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3 (1874)
Entstehung
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19 nicht fixieren kann, ſo ſoll ihr jede Woche, jeder Tag und jede Stunde ihren beſonderen Tribut an Lebensgenuß liefern.

Die nächſte Folge davon iſt ein kaum glaubliches Ver⸗ ſchwinden der Erinnerung ſelbſt an die Ereigniſſe der allernächſten Vergangenheit. So iſt es denn möglich und kommt eben in unſeren aufgeklärten Zeiten faſt täglich vor, daß Erſcheinungen des poli⸗ tiſchen und ſocialen Lebens, die man vor wenigen Jahren in ihrem Anfang, Fortgang und kläglichen Ende ſelbſt mit angeſehen hat, wenn ſie in der Gegenwart abermals wieder auftauchen und durch die Tagespreſſe aller Welt verkündigt werden, in kindiſcher Vergeßlichkeit für ganz neue Dinge gehalten und nach Befinden als Producte der fortgeſchrittenen Cultur der Jetztzeit angeprieſen werden!

Wäre auch nur einige Fähigkeit vorhanden, die Geſchichte der eben vergangenen Jahre zu behalten und aus ihr etwas zu lernen, ſo würden doch ſo auffallende Rückſchritte, ein ſolches Zurückſinken auf überwundene Standpunkte ſicherlich nicht leicht vorkommen! Wie könnten die alten liberaliſtiſchen und humaniſti⸗ ſchen Anſichten und Pläne immer wieder auftauchen und Aufnahme finden, wenn man der Thatſache eingedenk bliebe, daß ſie ja vor kaum zehn Jahren ihre völlige Unhaltbarkeit unwiderſprechlich offenbart und die bitterſten Früchte gebracht haben? Wie könnte ſich der platteſte Rationalismus mit ſeinen Anhängſeln von Neuem breit machen, wenn man daran dächte, daß ſich ſeine innere Leere und Hohlheit, ſeine eigentliche Natur damals enthüllt hat, als die Menſchenfündlein und armſeligen Phraſen vor dem Donner der Gerichte des allmächtigen Gottes verſtummen mußten? Wie könnte man abermals die Wege der Halbheit und Zerſtörung, der wider⸗ chriſtlichen und antikirchlichen Beſtrebungen einſchlagen, wenn man ſich aus den eigenen Erlebniſſen noch vergegenwärtigen könnte, in welch grauenhafte Abgründe eben dieſe Wege geführt haben! Wer aber durch ſeine irdiſche Geſinnung und Lebensrichtung die Fähigkeit verliert, aus der Geſchichte ſeiner Zeit etwas zu lernen, der wird nach und nach auch unfähig, aus der Geſchichte

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