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1 (1879) Alte Kirchengeschichte / [von Ferdinand Schantz]
Entstehung
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das allgemeine Priesterthum trat mehr und mehr zurück. Die Bischöfe der Provinzialhaupstädte (Metropolen) erlangten ein Uebergewicht über die der anderen Städte und hiessen Metropoliten. Unter diesen waren die von Rom, Alexandrien, Antiochien besonders angesehen, doch fanden die Eingriffe mancher römischen Bischöfe in die Rechte anderer heftigen Widerstand. Die Einheit der Kirche wurde befördert durch Provinzialsynoden, Synodalbriefe und die gegenseitigen Mittheilungen der Bischöfe.

Im Gegensatz zum Heidenthum hielten die Christen an der alten Einfachheit im Cultus fest. Anfangs versammelten sie sich in Privathäusern, seit Ende des 2. Jahrhunderts gab es einfach ein- gerichtete Kirchen. Zum Gottesdienst gehörte Gesang, Vorlesung aus der Schrift, Predigt, Gebet. Die Häuser und Katakomben schmückte man mit Sinnbildern, dem Bilde eines Hirten mit einem Lamm, einer Taube, eines Schiffes, Ankers, Fisches. Ausser dem Sonntag feierte man von der Apostelzeit an Ostern(als Hauptfest) und Pfingsten, im Orient noch Epiphanias; die Gemeinden begingen auch den Todestag ihrer Märtyrer=zum Andenken an dieselben und zur Uebung und Rüstung derjenigen, welchen der Kampf noch bevorsteht⸗. Das heilige Abendmahl feierte man anfangs des Abends in Verbindung mit einem Liebesmahl, später ohne dasselbe am Ende des sonntäglichen Gottesdienstes; seit Tertullian galt es als Mysterium, daher wurden vor der Feier desselben alle Ungetauften entlassen (missa catechumenorum und missa fidelium). Brod und Wein wurde von der Gemeinde dargebracht, geopfert«; wie diese Liebesgaben und das Dankgebet wurde auch das Abendmahl»Opfer- genannt. Vor der Taufe wurden die Täuflinge(Katechumenen) längere Zeit unterrichtet; bei der Taufe legten sie das Bekenntniss ab und wurden dreimal untergetaucht; darauf folgte die Salbung und Handauflegung.

Im Leben der Christen trat vor allem ihre Bruderliebe, Wohlthätigkeit, strenge Sittlichkeit hervor. Die Askese, sittliche Uebung(Beschaulichkeit und Enthaltsamkeit), galt als nothwendig, Lesen der h. Schrift und Cölibat wurde empfohlen. Es gab sogenannte Asketen, die aber in der Gesellschaft blieben. Zur Empfehlung der Askese diente die Unterscheidung einer niederen und höheren Sittlich- keit, jene bestehend im Gehorsam gegen die Gebote, diese im Befolgen der Rathschläge. Von dem Klerus wurde schon gegen Ende dieser Periode Askese und Cölibat verlangt.

II. Periode. Von Constantin bis auf Karl d. Gr. §. 5. Sieg des Christenthums im römischen Reich. Terhältniss der Kirche zun Staat.

Constantin d. Gr. bekannte sich nach dem Sieg über Licinius offen zum Christenthum, doch liess er sich erst 337 taufen und befleckte seinen Namen durch manche Gewaltthat(Hinrichtung seines Sohnes Crispus). Durch Begünstigungen zog er Schaaren von Heiden in die Kirche, gab dem Klerus viele Rechte und erbaute Kirchen. Die Heiden, die noch zahlreicher waren als die Christen, verfolgte Constantin nicht, verbot nur einige unsittliche Culte. Seine Söhne verfolgten schon das Heidenthum; Constantius, seit 350 Alleinherrscher, verbot allen Götzendienst bei Todesstrafe. Julian den Abtrünnigen bewog seine angeborene Neigung zum Heidenthum, das Studium der Klassiker und der Philosophie, der Einfluss seiner heidnischen Lehrer(in Athen), die Verbindung mit der heidnischen Partei, das Scheinchristenthum am Hofe heimlich zum Heidenthum zurückzukehren. Nach seiner Thronbesteigung begann er bald eine»sanfte Gewaltthätigkeit⸗ gegen die Christen zu üben; er entzog der Kirche alle Rechte, verdrängte die Christen aus den Staatsämtern, verbot ihnen als Lehrer