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verſchwindet! Das Herz wird kalt gegen Alles, was über die Grenzen des augenblicklichen Lebensgenußes dieſer Welt hinaus in dem Schacht der vorausgehenden Jahrhunderte liegt. Mit der Kenntnis des verborgenen Reichtums erliſcht auch der letzte Funke von Begeiſterung und Liebe zu den lebendigen Früchten der Vor⸗ zeit und damit auch die Kraft der Seele, ſie zu bleibendem Eigen⸗ tum zu ſuchen und zu finden.
Wo aber dieſe Fähigkeit, aus der Vergangenheit zu leben dahin iſt, da muß alle geiſtige Friſche verloren gehen; alles Wißen ſchrumpft in die dürrſte Rhetorik und Doctrin zuſammen; der Geſichtskreiß wird immer enger und beſchränkter; nirgends vermag ich mehr die Dinge in ihrem Entſtehen und Wachstum, nirgends in ihrem eigentlichen gegenwärtigen Stand zu erkennen, noch viel weniger für die warhaftigen Güter feſt und getreulich einzuſtehen.
Können wir an dem vergangenen Leben des Volksſtammes, in den wir nach der Naturſeite unſeres Lebens hineingeboren ſind, innerlich nicht mehr feſthalten als an unſerem eigenſten Leben; können wir uns nicht mehr der Geburtsſtunde des neuen Lebens freuen, wo das Wort vom Kreuz zum erſten Male in die Herzen unſerer Väter drang und mit Dank gegen den Herrn bekennen: ſiehe, da iſt auch uns das Licht aufgegangen zum ewigen Leben; dringt es uns nicht mehr durch Mark und Bein, wenn wir von der Fürſten und des Volkes Treue, Feſtigkeit und Biederkeit hören, alſo daß wir gewahr werden, daran haben wir auch Teil: ſo geht es unfehlbar mit unſerer Vaterlandsliebe, mit unſerer Treue, mit unſerem Glauben rückwärts.
Oder meint ihr, ihr wäret ſicher vor dem Zurückſinken in daſſelbe Elend der traurigſten Geſinnungs⸗ und Charakterloſigkeit, wie ſie ſich einſt gleich giftigen Nebeln über die Gauen unſeres Vaterlandes lagerten, wenn nicht mehr auch nur ein Schrei des Entſetzens aus der öden Zeit der Fremdherſchaft— und ein Jubelruf aus den Befreiungskämpfen und Siegen euch erſchütternd durch die Seele zieht. Nur wer noch mitempfinden kann,


