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Iſt das Auge helle gemacht an dem Angeſicht voller Gnade und Wahrheit, dann iſt es auch weiter im Stande, den warhaftigen Heldengeiſtern in der Geſchichte des Menſchengeſchlechts ins Angeſicht zu ſehen, von den Apoſteln und apoſtoliſchen Vätern bis auf den Heldenjüngling in der Kirchenverſamm⸗ lung zu Nicäa und von da bis auf den gottesfreudigen Auguſtinermönch in der Reichsverſammlung zu Worms und auf die, die der Herr noch nach ihm zu Seinen Zeugen erweckt hat. Noch mehr, das Auge, das alſo ſehen gelernt hat, es ſieht auch die Flammenſchrift des lebendigen Gottes in der Geſchichte, das Mene Tekel über allen, die ſeines heiligen Namens und ſeiner heiligen Ordnungen ſpotten, wie Seine Rettungsthaten, das Morgenrot nach finſterer Sturmesnacht, bis dahin, wo kein Tod mehr ſein wird, noch Geſchrei, kein Leid und keine Thränen, ſondern ein neuer Himmel und eine neue Erde, auf der Ge⸗ rechtigkeit wohnt.
Und zuletzt noch eins— bei dem ich Euch gegenüber, meine lieben jungen Freunde, nicht vorüber⸗ gehen darf. Iſt dieſer geiſtliche Geſichtsſinn in Euch geweckt und geübt, ſo lernt Ihr auch des Herrn, Eures treuen Heilands Hand in Euerem eigenen Leben ſehen; alſo, daß Ihr die Abgründe gewahr werdet, in die uns die Sünde hinabzieht und daneben die lichten Gottespfade, die in das ewige Leben führen. O daß Ihr in Eurem ganzen Leben dieſen rechten geiſtlichen Geſichtsſinn, daß ihr überall offene Augen be⸗ hieltet, zu ſehen, was für Chriſtus und Sein Reich und was wider ihn iſt; daß Ihr nie— das iſt mein herzlicher Wunſch zum Abſchied— daß Ihr nie die Hand und das Angeſicht deſſen aus dem Auge verlieren möchtet, der Euch je und je geliebt; daß Seine Hand und Sein leuchtend Angeſicht Euch durch die dunkelen Thale des Lebens ſicher hindurch geleite, ja auch durch das dunkelſte Thal und durch die tiefſte Nacht, wenn Euer natürliches Auge nichts mehr ſieht, nach den unvergänglichen Friedensſtätten des ewigen, ſeligen Lebens.
III.
Aeber die Gefaßr des Herabſinſens aus unſerem Chriſtenberuf.
Anter den mannigfachen Vorzügen, die man dem deutſchen Volke vor allen andern Völkern der Erde beizulegen pflegt, wird bekanntlich ganz beſonders die Fähigkeit deſſelben gerühmt, ſich Geiſt und Weſen fremder Nationen mit der gröſten Leichtigkeit anzueignen. Nicht allein, daß dem Deutſchen das Verſtändnis der charakteriſtiſchen Eigentüutlichkeiten eines Volkes oder Volksſtammes verhältnismäßig leicht fällt,— er weiß die Merkmale, die den Slaven oder Celten vom Germanen, den Ruſſen vom Franzoſen und Briten und den übrigen Völkerſchaften unterſcheiden, im Allgemeinen raſch und ſicher zu


