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2 (1871)
Entstehung
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gleichſtellten, war ihr Fall auch um ſo tiefer, gerade wie auch jetzt ein abgefallener Chriſt begreiflicher Weiſe weit unter das Niveau des Heiden ſinkt.

Auf dieſe Gefahr des Herabſinkens aus unſerem Chriſtenberuf möchte ich Euch in dem gegenwärtigen Augenblicke, wo ich zum letzten Male von dieſer Stätte zu Euch rede, mit ein paar Worten aufmerkſam machen, zur Warnung und zur Mahnung, wie zu einem Zeugnis, das Gott an Euch ſegnen möge.

Daß große Maſſen, ja ganze Schichten unſeres Volkes mitten im Abfall von Gott dem Herrn und Seinem heiligen Evangelium, von dem Glauben an den lebendigen Gott und an den, den er geſandt hat ſtehen, wird kein Vernünftiger mehr in Abrede ſtellen können. Sie ſagen es ja ſelbſt laut und un⸗ verholen, die Feinde des Kreuzes Chriſti und deren Zahl iſt Legion das Chriſtentum habe ſich überlebt, es müße eine andere Religion, ein anderer Cultus an ſeine Stelle treten, der Cultus der freien Menſchheit, wie ſie die zügelloſe Fleiſchesluſt und den rohen Materialismus zu nennen belieben. Neu iſt das nun zwar allerdings nicht: das Kreuz Chriſti war ja von Anfang an den Juden und Judengenoßen eine Thorheit und den Griechen ein Aergernis. Von allen den unzäligen, bald offenen, bald heimlichen Angriffen, die auf die Offenbarung des lebendigen Gottes, auf die Kirche und ihr Haupt gemacht werden, iſt auch nicht ein einziger, der nicht ſchon wiederholt in der Geſchichte vorgekommen wäre, von den Niko⸗ laiten bis auf David Strauß und deſſen kläglichen Abklatſch, den neueſten franzöſiſchen Schwätzer herab, die doch im Grunde genommen auch wieder nichts weiter, als armſelige Nachtreter der engliſchen Deiſten und Freidenker, wie der franzöſiſchen Encyklopädiſten und Gottesleugner im 17. und 18. Jahrhundert, der Tindals und Tollands, der Bayles und Montesquieus, der Rouſſeaus und Voltaires ſind. Zu verwun⸗ dern brauchen wir uns alſo über dieſe unleugbaren Thatſachen der Feindſchaft wider das Evangelium, des tiefen Widerwillens, ja des bittern Haßes gegen alles, was chriſtlich heißt, durchaus nicht; aber bedenklich (um vorerſt nicht mehr zu ſagen) höchſt bedenklich bleibt die traurige Erſcheinung darum doch. Natürlich nicht in dem Sinne, daß auch nur die leiſeſte Spur des Zweifels an die unvergängliche Herlichkeit der Kirche Chriſti und ſeines ewigen Reiches in uns aufkäme; nicht in dem Sinn, daß wir auch nur im ent⸗ fernteſten von dem Irrwahn uns berühren ließen, als könne das Chriſtentum etwa, wie ein anderer menſchlicher Standpunkt jemals überwunden werden, und von der ewigen Wahrheit, die aus Gott iſt, auch nur ein Atom zu Boden fallen; nein, Himmel und Erde werden vergehen, aber Chriſti Worte vergehen nicht, und wie auch die Waßerwogen brauſen, der Herr iſt noch größer in der Höhe und an dieſem Felſen wird ſich die ohnmächtige Wut ſeiner Feinde brechen, alſo daß ſie ſelbſt ſamt ihrem zer⸗- brechlichen Holzwerk an ihm zerſchellen. Darum die unerſchütterliche Siegeszuverſicht zu der Sache des Herrn und Seiner heiligen Kirche die darf durch jene Wahrnehmung weitverbreiteten Abfalls in keiner Weiſe wankend gemacht werden. Und doch will einem das Herz bluten, wenn man dieſen Unglauben, dieſe Verachtung alles Heiligen, den widerchriſtlichen und widerkirchlichen Sinn ſich immer weiter aus⸗ breiten ſieht. Denn was war es doch, das denſelben heiligen Apoſtel, deſſen Name wir vorhin genannt haben, mit ſo tiefem Schmerz um ſein Volk erfüllte, daß er ſogar den Wunſch ausſprach, für ſeine Brüder, wenn es möglich wäre, ſie dadurch zu retten, das Verdam mungsurteil des gerechten Gottes von

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