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wurde. Licinius gerieth später mit seinem Schwager Constantin in Feindschaft und gab sich der heidnischen Partei hin, Constantin stützte sich auf die weniger zahlreichen, aber fester verbundenen Christen. Licinius wurde besiegt und hingerichtet, Constantin war nun Alleinherrscher 323.
Auch mit Wort und Schrift traten Juden und Heiden dem Evangelium entgegen. Von den heidnischen Gegenschriften ist am wichtigsten das»wahre Wort« des Philosophen Celsus(um 150); In dieser gehässigen Schmähschrift lässt er zuerst durch einen Juden, dann durch einen heidnischen Philosophen das Christenthum bekämpfen. Zur Abwehr solcher Angriffe verfassten die bedeutendsten Kirchenväter Apologien, Vertheidigungsschriften.
§. 2. Häresien.
In der Zeit der Verfolgungen hatte die Kirche auch gegen zahlreiche Irrlehrer zu kämpfen, die das Christenthum theils mit dem Judenthum, theils mit dem Heidenthum verschmolzen.
Die judaisirenden Secten, besonders die von den Nazarenern ausgegangenen Ebioniten (Arme), leugneten die Gottheit Christi, verwarfen Paulus als falschen Apostel und forderten die Beobachtung des Gesetzes auch von den Heidenchristen.
Andere Irrlehrer verbanden das Christenthum mit der platonischen Philosophie oder der altpersischen Religion; sie gaben vor, eine tiefere Erkenntniss(Gnosis) von den Geheimnissen des Christenthums zu haben(daher Gnostiker), wollten das Christenthum mit der Wissenschaft versöhnen, stellten es zwar als die vollkommene Religion hin und erhoben es hoch über das-unvollkommene- Judenthum und über das»schlechte, verderbte« Heidenthum, aber sie rissen das Christenthum vom Zusammenhang mit dem alten Testament los und vernichteten die Grundlehren des Christenthums, vor allem die der Erlösung.
Hauptlehren der Gnostiker. Von Ewigkeit gibt es einen verborgenen, jenseitigen Gott und eine ungöttliche, böse Materie. Aus Gott fliessen verschiedene göttliche Wesen, Aeonen; da Gott selbst mit der Materie nicht in Verbindung treten kann, so bildet der letzte Aeon(Demiurg, Weltbildner) die Welt aus der Materie und Theilen des Lichtreichs. Wie in der Welt, so sind auch im Menschen Theile des Lichtes und der Materie gemischt; in den einen Menschen herrscht der göttliche Geist, das Pneuma, vor, in anderen die niederen Seelenkräfte, die Psyche, in anderen die Materie, Hyle (Pneumatiker, Psychiker, Hyliker). Um die Erlösung, d. h. die Befreiung des Lichtelementes im Menschen von der Materie, zu bewirken, kommt einer der höchsten Aeonen(Christus) in die Welt, er theilt den Pneumatikern die Erkenntniss, den Psychikern den Glauben mit. Die Aufgabe des Menschen ist es, die Materie zu besiegen. Daher forderten manche Gnostiker strenge Askese, andere wollten die Lust durch Genuss der Lust bekämpfen und geriethen in grobe Unsittlichkeit.
Nach den Vorläufern in der Apostelzeit traten um 130 die grossen Gnostiker auf, namentlich Basilides in Alexandria, Valentin in Rom, später in Cypern. Diese und zahlreiche andere Gnostiker stifteten Secten, die besonders unter den Gebildeten viel Anhang fanden, so dass die Kirche mit innerer Auflösung bedroht wurde. Denn die Gunostiker traten nicht aus der Kirche aus, sondern suchten in der Kirche selbst zur Herrschaft zu gelangen und accommodierten sich möglichst an christliche Vorstellungen; um ihre Lehre mit den neutestamentlichen Schriften zu vereinigen, behaupteten sie die Verstümmlung und Verfälschung derselben durch die Apostel oder wandten allegorische Schriftauslegung an.
Erst nach Ueberwindung des Gnosticismus traten die Manichäer auf. Mani, ein excommunicierter persischer Christ, der anfangs die Gunst des Königs gewann, später grausam hingerichtet wurde(um 280), versuchte eine Verbindung der persischen Religion mit gnostischen Lehren; an das Christenthum erinnern nur einige Namen, die aber einen anderen Sinn haben als in der heiligen Schrift(Jesus,


