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es millionenmal weiter reichte als Herſchels und⸗Roſſes Fernröhre; das hätte dem großen Aſtronomen Lalande jedes einigermaßen verſtändige Kind aus der erſten beſten Dorfſchule vorausſagen können. Und dennoch haben wir ein Recht, von einer Uebung und Pflege des geiſtlichen Geſichtsſinnes auch in unſeren Gelehrtenſchulen zu reden; haben in Folge deſſen auch die Pflicht, ſeviel an uns iſt, uns dieſer Pflege ſelbſt zu unterziehen.
Es wird Niemand beſtreiten können, daß unſeres Geiſtes Auge für das Licht der Offenbarung empfänglich gemacht werden kann; denn das iſt die Art der Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes, nicht daß er die menſchliche Geiſtesthätigkeit zerſtöre, ſondern daß er ſie mit neuem Lebenslicht und neuer Lebenskraft erfüllt und verklärt. Noch weniger aber wird ſich zweitens in Abrede ſtellen laßen, daß der geiſtliche Ge⸗ ſichtsſinn ſelbſt, wenn er nun durch Gottes ſchöpferiſches Wort in uns ins Daſein gerufen iſt, dann auch durch die rechten Mittel geſtärkt und gekräftigt werden kann. Und in dieſen beiden Stücken beſteht nun eben die rechte Uebung und Pflege des geiſtlichen Geſichtsſinnes, in der vorbereitenden und vollendenden Thätigkeit.
Zu dem geiſtlichen Sehen gehört aber vor allem ein reines Auge, deſſen Netzhaut nicht durch die verdunkelnden und zerſtörenden Flecken der Sünde getrübt iſt. Durch nichts wird daher der Fähigkeit des geiſtlichen Sehens mehr geſchadet, als durch die Augenluſt. Das ſündige Wol⸗ gefallen nicht bloß an üppigen, die Sinnenluſt reizenden Bildern, ſondern überhaupt an dem bloßen äußeren Schein, dem nichtigen Glanz der Außenwelt oder an den Luftgeſtalten bloßer Vor⸗ ſtellungen, wie an den Lügengebilden der Selbſtſucht,— alles dieß trübt das Auge dergeſtalt, daß ſich geiſtliche Dinge in ihm entweder gar nicht mehr oder nur in nebelhafter und verſchwimmender, in verwiſchter und unreiner Weiſe abſpiegeln. Es wird alſo vor allem dieſer gefährliche Feind des geiſtlichen Geſichts⸗ ſinnes ernſtlich und anhaltend zu bekämpfen ſein. Wenn du dein Auge nicht daran gewöhnſt, von den unreinen und häßlichen Bildern außer dir und in dir ſich wegzuwenden, ſondern vielmehr die eitle, nichtige Luſt am weſenloſen Scheine in dir noch nährſt und pflegſt, wie wäre es da möglich, daß von dem Licht⸗ glanz der Kirche des Herrn, von der goldenen Krone auf ihrem Haupte und den zwölf Sternen in ihr auch nur ein leiſer Schimmer in deine Augen fiele? Die Schöpfungsthaten des lebendigen Gottes, die Wunder des Herrn und ſeiner Apoſtel können fremdes Licht ebenſowenig vertragen, wie Gottes Altäre fremdes Feuer,— ſie haben ihr eigenes Licht und wollen in dieſem Lichte geſehen ſein. Wo ſich aber das Auge an das falſche Licht gewöhnt hat, da werden die Nebelſchichten dieſes weſenloſen Schimmers zu einer undurchdringlichen Hülle, die uns die wahre Geſtalt der göttlichen Dinge nicht ſehen läßt.
Zum geiſtlichen Sehen gehört aber nicht nur ein reines und keuſches, ſondern auch ein ſcharfes Auge, das heißt ein Auge, das nicht allein alles, was göttlich iſt von dem, was menſchlich iſt, mit Sicher⸗ heit von einander zu unterſcheiden weiß, ſondern auch die Grenz⸗ und Markſteine ſieht, die das eine Ge⸗ biet der Offenbarung von dem anderen trennen, und die verſchiedenen Stufen in dem Entwicklungsgang des Reiches Gottes auf Erden in ihrem Unterſchied und in ihrer Verhältnis zu einander erkennt. Ich brauche hier zunächſt nur an die großen, mächtigen Gegenſätze zu erinnern, die auf dem Gebiete der Offenbarung vor unſere Augen treten: an Geſetz und Evangelium, Verheißung und Erfüllung, Natur


