— 12—
der Literatur aufzutreten, begünstigte die Zerrissenheit der Kirche, verspottete in seinen Schriften die Christen und Christum; auch beförderte er das Judenthum und wollte den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen lassen. Vor allem suchte er das Heidenthum zu heben, stellte die Götterfeste und Auspicien wieder her und war selbst als Pontifex maximus thätig. Zur Veredelung des Heidenthums wollte er christliche Einrichtungen in dasselbe einführen, Wohlthätigkeits-Anstalten, Austheilen von Almosen, Predigt, Hierarchie der Priester, sogar Kirchenzucht und Bann; so erkannte er indirect das Christenthum an. Sein vergebliches Streben erbitterte ihn; er fiel 361 im Kriege mit den Persern(-Du hast gesiegt, Galiläer!«). Unter den folgenden Kaisern herrschte Religionsfreiheit bis 381; gerade hierdurch wurde das Christenthum gefördert, damals begann man das Heidenthum»Bauernreligion« zu nennen. Seit 381 beschränkten die Kaiser, namentlich Theodosius, das Heidenthum und verboten es endlich ganz. Aber während dasselbe äusserlich überwunden war, lebte es in den Herzen der scheinbar Bekehrten fort und suchte sich unter christlichem Gewand bald wieder Eingang zu verschaffen.
Constantin d. Gr. gewährte der Kirche viele Begünstigungen, das Recht der Fürsprache, Asylrecht, Befreiung von Frohndiensten. Dagegen nahmen die Kaiser nach und nach grosse Rechte in Anspruch: manche Bischöfe, besonders in den grossen Städten, wurden vom Kaiser eingesetzt oder unter seinem Einfluss gewählt, der Kaiser berief die Concilien, führte den Vorsitz, bestätigte die Beschlüsse, führte sie durch, verhängte weltliche Strafen über die Gegner der Reichskirche(385 die erste Ketzerhinrichtung). So gerieth die Kirche in grosse Abhängigkeit vom kaiserlichen Hof; der eigentliche Byzantinismus kam erst seit Justinian I. auf.
§. 6. Kirchenväter und Lehrentwicklung in der griechischen Kirche.
1. Athanasius und der arianische Streit(318— 381). Athanasius»der Grosse“, der»Vater der Rechtgläubigkeit«, um 300 geboren, wurde vom alexandrinischen Bischof Alexander für den geistlichen Stand erzogen, erhielt eine gute philosophische und theologische Bildung und lebte in strenger Askese. Schon 319 war er Diacon und schrieb eine Apologie des Christenthums gegen die Heiden und eine Schrift über die Menschwerdung des Logos. Damals lehrte der Presbyter Arius in Alexandria:»Da es sich für Gott nicht ziemte mit dem Endlichen in Verbindung zu treten, schuf er den Sohn; dieser ist nicht ewig wie der Vater, nicht aus dem Wesen des Vaters, sondern ein Geschöpf, nur mit dem Vorzug, dass er der Erstgeborene ist und die anderen Geschöpfe durch ihn geschaffen sind; zum Lohn seiner Tugend erhielt er seine Herrlichkeit; darum kann man ihn Gott nennen, aber er ist es nicht in dem Sinn wie der Vater-. Gegen diese Lehre trat der Bischof Alexander auf, eine Provinzialsynode in Alexandria excommunicierte den Arius. Dieser verbreitete seine Lehre, die Kirche theilte sich, so dass die Heiden das Christenthum auf dem Theater verspotteten. Constantin berief das erste allgemeine Coneil nach Nicäa 325; 318 Bi schöfe erschienen, meist der Mittelpartei angehörend wie Eusebius, B. von Cäsarea,»der Vater der Kircheng eschichte-. Athanasius wies nach, dass die Lehre»der Sohn ist ewig und wesenseins mit dem Vater- der alte christliche Glaube sei, und der Kaiser und die meisten Bischöfe nahmen das nicenische Bekenntniss an:-Wir glauben an den einen Herrn Jesum, wahren Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, gleichen Wesens mit dem Vater«. Arius wurde excommuniciert, abgesetzt und verbannt.— Nach einigen Jahren rief Constantin, durch Geistliche der Mittelpartei bewogen, Arius zurück und befahl Athanasius, damals Bischof von Alexandria, ihn wieder in die Kirche aufzunehmen; er weigerte sich aber. Eine


