner gründete Karl neue Bisthümer und Pfarreien, baute viele Kirchen, beschenkte arme Kirchen mit Kirchengeräthen und Messgewändern, suchte den Kirchengesang zu heben; beim Gottesdienst sah er auf Ernst und Würde. Damit das Volk mit dem Christenthum besser bekannt werde, befahl er Predigt in der Landessprache, liess durch Paul Diaconus ein lateinisches Predigtbuch aus den Kirchenvätern zusammen stellen und befahl, jeder sollte das apostolische Bekenntniss und das Unser Vater auswendig lernen. Als Schirmherr der fränkischen Kirche hielt er häufig Synoden zur Unterdrückung von Ketzereien oder zur Entscheidung über Glaubenslehren. Zwischen der morgen- ländischen und abendländischen Kirche bestand eine Verschiedenheit in der Lehre vom heiligen Geist. Im nicenischen Bekenntniss war gelehrt worden, der heilige Geist gehe aus vom Vater. Um die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater schärfer auszusprechen, war in der abendländischen Kirche(nach Augustins Vorgang) gelehrt worden, der heilige Geist gehe aus vom Vater-und vom Sohne«; dieser Zusatz(filioque) war auf der Synode von Toledo 589 in das nicenische Bekenntniss auf- genommen, die griechische Kirche aber verwarf ihn. Karl liess über diesen Zusatz auf mehreren Synoden verhandeln, die ihn bestätigten. Seitdem war diese Lehre im Abendland gültig, während die griechische Kirche bei der alten Lehre blieb. Eine Synode zu Frankfurt beschloss, den Bildern sei keine Verehrung zu erweisen, sie seien aber zur Erregung der Andacht, Belehrung des Volkes und Ausschmückung der Kirchen nützlich. Die fränkische Kirche blieb bei ihrem Widerstand gegen die Bilderverehruug bis zum 10. Jahrhundert.
Die Macht des Papstes hob Karl bedeutend, doch behielt er sich in dem Gebiete des Papstes alle Hoheitsrechte vor; der Papst war fränkischer Vasall. Von grösster Wichtigkeit für die folgende Zeit war die Kaiserkrönung Karl des Gr.(800); seitdem betrachtete er sich als den höchsten Herrn der abendländischen Christenheit, der auch über dem Papst stehe.
Der Bildersturm in der griechischen Kirche 726— 842. Um die abgöttische Bilderverehrung zu beschränken, liessen die Kaiser Leo III. und Constantin V. die Bilder zerstören, aber das Volk und die Mönche hielten an der Bilder- verehrung fest und die Kaiserin Irene liess auf dem 2. Concil zu Nicäa die Bilderverehrung bestätigen. Im folgenden
Jahrhundert begannen mehrere Kaiser von neuem die Entfernung der Bilder, aber unter der Kaiserin Theodora wurden sie in feierlicher Procession wieder in die Kirche eingeführt und zum Andenken hieran das Fest der Rechtgläubigkeit gefeiert.
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