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Nach der Verfolgung Domitians hatten die Christen einige Jahre Ruhe, aber Traj an verbot von neuem die geheimen, politischen Verbindungen, was sofort auf die Christen angewendet wurde. In Kleinasien, Syrien, Palästina wurden die Gemeinden hart bedrängt. In Bithynien liess Plinius, der über sein Verfahren an Trajan berichtete*), die standhaften Christen hinrichten, die Abtrünnigen gab er frei; Trajan befahl anonyme Klagschriften nicht zu beachten, die Christen nicht aufzusuchen, dagegen sie zu strafen, wenn sie angeklagt und überwiesen würden. Der 120 jährige Bischof Simeon von Jerusalem, ein Verwandter des Herrn, wurde gegeisselt und gekreuzigt, Ignatius, B. von Antiochia, in Rom den wilden Thieren vorgeworfen.— Hadrian war wie allen fremden Religionen auch dem Christenthum abgeneigt, suchte aber die Christen vor der Volkswuth zu schützen. Unter ihm trat in Palästina ein falscher Messias auf, Bar Cochba(Sternensohn, 4. Mose 24, 18), der die Christen grausam verfolgte. Nach Unterdrückung des Aufstandes verbot Hadrian den Juden, sich der Colonie Aelia Capitolina(Jerusalem) nur zu nähern. Ein Theil der Judenchristen kehrte nach Jerusalem zurück, sagte sich vom Gesetz los und verschmolz mit den Heidenchristen, die übrigen Judenchristen (Nazarener) blieben im Ostjordanland, hielten am Gesetz fest, änderten aber am Glaubensbekenntniss nichts, daher galten sie nur als schwache Christen; sie erhielten sich bis in's 6. Jahrhundert.
Mark Aurel, der die Christen als Schwärmer verachtete, verbot die Einführung fremder Religionen und liess der Volkswuth freien Lauf. Nach einer Pest begann er selbst eine Christen- verfolgung, befahl die Aufsuchung der Christen und liess Martern gegen sie anwenden, meist vergeblich. In Rom wurde der christliche Philosoph Justin hingerichtet; in der Untersuchung bekannte er muthig seinen Glauben an»Gott und Jesum Christum, den Sohn Gottes, den Lehrer der Weisheit-; auf die Frage des Richters:»Bildest Du Dir wirklich ein gen Himmel zu fahren, auch wenn Du geköpft wirst?« antwortete er:»Ich glaube es, ja ich weiss es so gewiss, dass kein Zweifel stattfindet«. Polykarp, B. von Smyrna, wurde auf seine Erklärung hin:»86 Jahre diene ich dem Herrn und er hat mir nie etwas zu Leid gethan, wie könnte ich meinem König fluchen, der mich erlöst hat?« auf Verlangen des Volkes verbrannt(cf. Herder's Gedicht: Polykarp der Tapfere). Allgemeiner und blutiger als in Kleinasien war die Verfolgung in Südgallien, besonders in Lyon und Vienne. Pothinus, B. von Lyon, starb im Gefängniss an den erlittenen Misshandlungen, der Diacon Sanctus wurde zweimal mit glühenden Eisenstäben gebrannt, dass sein Leib nicht mehr das Aussehen eines menschlichen Körpers hatte, nachher mit anderen Christen furchtbar gegeisselt, den wilden Thieren vorgeführt, auf einem glühenden eisernen Stuhl gemartert, endlich erwürgt. Die Sclavin Blandina wurde einen Tag lang grausam gefoltert, so dass sich die Henker für besiegt erklärten, aber sie blieb bei ihrer Aussage:»Ich bin eine Christin und bei uns geschieht nichts Böses«, dann wurde sie denselben Qualen ausgesetzt wie Sanctus, schliesslich erdolcht; mit ihr starb der 15 jährige Ponticus. Die Leichen der Christen wurden verbrannt, ihre Asche in die Rhone gestreut, damit sie nicht einmal die Hoffnung der Auferstehung hätten. Sage von der Donnerlegion.
*) Plinius berichtet: Die Abtrünnigen versicherten, ihr grösstes Verbrechen wäre gewesen, dass sie an einem bestimmten Tage vor Tagesanbruch zusammenzukommen und ein Lied auf Christum als einen Gott wechselweise zu singen pflegten und sich durch einen Eid nicht zu einem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen Diebstahl, Raub, Ehebruch zu begehen, das Wort nicht zu brechen, anvertrautes Gut nicht abzuleugnen. Dann hätten sie die Gewohnheit gehabt auseinander zu gehen und wieder zusammen zu kommen, um Speise zu sich zu nehmen, jedoch gewöhnliche und unschuldige; auch dieses hätten sie nach dem Edikt gegen geheime Verbindungen unterlassen; er habe nur einen verkehrten unmässigen Aberglauben gefunden. Viele von jeglichem Alter, Stand, Geschlecht würden in Untersuchung gebracht; nicht blos in den Städten, auch in den Dörfern und Flecken habe sich die Ansteckung jenes Aberglaubens verbreitet.


