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2 (1871)
Entstehung
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ſchlagen wir einen Weg ein, der falls keine Umkehr erfolgt, notwendig zum Verderben führen muß. Nicht allein, daß wir allmählich in ein wüſtes Gedankenchnos gerathen, gewöhnlich Indifferentismus genannt, und es am Ende für völlig gleichgültig erachten, ob Chriſt oder Jude, ob Muhamedaner oder Heide, ſondern, was noch ſchlimmer iſt, wir ſchneiden ſelbſt die Adern durch, die uns aus der nie verſiegenden Quelle immer neue Lebenskräfte zuzuführen beſtimmt ſind und machen uns ſo ſelbſt zu verdorrenden, abſterbenden Zweigen, die keine Frucht mehr bringen können.

Solches geſchieht aber unfehlbar auch dann, wenn wir uns von der Offenbarungs⸗ ſtätte trennen, in der allein Gottes Ehre wohnt und das Heil der Seele einzig zu ſinden iſt; wenn wir die Verkündigung Seines Wortes nicht mehr hören und von dem Zeugnis Seiner Gnade uns abwenden; wenn das Gebet in unſeren Herzen und der Geſang auf unſeren Lippen ver⸗ ſtummt; wenn wir den Weg zum Altar und dem heiligen Sakramente nicht mehr finden oder nicht mehr gehen mögen. An etwas muß es hangen, das arme Menſchenherz, entweder an dem lebendigen Gott und Seinem Heiligtum oder an dem Fürſten dieſer Welt und was ihm dient; er muß ſich anſchließen entweder an das unvergängliche Gotteswort und die ewige Warheit von oben oder an die vorüber⸗ gehenden Zeitmeinungen und die Trugſchlüße irrender Geiſter, an die Weisheit von unten; nach einem muß es trachten, entweder nach dem Reiche Gottes und ſeiner Gerechtigkeit oder nach den irdiſchen Gütern dieſer Welt und ihrer Luſt; auf eins muß des Menſchen Seele bauen, entweder auf den Fels der Vergebung der Sünden und des Friedens in Gott eder auf den Triebſand der eigenen Gerechtigkeit und den bodenloſen Grund des falſchen Selbſtvertrauens; für ein Ziel muß er wirken, entweder für den ewigen Tod oder das ewige Leben. Nach der einen oder nach der andern Seite werden die Scheidungen ſich vollziehen, je länger, je mehr: für oder wider Chriſtus. Links die ſelbſteigene Vergötterung des natürlichen Menſchengeiſtes und ſein Cultus, rechts die demütige Beugung unter den, dem Gott einen Namen gegeben hat, der über alle Namen iſt; links der Zug zu den von Menſchenwitz und Menſchentrotz gegrabenen durchlöcherten Behältern, die doch kein Waßer geben, rechts das freudige Schöpfen aus dem Brunnen des Waßers, das in das ewige Leben quillt; links den Blick nach unten auf das, was irdiſch iſt gerichtet, rechts mit dem Auge hinaufgeſchaut nach den lichten Höhen und den hellen Straßen der ewigen Gottesſtadt, nach dem neuen Himmel und der neuen Erde.

Daß wir nun offenbar aus unſerem Chriſtenberuf herab in die bodenloſe Tiefe ſinken, wenn wir der oben bezeichneten Linken angehören, alſo in den Reihen derer ſtehen, die Läugnung des dreieinigen Gottes und der Ewigkeit, die Verwerfung der Offenbarung und der chriſtlichen Kirche wie ihrer Gnaden⸗ güter auf ihre Fahne ſchreiben, das wird doch wol Niemand beſtreiten wollen; väumen dieß doch alle, die ſo ſtehen, ſo zu ſagen ipso facto ein. Aber auch dann werden wir den höheren chriſtlichen Standpunkt unmöglich behaupten können, wenn wir auf beiden Seiten hinken, mit anderen Worten, wenn wir in thörichter Verblendung und eitler Menſchenfurcht Welt⸗ und Zeitgeiſt, modernes Bewußtſein und ver⸗ meintliche Aufklärung mit der ewigen Warheit dergeſtaltvermitteln wollen, daß der Zeitgeiſt über den heiligen Geiſt herſchen, Gottes Wort nach dem Weltbewußtſein corrigiert oder nach Befinden ganz beſeitigt, Gottes und ſeiner heiligen Kirche Ordnungen nach antichriſtlichen und antievangeliſchenPrin⸗