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3 (1874)
Entstehung
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was ſeiner Väter Herz bewegte, wer von ihrem Weh und ihrer Freude, ihren Kämpfen und ihren Siegen ſo ergriffen wird, als wäre es ſein eigenes Weh und ſeine eigene Freude: nur der mag mit Gottes Hülfe vor Verrat und Abfall be⸗ wahrt bleiben; er wird ſeines Volkes gute Art und die Gaben, die dieſem der Herr Himmels und der Erden auf ſeiner Wanderſchaft mitgegeben hat, gewislich nicht(zu eigenem Schaden) von ſich werfen.

Mit Recht wird Verderbnis der Sprache eines Volkes, Sprachmengerei und Verunſtaltung der Wortbedeutungen für ein Zeichen ſinkender Cultur gehalten. Iſt aber nicht eine der Haupt⸗ urſachen dieſes Verfalles häufig die, daß man moderne Formen aufnimmt, gleichviel ob ſie die Zeichen der Barbarei unverkennbar an ſich tragen, nur weil ſie modern ſind, ſtatt das edle Metall aus den unerſchöpflichen Fundgruben der Vergangenheit hervor⸗ zuholen!

Und oft iſt doch aus dieſen geradezu allein die richtige Erkenntnis zu gewinnen: es ſind das die eigentlich ſchöpferiſcheu Zeiten, die einzig in ihrer Art ſo nicht wiederkehren und dadurch die Stätten geworden ſind, in die wir uns einleben müßen. Können wir dieß nicht mehr, ſo ſind wir in Gefahr, fort und fort von ſubjectiven Einbildungen in die Irre geführt zu werden, überall falſchen Anſchauungen zu folgen und falſche Maßſtäbe an⸗ zulegen.

Nimmermehr werden wir erfahren, was epiſche Poeſie iſt, ſo wir es nicht an der poetiſchen Herrlichkeit der Iliade und Odyſſee oder des Nibelungenliedes erleben; noch aus Definitionen und äſthetiſchem Räſonnement das Weſen der Tragödie erkennen, ſo wir uns nicht in die alten Meiſterwerke tragiſcher Dichtkunſt und wäre es auch nur ein einziges Drama von Aeſchylus und Sophokles, hineinleben können und uns dadurch den inneren Sinn für das rechte Verſtändnis erſchließen laßen; nimmermehr werden wir die Formſchönheit der plaſtiſchen Kunſt in ihrer wahren Geſtalt verſtehen, ohne ſie an den antiken Meiſterwerken, noch die