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wurde, nahm der Mariencultus einen grossen Aufschwung, Maria wurde an die Spitze des Chors der Heiligen gestellt, auch mehrere Feste ihr zu Ehren gefeiert. Wallfahrten nach Palästina wurden nach dem Vorgang von Constantins Mutter Helena rasch üblich; Sage von der Kreuzauffindung. Fest der Kreuzerhöhung(als Kaiser Heraclius das von den Persern geraubte heilige Kreuz zurückbrachte).
Die Unterscheidung zwischen Gebot und Rathschlag wurde bestimmt durchgeführt, die Werk- heiligkeit griff immer mehr um sich, selbst bedeutende Kirchenlehrer sahen Weinen, Fasten, Almosen als Mittel der Sündenvergebung an. Die grosse Menge der Namenchristen überliess das Streben nach höherer Tugend, sogar das Bibellesen, den Mönchen und Geistlichen.
Im Abendland traten um 400 mehrere Reformatoren auf, verwarfen die Märtyrer- und Reliquienverehrung, den Unterschied zwischen Gebot und Rathschlag, das Mönchthum und alle Werkheiligkeit, aber sie wurden excommuniciert und verfolgt.
§. 10. Mission. Islam.
In Aethiopien gelangten zwei Jünglinge, Aedesius und Frumentius, die an einer Entdeckungs- reise theilgenommen und bei Niedermetzelung ihrer Genossen allein verschont waren, am Hof zu hohen Aemtern, wurden Erzieher des Kronprinzen und predigten das Evangelium. Frumentius liess sich von Athanasius zum Bischof weihen und bekehrte den König und das Volk. Die Kirche breitete sich über die Grenzen des Landes aus und hat sich bis heute erhalten.— In Armenien existierten schon um 200 christliche Gemeinden, wurden aber oft von den Königen verfolgt. Um 300 wirkte hier Gregor der Erleuchter, ein parthischer Fürstensochn, der durch seine Amme als zweijähriges Kind dem Blutbad seines Hauses entrissen und in Kappadocien christlich erzogen war. Er gewann den König, bekehrte das ganze Land und gründete viele Kirchen und Schulen; die Kirche stand lange in hoher Blüthe. Zu den Iberern am Kaukasus kam das Christenthum durch die Sclavin Nunia, auf deren Gebet die Königin von einer schweren Krankheit genesen war.
Grosse Verluste erlitt die Kirche im Osten durch den Muhammedanismus; schon 639 waren Palästina und Syrien in den Händen der Araber. Die Christen wurden zwar geduldet, aber mannichfach bedrückt, daher traten Viele zum Islam über. Die asiatische und nordafrikanische Kirche konnte nur kümmerlich bestehen, die Patriarchen von Antiochien, Jerusalem, Alexandrien mussten sich den Launen der Chalifen fügen. Mission war unmöglich, jeder Uebertritt zum Christenthum wurde mit dem Tod bestraft.
Schon zu Anfang dieser Periode hatte das Christenthum unter den Deutschen Verbreitung gefunden. Zu den Gothen kam es durch Kriegsgefangene aus Kleinasien; der Apostel der Westgothen war der arianische Bischof Ulfilas. Als der heidnische Gothenfürst(Athanarich) 350 eine Christen- verfolgung begann, führte Ulfilas als ein zweiter Moses die christlichen Westgothen mit Bewilligung des Kaisers Constantius in die Landschaft zwischen Donau und Balkan und lebte noch 33 Jahre unter ihnen als Bischof; auch unter den Gothen nördlich von der Donau wirkte er erfolgreich. Er gab den Gothen ein Alphabet und übersetzte die heilige Schrift meisterhaft ins Gothische(Codex argenteus in Upsala); diese Uebersetzung erleichterte sehr die Verbreitung des Christenthums. 375 bot ihm die Aufnahme aller Westgothen in das römische Reich ein neues Wirkungsfeld, hierbei und bei den Kämpfen seines Volkes mit den oströmischen Kaisern trat er als Vermittler auf. Als das zweite allgemeine Concil den Arianismus verwarf, suchte Ulfilas vergeblich Theodosius zur Berufung eines neuen Concils zu bewegen, tief bekümmert † er 383 in Constantinopel. Tüchtige Schüler


