— 15—
Endlich berief ein neuer Kaiser das vierte allgemeine Concil von Chalcedon 451; dieses lehrte im Anschluss an Leos Brief, dass in der einen Person Christi göttliche und menschliche Natur vereinigt seien, die unvermischt und unwandelbar, unzertrennt und unzertheilt bestehen. Nach mehreren vergeblichen Unionsversuchen der späteren Kaiser(Justinians I.) bildeten die Monophysiten in Syrien, Mesopotamien, Armenien, Aegypten, Abessynien eine besondere Kirche.
§. 7. Kirchenväter und Lehrentwicklung der lateinischen Kirche.
Ambrosius, um 340 geboren, wahrscheinlich in Trier, wurde nach dem Tode seines Vaters in Rom für den höheren Staatsdienst ausgebildet. Früh that er sich als Redner und Sachwalter hervor und der Oberstatthalter in Italien machte ihn 370 zum Statthalter von Mailand(-Gehe als Bischof, nicht als Richter«). Als nach dem Tod des arianischen Bischofs(Auxentius) die Katholiken und Arianer in der Hauptkirche über die Bischofswahl stritten, ermahnte Ambrosius zur Eintracht; da erscholl eine Kinderstimme:»Ambrosius ist Bischof«. Sogleich stimmte das ganze Volk bei. Trotz heftiger Weigerung musste er nachgeben, liess sich, da er noch Katechumene war, taufen, empfing die Priesterweihe und bestieg den Bischofsstuhl 374. Sofort gab er allen Besitz den Armen, erwarb sich durch eisernen Fleiss die mangelnden Kenntnisse und lebte als Asket. Seinem Amte widmete er sich völlig, bekämpfte die Reste des Heidenthums und die Arianer und wirkte eifrig für ein lebendiges Christenthum; um die von den Gothen weggeführten Gefangenen loszukaufen, liess er einst die goldenen und silbernen Kirchengefässe einschmelzen. Mit Festigkeit trat er den Gewalt- thaten der Herrscher entgegen. Als die Kaiserin Justina den Arianern eine Kirche überweisen wollte, widersetzte er sich entschieden und liess sich mit der Gemeinde mehrere Tage und Nächte gefangen halten, Justina musste nachgeben, und als Theodosius in Thessalonich ein grosses Blutbad hatte anrichten lassen, hielt ihm Ambrosius brieflich seine Schuld vor und der Kaiser that Busse. Ambrosius † 397; er war gross als Kirchenfürst. In den Kirchengesang führte er die griechischen Tonarten und Wechselgesänge ein und gab demselben eine grössere Modulation, die Wirkung war ausserordentlich, z. B. auf Augustin. Auch als Hymnendichter ragte er hervor, von ihm ist das Weihnachtslied Veni redemptor gentium, aus dem Griechischen übersetzte er den»ambrosianischen- Lobgesang Te Deum Laudamus, Herr Gott, Dich loben wir.
Hieronymus, geboren um 340 in Dalmatien, trieb in Rom mit Begeisterung klassische Studien, besuchte später den Orient, besonders die heiligen Stätten Palästinas; hier ergab er sich einer übertriebenen Askese und zog sich in die Wüste zurück, wo er auch Hebräisch eifrig studierte. In Rom begann er im Auftrag des dortigen Bischofs die Verbesserung der alten lateinischen Bibel- übersetzung und die Anfertigung einer neuen, der Vulgata. Dabei wirkte er eifrig fürs Mönchthum, dann lebte er bis zu seinem Tod 420 als Asket bei Bethlehem. Er war der gelehrteste Kirchenvater des Abendlandes, dabei ein eifriger Vertheidiger der Marien-, Heiligen-, Reliquienverehrung und Werkheiligkeit und bekämpfte die Gegner derselben mit fanatischer Heftigkeit.
Aurelius Augustinus, geboren 354 in der numidischen Stadt Tagaste; seine Mutter Monika, die durch Geduld und Sanftmuth den Gatten bekehrte, gab ihrem Sohn eine christliche Erziehung. Mathematik, Grammatik, Griechisch war ihm zuwider, Virgil sein Lieblingsdichter. Früh regte sich in ihm die Sünde; sein Vater sorgte wenig für die sittliche Bildung Augustins, die Ermahnungen seiner Mutter verachtete er als Weibergeschwätz. Im üppigen Karthago gerieth er im Umgang mit


