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Paulinische Rechtfertigungslehre:»-Ihr wisst, dass ihr aus Gnaden selig geworden seid, nicht aus den Werken(cf. Eph. 2, 8), sondern aus dem Willen Gottes durch Jesum Christum-; † 167.
Hermas; seine Schrift»der Hirt«— so genannt, weil ein Engel in Hirtengestalt darin auftritt— richtet ernste Ermahnungen an die Geistlichen und das Volk mit Hinweisung auf die nahe Wiederkunft Christi, enthält aber schon schriftwidrige Lehren: swenn du etwas Gutes thust über das Gebot Gottes hinaus, wirst du dir grösseren Ruhm erwerben und bei Gott angenehmer sein«.
Papias, B. v. Hierapolis in Phrygien, kannte noch den Apostel Johannes, schrieb nach mündlichen Berichten von Apostelschülern»Erzählung von Offenbarungen des Herrn«, worin er Reden und Thaten Christi mittheilte; nur wenige Fragmente sind erhalten. Er starb als Märtyrer unter Marc Aurel, wahrscheinlich 167.
II. Die Kirchenväter der griechischen Kirche.— Justin der Märtyrer, geboren um 103 von heidnischen Eltern in Sichem, suchte die Erkenntniss Gottes bei mehreren Philosophen (einem Stoiker, Peripatetiker, Pythagoräer) vergeblich; erst ein Platoniker, der ihm unmittelbare Anschauung Gottes versprach, fesselte ihn. Einst traf er am Meeresufer einen Greis von mildem, ehrwürdigem Aussehen; im Lauf des Gesprächs bekannte ihm Justin sein Verlangen nach Erkenntniss Gottes und rühmte die platonische Philosophie. Der Greis zeigte ihm, dass menschliche Weisheit keine vollkommene Befriedigung gewähre und keine Wirkung auf das innere Leben übe, und schloss: »Du bist ein Freund des Wissens, aber nicht ein Freund der That und Wahrheit und du versuchst es nicht, lieber ein Thäter als Denker zu sein«. Erschüttert rief Justin aus:»Welchen Lehrer soll ich denn hören, wenn nicht einmal die Philosophen die Wahrheit haben?« Der Greis wies ihn auf die Propheten des alten Testamentes hin und fügte hinzu:»Vor allem bete, dass dir die Pforten des Lichtes aufgethan werden, denn Niemand kann dies erkennen, als der, den Gott und Christus erleuchtet«. Justin, den schon früher der Todesmuth der Christen überzeugt hatte, dass sie nicht in Lastern leben könnten, folgte dem Rath und wurde 133 Christ. Nun widmete er sich der Bekehrung der Gebildeten, durchzog im Philosophenmantel die Hauptländer des römischen Reichs, wirkte in Alexan- drien, Ephesus(Gespräch mit dem Juden Tryphon) und Rom. † 167. Zur Vertheidigung des Christen- thums schrieb Justin das»Gespräch mit dem Juden Tryphon- und 2 Apologien an Antoninus Pius und Marc Aurel; in diesen zeigt er, dass das Christenthum nicht Atheismus sei, sondern zur rechten Erkenntniss Gottes führe, das habe schon Socrates und andere Philosophen gewollt, denn auch in der Philosophie habe sich der Logos(Christus) offenbart, freilich unvollkommen; ferner betont er die sittlichen Wirkungen des Christenthums und beschreibt den christlichen Gottesdienst.
Irenäus, B. v. Lyon, ein Grieche aus Kleinasien, war ein Schüler Polykarps, begab sich später nach Südgallien, wurde Presbyter und nach Pothinus Bischof in Lyon. Auf die Kirche übte er grossen Einfluss: er machte die abendländische Kirche mit den Schriften der griechischen Kirchen- väter bekannt, vermittelte als ein rechter»Irenäus« in den Streitigkeiten der Kirche(über die Osterfeier), bekämpfte die Gnostiker(»Gegen die Häresie-«) und hob gegenüber der Vielheit der gnostischen Secten die Einheit des christlichen Glaubens und der Kirche hervor, der alle Schätze der Wahrheit von den Aposteln übergeben seien.— Der römischen Kirche erkennt er ein hohes Ansehen zu, sie sei die grösste, älteste, Allen bekannte und habe die apostolische Ueberlieferung stets rein bewahrt, daher legt er ihren Entscheidungen grossen Werth bei, aber von einer Obergewalt Roms über die ganze Kirche will er nichts wissen; als der römische Bischof die kleinasiatische Kirche in den Bann that, weil sie sich in der Zeit der Osterfeier der römischen Sitte nicht fügen wollte,


