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1 (1879) Alte Kirchengeschichte / [von Ferdinand Schantz]
Entstehung
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widmete er sich trotz steter Kränklichkeit eifrig seinem Beruf; er übte grossartige Wohlthätigkeit, beförderte das Mönchthum, sorgte für Reform der Kirchen- und Klosterzucht, predigte eifrig und gab mehrere Predigtsammlungen und andere Schriften heraus. Seine eigenthümlichen Lehren(von der Messe und Fegfeuer) fanden schnell Verbreitung. Auf die Ausbildung des Gottesdienstes übte er grossen Einfluss; er führte den cantus firmus ein, der ernst und feierlich, aber ohne Rhythmus und Tact in lauter gleich langen Noten fortschritt, und übertrug ihn einem geschulten Chor(Choralgesang), weshalb er Sängerschulen stiftete; bei Gregors Ansehen fand dieser Gesang bald im Abendland Eingang; ferner dichtete er Hymnen(das Passionslied»Rex Christe factor omnium«) und stattete den Gottes- dienst mit neuen Ceremonien aus. Auch für die Mission wirkte er eifrig, beförderte die Bekehrung der Longobarden zum Katholicismus und sandte 596 den Abt Augustin zu den Angelsachsen. Die Patriarchen von Antiochia und Alexandria erkannte Gregor noch als gleichberechtigt an; als aber der Patriarch von Constantinopel den Titel»allgemeiner Bischof« annahm, tadelte Gregor dies scharf, da er allein das Recht dazu habe, nannte sich aber»Knecht der Knechte Gottes«. Als Nachfolger Petri hielt er sich berechtigt über die ganze Kirche die Aufsicht zu führen, suchte daher die Rechte Roms zu behaupten und erweitern, doch wollte er für sich keine Ehre und bewies sich immer demüthig und bescheiden. 604.

Zur Hebung und Befestigung des Papstthums trugen Pipin und Karl d. Gr. viel bei; sie legten durch ihre Schenkung den Grund zum Kirchenstaat und unterwarfen die Kirche ihres Reiches dem Papste.

II. Seit Constantin d. Gr. kam im Gottesdienst immer mehr äusserlicher Pomp auf, wie Weihrauch, Lichter, prächtige Kleidung der Geistlichen. Predigt und Kirchengesang wurden kunstvoller; im Abendland wurden Ambrosius und Gregor die Schöpfer neuer Gesangesweisen; Wechselgesänge, Doxologien, Hymnen kamen neben den Psalmen schnell in Aufnahme, besonders erhielt die abendländische Kirche herrliche Kirchenlieder durch Hilarius, B. von Poitiers, Ambrosius, den Spanier Prudentius, den Iren Cölius Sedulius, Gregor I. Dieser bildete auch den Messkultus aus; denn nachdem sich die Vorstellung vom Opfer im Abendmahl befestigt hatte, lehrte Gregor, im Abendmahl werde Christus abermals für uns durch den Priester geopfert, ebenso entwickelte er die Lehre vom Fegfeuer und veranlasste so das Entstehen der Seelenmessen. Die Theilung des Gottesdienstes in missa catechumenorum und missa fidelium hörte mit der Ueberwindung des Heidenthums und der allgemeinen Einführung der Kindertaufe von selbst auf. Feierliche Processionen kamen zuerst in Gallien auf, verbreiteten sich aber rasch. Prachtvolle Kirchen wurden aufgebaut(durch Constantin die Grabeskirche in Jerusalem), sie waren nach dem Vorbild der Basiliken(Gerichtsgebäude) längliche Vierecke; später kam im Morgenland der byzantinische Stil mit den runden Kuppeln auf(die Sophienkirche in Constantinopel, von Justinian I. erbaut). Die Wände der Kirchen schmückte man mit Bildern; zur Zeit Gregors I. wurde auch die Bilderanbetung gebräuchlich.

Der jährliche Festkreis wurde weiter ausgebildet, die grossen Feste wurden mit einer Vor- und Nachfeier begangen, besonders Ostern(Fastenzeit, die grosse Woche, Chardonnerstag, Charfreitag); als neue Feste kamen Weihnachten und Himmelfahrt auf. Die Verehrung der Märtyrer und Heiligen stieg immer höher, besonders seitdem man ihnen eine Art Allwissenheit und Allgegenwart beilegte; man wählte sie zu Patronen, erbaute ihnen Kirchen, ihren Reliquien schrieb man Heilkraft zu, brachte sie in Kirchen, verehrte sie abergläubig. Von Marienanbetung findet sich in der 1. Periode keine Spur, aber seit den Concilien von Ephesus und Chalcedon, wo der Name Mutter Gottes bestätigt