23
cipien“ umgewandelt werden ſollen. Nein, der natürliche Menſch vernimmt nichts vom Geiſte Gottes, es iſt ihm eine Thorbeit und kann es nicht erkennen; denn es muß geiſtlich gerichtet ſein; der geiſtliche aber richtet alles und wird von Niemand gerichtet. Das Evangelium iſt eine Kraft Gottes und ſtammt nicht von der Welt und unſer Glaube iſt der Sieg, der die Welt überwunden hat und fortwährend überwindet. Geben wir nun dieſe weltüberwindende Kraft des Evangeliums auf und räumen dem Zeitbewußtſein der Gegenwart das Regiment und Richteramt in göttlichen Dingen ein, ſo verleugnen wir eben damit das Weſen des Evangeliums, fallen alſo augenſcheinlich aus unſerem Chriſtenberufe heraus. Und laßen wir uns in dieſes Zeitbewußtſein des natürlichen Menſchen als das allein gültige von unſerem feſten Chriſtenſtandpunkt herunterſtoßen, dann iſt es nicht allein um die Erfahrung der großen Thaten Gottes in der Bergangenheit und Gegenwart geſchehen, wir verlieren auch das Auge für die wahre Zukunft und werden in die öde Zukunftsloſigkeit der Welt mithineingezogen. Endlos dehnen ſich die Zeiten vor uns aus,— ein troſtloſes Werden und Vergeben, ohne Ziel und ohne Erfüllung. Wir aber wißen, daß, wenn die Zeit erfüllet iſt, der Herr in ſeiner Herlichkeit kommen wird, zu richten die Leben⸗ digen und die Todten; wir wißen, daß die Kirche des Herrn ihren Kampfesgang vollenden und den Sieg behalten wird; wir wißen, daß einſt der letzte Feind, der Tod, überwunden und Alles neu gemacht wird durch den, der das A und das O, der Anfang und das Ende iſt. Wer daran nicht mehr glaubt, wer die Zukunft des. Menſchenſohnes, wer die zukünftige Herlichkeit, die durch ihn ſoll geoffenbaret werden, leugnet, der bewegt ſich doch gewis nicht mehr in dem Lebenskreiße chriſtlicher Thatſachen, ſondern nährt ſich am Ende nur Tag für Tag von irdiſchen armen Proletariergedanken.
Auch an Euch, meine jungen Freunde, werden dieſe Proletariergedanken, werden überhaupt alle dieſe Kräfte der Tiefe in den mannigfachen Erſcheinungen des Abfalls herantreten; es wird der Geiſt, der ſtets verneint, es werden die Scharen ſeiner vielgeſchäftigen Trabanten euch umgeben, bald ohne Maske theoretiſchen und praktiſchen Atheismus offen und ohne Scheu verkündend, bald unter den ver⸗ ſchiedenſten Verhüllungen im Heuchelſchein der Geiſtesfreiheit und der Fortſchritts oder gar in Engel des Lichts verkleidet, als wäre es ihnen mit ihrem Sturmlaufen gegen die„Schranken des Bekenntniſſes,“ wie ſie ſagen und die Ordnungen der Kirche oder mit ihren„Ueberſetzungen aus dem Semitiſchen ins Japhetitiſche“ um die ſchrankenloſe allgemeine Ausbreitung des Reiches Gottes über die ganze Welt zu thun. Laßet euch nicht verführen; es ſind die Feinde eueres Lebens, die darauf ausgehen, euch mit ihrem falſchen Licht in die grundloſen Sümpfe des Unglückes zu verlocken. Gebt ihr ihnen Gehör, den Lügenſtimmen der Abtrünnigen von außen, wie den falſchen Vorſpiegelungen des unbekehrten ſündigen Menſchenherzens, laßt ihr euch in ihre centrifugalen Bahnen mit hineinziehen und durch ihre gottent⸗ fremdeten Agitationen euch die Sinne verwirren: ſo zerſtört ihr euch ſelbſt und bereitet euern Untergang. Es wird ſich in der Zukunft, wenn erſt die letzten Reſte des aus dem Vaterhauſe mitgenommenen Ver⸗ mögens aufgezehrt ſind, immer beſtimmter herausſtellen, daß alle, die von ihrem Chriſtenberuf abgefallen ſind, auf die Dauer nicht einmal ihr irdiſches Leben zu behaupten vermögen: es werden mit dem Glauben die geiſtigen Kräfte überhaupt ſchwinden; es wird die Energie wie die Ausdauer des Denkens, die Con— centration der Gedanken, wie die ernſte Geiſtesanſtrengung allmählich erlöſchen. Und nun gar auf dem


