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III. Kirchenväter der lateinischen Kirche.— Tertullian, der Sohn eines Centurio, um 160 in Karthago geboren, erhielt eine philosophische und juristische Bildung und war Sachwalter; im 30. Jahr bekehrte er sich und wurde, obwohl verheirathet, Presbyter in Karthago. 204 trat er zum Montanismus über, einer Secte, welche die Prophetie und andere ausserordentliche Geistesgaben der Apostelzeit wiederherstellen wollte und eine übertriebene Sittenstrenge forderte. † 220. Er ist der Vater der lateinischen Kirchensprache, seine Schriften sind oft dunkel, aber voll tiefer Gedanken (-so viel Worte, so viel Gedanken«) und paradoxer Aussprüche; er war ein lebendiger, feuriger Geist, zu Extremen geneigt, ein eifriger Asket. In der Sittenlehre war er stets streng, seit seinem Uebertritt zum Montanismus vielfach zu rigoros: er verwirft die Kunst, das Schauspiel, den Kriegs- und Staatsdienst, jede Ehescheidung, die zweite Ehe, überschätzte das freiwillige Cölibat, forderte strenge Kirchenbusse. Er schrieb zahlreiche Schriften gegen die Häretiker und mehrere Apologien, »vom Zeugniss der Seele-(die Seele ist von Natur eine Christin), Apologeticum sc. scriptum.
Cyprian, B. von Karthago, geboren um 200, stammte aus einer angesehenen heidnischen Familie und war eine Zeit lang Rhetor. Durch einen Presbyter, seinen Hausgenossen, wurde er mit dem Christenthum bekannt und zum Lesen der Schrift angetrieben. 246 liess er sich taufen, studierte eifrig die Bibel und die Kirchenväter, besonders Tertullian(»Gib mir den Lehrer!-), schenkte seine Güter den Armen und lebte als Asket. Er wurde Presbyter in Karthago, kurz darauf trotz seines Sträubens Bischof. Durch die lange Ruhe war das sittliche Leben der Christen gesunken, daher übte er strenge Kirchenzucht. In der Decischen Verfolgung floh er, was ihm als Feigheit ausgelegt wurde, doch sorgte er aus der Ferne für seine Gemeinde und ermahnte die Bekenner zur Demuth; zugleich vertheidigte er seine bischöfliche Gewalt gegen eine feindliche Partei(von Bekennern, die ihr altes Vorrecht Abtrünnigen Friedensbriefe auszustellen missbrauchten, und deren Anhängern) und excommunicierte sie schliesslich; eine Synode, die er nach seiner Rückkehr hielt, billigte die Grundsätze Cyprians, der von den Abtrünnigen wahre Busse forderte. In einer Pest erwarb er sich durch seine Fürsorge für Christen und Heiden allgemeine Liebe und Hochachtung. In der Verfolgung Valerians wurde er verbannt, dann hingerichtet 258.— Er war ein trefflicher Kirchenfürst, eifrig und treu in der Seelsorge, voll Kraft und Weisheit in der Leitung seiner Gemeinde. In seinen Briefen und seiner Schrift»Ueber die Einheit der Kirche- hebt er die Einheit der katholischen Kirche und die Verwerflichkeit aller Sectirerei hervor; die Kirche ist die Trägerin alles göttlichen Lebens, wie der vom Baum losgerissene Zweig verdorrt, so Jeder, der sich von der Kirche trennt;»ausserhalb der Kirche gibt es keine Hoffnung auf Seligkeit, Niemand hat Gott zum Vater, der die Kirche nicht zur Mutter hat;⸗ die Einheit der Kirche beruht auf dem Zusammenwirken der Bischöfe; wie alle Apostel, so sind auch alle Bischöfe gleich, jeder ist Petri Nachfolger und Erbe der dem Petrus gegebenen Verheissung.— Dem römischen Bischof erkannte er keine Obergewalt zu und vertheidigte gegen denselben energisch seine Unabhängigkeit(in dem Streit über die Ketzertaufe).
§. 4. Ferfassung. Cultus. Leben.
Aus dem Collegium der Presbyter oder Bischöfe erlangte, meist schon am Ende der Apostelzeit, einer ein höheres Ansehen und behielt allein den Namen Bischof; er hatte die Leitung der Gemeinde und übte die Kirchenzucht gegen Häretiker und grobe Sünder. Bald bildete sich eine Gliederung der Kirchenämter(Hierarchie); aus dem alten Testamente wurde die Idee eines besonderen Priesterthums genommen, so entstand ein Unterschied zwischen den Laien(Laos, Volk) und dem Klerus(Erbtheil);


