24 wunderbare Größe der deutſchen Baukunſt, ohne ſie an den hehren Domen ſelbſt erſchaut zu haben.
Es würde mich hier zu weit führen, wenn ich den oben aufgeſtellten Satz weiter verfolgen und ſeine Richtigkeit durch einzelne Belege aus der Literatur⸗ und Kunſtgeſchichte erweiſen wollte; aber es iſt ſo auf allen Gebieten menſchlichen Wißens und Könnens.
So wird der Theologe das wahre Weſen theologiſcher Wißenſchaft aus der gegenwärtigen Geſtalt derſelben warhaftig nicht richtig zu erkennen vermögen. Hat er nicht die Fähigkeit, auf das goldene Zeitalter der theologiſchen Literatur, auf die griechiſchen und lateiniſchen Kirchenväter des dritten, vierten und fünften Jahrhunderts zurückzugehen: ſo geht ihm unter anderem eben damit auch die Erkenntnis theologiſcher Wißenſchaft als ſolcher ab. Können wir an den großen Bekenntnisthaten unſerer Väter, als den Reſultaten langer ſchwerer Kämpfe, die um Reinheit der Lehre, um das höchſte Gut, der Seelen Seligkeit, gekämpft ſind, nicht unſer eigenes Bekenntnis entzünden, noch aus dieſem vor⸗ mals gegen Irrtum und Feindſchaft ſiegreich vertheidigten Heilsgut Leben um Leben ſchöpfen: ſo werden wir nicht nur ſtets im Un⸗ klaren bleiben über die Bedeutung des kirchlichen Bekenntniſſes in ſeiner Herrlichkeit, ſondern ſelbſt im Verſtändnis ſeines Inhalts gar ſchwache und unſichere Schritte thun.
Doch wir haben kürzlich noch einen zweiten Fortſchrittsfeind zu betrachten, der ſcheinbar entgegengeſetzter Art von dem eben erwähnten, doch mit dieſem denſelben Urſprung aus der Gebunden⸗ heit des irdiſchen Sinns an die Gegenwart hat;— ich meine die Unfähigkeit, aus der Zukunft zu lernen und zu leben.
An einem faſt fieberhaften Hinausſchauen in eine unbeſtimmte Zukunft, an unabläßigem Rechnen auf zukünftigen Gewinn und gierigem Hoffen auf demnächſtige Erreichung aller möglichen Mittel zur Befriedigung der Sinnen⸗ und Augenluſt, daran fehlt es dem Geſchlecht unſerer Tage nicht. Aber dieſe Zukunftsgedanken hängen ſich, ſtatt die Seele empor zu heben und weiter zu führen,


