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trat Irenäus gegen ihn auf und erinnerte ihn, dass die Einheit des Glaubens auch bei Verschiedenheit der äusseren Gebräuche bestehen könne.
Clemens von Alexandria wurde im Schoss einer heidnischen Familie geboren(in Athen oder Alexandria), erhielt eine gründliche philosophische Bildung, fand aber darin kein Genüge. Er wurde Christ; um eine tiefere Erkenntniss des Christenthums zu erlangen, machte er grosse Reisen im Morgen- und Abendland und suchte überall die Männer auf, bei denen er genaue Kenntniss der Tradition zu finden hoffte. Besonders fesselte ihn der Vorsteher der alexandrinischen Katechetenschule, einer höheren christlichen Lehranstalt; Clemens blieb in Alexandria, liess sich von jenem in die christliche Wissenschaft einführen und studierte zugleich eifrig Philosophie. Er wurde Presbyter, später Vorsteher der Katechetenschule. Während der Verfolgung 202 floh er nach Matth. 10, 23, † um 220. Von seinen Schriften sind drei grössere Werke vorhanden, in denen er die Vorzüge des Christenthums darthut und die Heiden und Gnostiker bekämpft, ferner eine Abhandlung»Welcher Reiche wird selig?⸗
Origenes, geb. 185 in Alexandria. Sein Vater Leonidas unterrichtete ihn selbst, liess ihn täglich in der heiligen Schrift lesen und lernen; später besuchte Origenes die Vorträge des Clemens. In der Verfolgung 202 wünschte er sein Leben für den Glauben zu opfern, und als sein Vater gefangen war, konnte ihn die Mutter nur durch Verstecken der Kleider abhalten, dem Vater ins Gefängniss zu folgen; da ermahnte er denselben schriftlich:»Hüte Dich um unsertwillen abzufallen«. Leonidas starb als Märtyrer, sein Vermögen wurde eingezogen. Der Familie nahm sich eine reiche Christin an, in deren Haus ein angesehener Gnostiker weilte, Origenes aber wollte mit diesem nicht einmal beten. Bald erwarb er seinen Lebensunterhalt durch grammatischen Unterricht. Wegen seiner grossen Erfolge machte der Bischof den 18 jährigen Jüngling zum Lehrer an der Katechetenschule. Nun widmete er sich diesem Beruf völlig und ergab sich neben seinen eifrigen Studien der strengsten Askese, daher der»Stählerne, Demantene« genannt. In einer neuen Verfolgung bewährte er seinen Glaubensmuth, besuchte die Gefangenen im Kerker, stand ihnen vor Gericht bei, begleitete sie zur Richtstätte; den Nachstellungen der Heiden entkam er glücklich. Da viele gebildete Heiden und Gnostiker seinen Unterricht begehrten, studierte er gründlich Philosophie und hörte selbst noch die Vorlesungen eines berühmten Neuplatonikers. Für seine Schüler schrieb er süber die Grundlehren- des Christenthums, die älteste Dogmatik; dabei studierte er eifrig die heilige Schrift und lernte noch Hebräisch. Als Caracalla 216 in Alexandria ein schreckliches Blutbad anrichtete, ging Origenes nach Palästina und predigte sogar auf die Aufforderung des Bischofs von Cäsarea; später weihten ihn die Bischöfe in Palästina gegen die Kirchengesetze zum Presbyter. In Alexandria wurde er darauf excommuniciert und abgesetzt, aber die Kirchen in Palästina und andern Ländern erkannten dieses Urtheil nicht an. Er gründete in Cäsarea eine gelehrte Schule, entwickelte durch Unterricht, Briefe, Schriften eine ausserordentliche Thätigkeit und machte zur Widerlegung von Irrlehrern mehrere Reisen(nach Arabien, Athen). In der Decischen Verfolgung erlitt er standhaft die grössten Martern, † 254 an den Folgen derselben.— Origenes hat die christliche Wissenschaft ausserordentlich gefördert, besonders viel für Erklärung der heiligen Schrift gethan; er stellte den Grundtext des Alten Testamentes mit den griechischen Uebersetzungen zusammen, verwandte grossen Fleiss auf die Verbesserung des neutestamentlichen Textes, verfasste zahlr eiche Commentare und praktische Vorträge; in der Bibel unterschied er den buchstäblichen, moralischen, allegor ischen Sinn. Seine Apologie-acht Bücher gegen Celsus« ist die bedeutendste dieser Periode. Doch finden sich bei ihm auch Irrthümer, die Ewigkeit der Welt, die Präexistenz der Seelen, der Fall und die Einkleidung derselben in menschliche Leiber, die Wiederbringung aller Dinge.
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