Druckschrift 
3 (1874)
Entstehung
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3 Zeiten herannahen, hier nicht weiter verfolgen. Aber das kann und darf ich in dieſem Augenblicke, wo wir abermals eine An⸗ zahl unſerer bisherigen Schüler aus dieſem Hauſe zur Univerſität entlaßen, gewis nicht verſäumen, Euch zum letzten Male eine der unzäligen todbringenden Früchte warnend vorzuzeigen, auf daß auch dieſe Abſchiedsworte im Einklang ſtehen mit dem, was ihr bisher von mir gehört habt, und ſoviel an ihnen iſt, mit des Herrn unſeres Gottes treuer Hülfe, Euch nach dieſer Seite hin wenigſtens vor dem Böſen bewahren mögen. Gott läßt ſich nicht ſpotten; was der Menſch ſäet, das wird er ernten; wer auf das Fleiſch ſäet, der wird vom Fleiſch das Verderben ernten, wer aber auf den Geiſt ſäet, der wird vom Geiſt das ewige Leben ernten.

Denn es waltet auch hier eine gerechte Vergeltung. So das heidniſche Weſen, das vom Fürſten dieſer Welt iſt, nicht ge⸗ brochen wird, ſondern ungehindert fortwuchert, ſo wird die Seele zuletzt ſelbſt fleiſchlich; fleiſchlich geſinnt ſein aber iſt der Tod. Und bei wie Vielen dieſes Stadium des faſt gänzlichen Ver⸗ kommens des Seelenlebens im Fleiſch bereits eingetreten iſt, davon kann das als ein ſehr eclatanter Beweis angeſehen werden, daß man in unſerer Zeit einenKampf um die Seele hat be⸗ ginnen müßen, nicht etwa in dem Sinn, wie man ihn früher allein kannte, einen Kampf wider das Reich der Finſternis, wider alles ungöttliche und ſündliche Weſen um der Seele eigenes Heil, ſondern nnerhörter Weiſe um die von den fleiſchlich geſinnten Thoren unſerer Tage geleugnete Thatſache der ſelbſtändigen Exiſtenz der Seele.

So tief ſind nun freilich viele Tauſende noch nicht geſunken; aber eine Erſcheinung, die mit dem erwähnten irdiſchen Sinn (um es kurz zu bezeichnen) offenbar auf das Engſte zuſammenhängt, iſt doch gar weithin zu bemerken, und wol geeignet, uns zu ernſtem Nachdenken zu reizen, ich meine den bis in die höchſten Lebens⸗ kreiße weit verbreiteten ſehr fühlbaren Mangel an rechter voller Hingabe der Seele im guten Sinn. Sie ſteht mit jener dämo⸗ niſchen Energie der Seele in ihrer Richtung auf das Fleiſch in

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