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schlechten Genossen in ein sinnliches, weltliches Treiben. Cicero's Schrift Hortensius änderte seinen Sinn und weckte in ihm das Streben nach der göttlichen Weisheit, nur vermisste er darin den Namen Christi, der ihm von Jugend auf tief eingeprägt war; an der heiligen Schrift fand er wenig Gefallen. Monika beweinte die Verirrungen ihres Sohnes heiss; das Wort eines frommen Bischofs:»Es ist unmöglich, dass ein Sohn solcher Thränen verloren gehe-, richtete sie etwas auf. Der Tod eines Jugendfreundes in Tagaste erschütterte ihn tief, die Sehnsucht nach einem besseren Leben erwachte, aber die Kraft zur Besserung fand er nicht. In Rom, wohin er seiner Mutter entflohen war, ver- zweifelte er an aller Wahrheit. Als er nach Mailand als Lehrer der Beredsamkeit berufen war, fühlte er sich von Ambrosius' Predigten angezogen und erkannte die Nothwendigkeit des Glaubens, aber immer neue Zweifel quälten ihn. Die neuplatonische Philosophie erweckte in ihm das Vertrauen, dass es eine objective Wahrheit gebe. Er las die heilige Schrift, besonders den Römerbrief, und erkannte, dass Busse und Demuth der Weg zum Heil sei, aber die sinnliche Lust hielt ihn gefangen. Nach einem Gespräch mit einem Freund über das Mönchsleben eilte er mit dem Briefe Pauli in den Garten; nach einem gewaltigen Seelenkampf bat er weinend Gott um Sündenvergebung. Plötzlich hörte er mehrmals eine Kinderstimme:»Nimm und lies!« Er fand Römer 13, 13 und 14; der Erhörung seines Gebetes gewiss, beschloss er sein Leben Gott zu weihen; Monika pries den Herrn, der überschwenglich segnet. Augustin zog sich eine Zeit lang in die Einsamkeit zurück, liess sich 387 taufen und kehrte nach Afrika zurück, in Ostia † Monika. Sein ganzes Vermögen schenkte er den Armen und bildete einen klösterlichen Verein; 389 wurde er in Hippo Regius(Bona) Presbyter, später Mitbischof und Nachfolger des dortigen Bichofs, † 430 während der Belagerung Hippos durch die Vandalen.— Augustin ist der bedeutendste lateinische Kirchenvater, für die Entwicklung der Kirchenlehre ebenso wichtig wie Athanasius. Auch auf die Kirche des Mittelalters und der Reformation hat er grossen Einfluss geübt. Von seinen Schriften sind wichtig seine»Bekenntnisse«, die»Bücher vom Gottesstaat«(gegen die Heiden, welche die Stürme der Völkerwanderung den Christen aufbürdeten), ferner Schriften gegen die Pelagianer und Donatisten(eine Secte in Nordafrika, welche keine Sünder wissentlich dulden wollte und die Sacramente unwürdiger Kleriker für ungültig erklärte).— Du hast uns geschaffen zu Dir und unser Herz ist unruhig, bis es in Dir ruht.— In der Kirche gilt nicht:»Das spreche ich, das sprichst du, das spricht jener«, sondern:»Das spricht unser Herr Jesus Christus.«— Im Nothwendigen Einigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in Allem Liebe.
Der pelagianische Streit. Pelagius, ein britischer Mönch, kam um 400 nach Rom und gewann durch seine Sittenstrenge und Askese allgemeine Achtung. Sein Freund Cölestius kam nach Karthago und lehrte dort:»Adam war vor dem Sündenfall indifferent und hätte auch ohne den Fall sterben müssen, die Kinder werden ohne Erbsünde geboren, der Mensch hat jetzt den vollkommen freien Willen zum Guten wie zum Bösen und die Kraft sündlos zu leben. Die Gunade erleichtert nur die Vollbringung des Guten, jeder Mensch erhält sie, der sich ihrer würdig macht«. Bei Bewerbung um eine Presbyterstelle wurde Cölestius der Irrlehre angeklagt und auf einer Synode in Karthago 412 excommuniciert, fand aber in Nordafrika und Italien Anhänger; gegen sie trat Augustin auf. Mehrere nordafrikanische Synoden und das Concil von Ephesus 431 verwarfen den Pelagianismus.
Augustins Lehre. Adam war sündlos und mit freiem Gehorsam gegen Gott geschaffen, so war er in Wahrheit frei, denn Gott zu dienen ist Freiheit. Durch die Sünde wendete er sich von Gott ab und verfiel dem Tod. Die Sünde
Adams pflanzt sich auf alle Menschen fort, daher hat der Mensch die Freiheit zum Guten verloren und steht unter der Gewalt der sinnlichen Lust, doch auch als Sünder behielt er die Erlösungsfähigkeit. An diese knüpft die göttliche Gnade


