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4. Gregor von Nyssa, geboren um 333, Bruder von Basilius, wurde wie jener tüchtig ausgebildet, war Rhetor, dann Einsiedler. Auf Zureden seines Bruders wurde er Bischof der kleinen kappadocischen Stadt Nyssa, musste als ein Hauptvertreter des Katholicismus in der Verfolgung des Valens fliehen, kehrte aber nach dessen Tod zurück. † 395. Nach Athanasius war er der bedeutendste Lehrer der griechischen Kirche und übte durch seine Schriften grossen Einfluss.
5. Johannes Chrysostomus(Goldmund), geb. 347 zu Antiochia. Seine Mutter Anthusa— von welcher der heidnische Redner Libanius sagte:»Welche Frauen haben doch die Christen!«— führte ihn schon früh zu Christo, seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er durch Libanius. Die Laufbahn als Sachwalter gab er trotz seiner Erfolge bald auf, widmete sich dem Dienst der Kirche, wurde Vorleser der Schrift, dann Diacon und Presbyter in Antiochia und erwarb sich durch treue Seelsorge und gewaltige Predigten(-von den Bildsäulen«) die Liebe und Verehrung der Gemeinde. 397 wurde er ohne sein Zuthun Bischof von Constantinopel. Als er bei der Kaiserin wegen seiner Freimüthigkeit in Ungnade gefallen war, wurde er von einer Synode widerrechtlich abgesetzt, beruhigte selbst das Volk und liess sich ins Exil führen. Ein Erdbeben und das ungestüme Verlangen des Volkes bewog die Kaiserin ihn zurückzurufen. Als bald darauf eine Bildsäule derselben in der Nähe der Sophienkirche während des Gottesdienstes unter lärmenden Lustbarkeiten eingeweiht wurde, rügte er dies in einer Predigt. Von neuem abgesetzt, wurde er in eine rauhe Gegend an die Grenze von Armenien verbannt. Später liess ihn der Kaiser an die äusserste Grenze führen, aber er unterlag unterwegs (407) den Reisebeschwerden mit seinem Losungswort:-Gott sei gelobt für Alles!« Er war ein treuer Hirte, voll Aufopferung für seine Gemeinde, ein eifriger Forscher in der Schrift, seine Predigten zeichnen sich durch musterhafte Schriftauslegung aus.
6. Theodoret war erst Mönch, dann Presbyter in Antiochia, später Bischof in Cyrus am Euphrat; um seinen armen Sprengel machte er sich sehr verdient, auch in weltlicher Beziehung (durch Erbauung von Säulengängen, Brücken, einer Wasserleitung in Cyrus). In den damaligen Streitigkeiten war er der hervorragendste Kirchenlehrer und hatte vom Hofe manche Bedrängniss zu erleiden. Er war ein ausgezeichneter Erklärer der heiligen Schrift, schrieb über die meisten Bücher des Alten und Neuen Testaments Commentare, in denen er sich stets an den Wortsinn hielt, ferner verfasste er eine Kirchengeschichte und wichtige dogmatische Schriften.
7. Streitigkeiten über die göttliche und menschliche Natur Christi. Nestorius, Patriarch von Constantinopel, trat gegen die Marienanbetung auf, verwarf besonders den Namen „Mutter Gottes«, die Wurzel dieser übertriebenen Verehrung, als heidnisch und schlug den Ausdruck »Mutter Christi« vor, er wollte streng geschieden wissen zwischen der göttlichen Natur Christi und der menschlichen, die nur der Tempel, das Kleid des Logos(des Sohnes Gottes) sei. Da Nestorius die Einheit der Person Christi aufzuheben schien, trat gegen ihn der Bischof von Alexandria auf. Das allgemeine Concil von Ephesus 431 nahm ein Bekenntniss an, worin Maria Mutter Gottes genannt und die Einheit der Person Christi wie der Unterschied der Naturen ausgesprochen wurde. Nestorius † 440 im Exil. Seine Anhänger bildeten in Syrien und Persien eine eigne Kirche.
Bald darauf lehrte der Abt Eutyches in Constantinopel, Christus habe nach seiner Mensch- werdung nur eine Natur(daher seine Anhänger Monophysiten). Auf einer Synode in Constantinopel excommuniciert, wandte er sich an den römischen Bischof Leo I., dieser entwickelte in einem Brief die Lehre von den zwei Naturen in Christo. Die Monophysiten gewannen aber den Kaiser, ihre Lehre wurde mit Gewalt zur Kirchenlehre erhoben, die Gegner wurden verfolgt, besonders Theodoret.


