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seine Regel einführte. Diese verpflichtet zum Bleiben am Ort, Aenderung der Sitten(Keuschheit und Armuth), Gehorsam gegen den Abt und dringt eifrig auf Arbeit. Wegen ihrer Vortreffiichkeit verbreitete sie sich rasch über das Abendland und wurde das Vorbild aller späteren Mönchsregeln. Durch Mission und Jugenderziehnng, Pflege von Literatur und Wissenschaft, Urbarmachung wüster Gegenden, Verbreitung von Handwerken und Künsten haben die Benedictinerklöster grossen Segen gestiftet.
§. 9. Ferfassung. Papstthum. Cultus. Leben.
I. Die Idee des Priesterthums als einer Vermittlung zwischen Gott und den Menschen befestigte sich immer mehr, der Klerus wurde hoch über die Laien gestellt. Ueber die Metropoliten erhoben sich im 4. Jahrhundert die Patriarchen; den Bischöfen von Antiochia, Alexandria, Rom bestätigte das Concil von Nicäa, denen von Constantinopel und Jerusalem das Concil von Chalcedon diese Würde.
Die römischen Bischöfe genossen schon früh ein hohes Ansehen, wozu mehrere Umstände beitrugen. Rom war die alte Welthauptstadt, die einzige apostolische Gemeinde des Abendlandes, später der einzige Patriarchensitz. In Rom waren Petrus und Paulus und unzählige hervorragende Märtyrer gestorben, ja Petrus hatte nach der allgemein geglaubten Sage die römische Gemeinde gestiftet und 25 Jahre als Bischof geleitet, daher verlangten die dortigen Bischöfe als Nachfolger des »„Apostelfürsten« anerkannt zu werden. Von Alters hatten sie den Ruhm steter Rechtgläubigkeit, daher legte man schon früh Fragen über apostolische Lehren und Einrichtungen dem römischen Bischof vor. Ferner waren die römischen Bischöfe meist tüchtige Kirchenfürsten, welche die günstigen Zeitverhältnisse trefflich ausnutzten und ihre Macht auf Kosten anderer Bischöfe auszudehnen suchten. Freilich trat das Morgenland und manche Theile des Abendlandes gegen Rom auf, besonders Mailand, Aquileja, Ravenna, Nordafrika; als ein von einer nordafrikanischen Synode abgesetzter Presbyter Apiarius nach Rom appellierte und der römische Bischof die Wiedereinsetzung desselben befahl, verbaten sich die afrikanischen Bischöfe solche Einmischung und untersagten bei Strafe der Excom- munication alle Appellationen an fremde Bischöfe 418. Aber bald darauf wurde die afrikanische Kirche von den Vandalen verheert und liess nun Leo I. von Rom zu ihrer Wiederherstellung willig walten. Auch sonst waren die Stürme der Völkerwanderung für Rom günstig; der Untergang des west- römischen Reiches und der Einfall der Longobarden machten es von weltlicher Macht fast unabhängig. Endlich gab die Bekehrung vieler Völker des Abendlandes durch römische Missionare Rom ein bedeutendes Uebergewicht über das Morgenland, wo die Kirche durch den Islam grosse Verluste erlitt.
Unter den Bischöfen, die besonders das Ansehen Roms hoben, sind Leo I. und Gregor I. zu nennen. Leo I.(440— 461) übte durch Predigt, Beaufsichtigung der Bischöfe und Briefe einen segens- reichen Einfluss, griff entscheidend in den Streit über die zwei Naturen Christi ein und vertrat muthig Rom bei Attila und Geiserich. Er hat zuerst die Idee des Papstthums klar ausgesprochen und auf Matth. 16, 18 ff. begründet; von dem schwachen Kaiser Valentinian III. erwirkte er ein Gesetz, Niemand sollte etwas gegen den Primat des römischen Bischofs unternehmen, denn erst dann werde der Friede der Kirche überall erhalten werden, wenn die ganze Kirche ihren Beherrscher anerkenne. Auf dem Concil von Chalcedon traten Leos Gesandte als Vertreter des Oberhauptes der Kirche auf, drangen aber mit ihren Ansprüchen nicht durch.
Gregor I., geboren zu Rom um 540 aus patricischer Familie, war Prätor, gründete sechs Klöster und wurde in einem derselben Mönch, später Abt. Wider seinen Willen zum Bischof gewählt,


