Druckschrift 
1 (1879) Alte Kirchengeschichte / [von Ferdinand Schantz]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

Septimius Severus, anfangs den Christen freundlich, begann 202 eine Verfolgung, die besonders in Nordafrika und Aegypten heftig war. In Lyon starb der Bischof Irenäus, ein Schüler Polykarps, in Alexandria Leonidas, der Vater des Kirchenlehrers Origenes; die Jungfrau Potamiäna wurde gefoltert, dann mit ihrer Mutter in siedendes Oel getaucht, der Soldat, der sie zu Tode führte, wurde Christ und ein paar Tage später hingerichtet. In Karthago blieb Perpetua trotz des Flehens ihres Vaters, trotz der Liebe zu ihrem Kinde, unter Martern und im Kerker standhaft, wurde einer wilden Kuh vorgeworfen und von einem Gladiator vollends getödtet; gleiche Festigkeit bewies die Sclavin Felicitas. Speratus und elf andere numidische Christen bekannten freudig ihren Glauben, wiesen den Statthalter auf die heilige Schrift, die Quelle ihres Trostes, hin und wurden endlich hingerichtet.

Decius wollte die Kirche ausrotten, um den Glanz des Reiches auf Grund des Heidenthums herzustellen. Daher befahl er den Christen im ganzen Reich bei Todesstrafe den Göttern zu opfern. So begann 250 die erste allgemeine Verfolgung. Güterberaubung, Verbannung, Hinrichtung, Martern wurden angewendet; kein Wunder, dass bei der damaligen Erschlaffung Schaaren von Christen abfielen. Von den»Gefallenen« opferten die einen(sacrificati), andere streuten dem Bilde des Kaisers Weihrauch (thurificati), manche kauften sich einen Schein, als hätten sie geopfert(libellatici), andere liessen ihren Namen in die Zahl der dem Gesetz Gehorsamen eintragen(acta facientes). Dagegen bekannten Unzählige trotz aller Martern den Herrn, ja Viele drängten sich freiwillig zum Märtyrertod. Manche kamen wieder frei(Bekenner, Confessoren), so Origenes, damals in Cäsarea, und der Knabe Dioskuros in Alexandria. Sage von den sieben Schläfern bei Ephesus, die erst 447 erwachten. Decius' Nachfolger Gallus setzte die Verfolgung fort, ebenso Valerian, der besonders die Geistlichen, Senatoren, Ritter zu strafen befahl. Der karthagische Bischof Cyprian wurde hingerichtet, der römische, Sixtus, gekreuzigt, sein Diacon Laurentius, der dem goldgierigen Statthalter die Armen als die Schätze der Kirche darstellte, auf glühendem Rost verbrannt.

Diocletian liess um der Ruhe des Staates willen anfangs die Christen unangefochten, aber auf Antrieb seines Mitregenten und Schwiegersohnes Galerius erliess er 303 mehrere Edicte gegen die Christen: der Gottesdienst wurde verboten, die Kirchen sollten zerstört, die Christen ihrer Aemter und bürgerlichen Rechte beraubt, die heiligen Schriften vernichtet werden. Nun begann im ganzen Reich die schrecklichste aller Verfolgungen; viele wurden abtrünnig, eine neue Classe von Gefallenen waren die Traditoren(Auslieferer heiliger Schriften). Zahllose Christen starben in Gefängnissen und Bergwerken, wurden ertränkt, verbrannt oder gekreuzigt, immer neue Martern wurden ersonnen, so dass die Enthauptung als eine Gnade galt; an manchen Orten ermattete der Arm der Henker, wurden die Schwerter abgestumpft; sogar die Esswaaren auf dem Markte wurden mit Opferwasser besprengt. Nur in Gallien, Spanien, Britannien verfuhr der Cäsar(Constantius, Vater Constantins d. G.) milder. Als Diocletian 305 abdankte, stellte Constantius( 306) und Constantin die Verfolgung ein, die anderen Herrscher setzten sie fort. Galerius, Kaiser im Osten, hob 311, von einer schrecklichen Krankheit ergriffen, die Verfolgung auf und verlangte sogar von den Christen Fürbitte für Kaiser und Reich. Sein Nachfolger Licinius, der Herrscher des europäischen Morgen- landes, duldete die Christen und Constantin neigte sich, nachdem er im Zeichen des Kreuzes über den Herrscher von Italien gesiegt und Alleinherrscher im Abendland geworden war, entschieden dem Christenthum zu. Nun musste auch der Herrscher von Syrien und Aegypten(Maximin) die Verfolgung einstellen. Darauf erliessen Constantin und Licinius mehrere Edicte(das von Mailand 313), durch welche allgemeine Religionsfreiheit eingeführt, sogar der Uebertritt zum Christenthum frei gegeben