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2 (1871)
Entstehung
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ſeiner allgegenwärtigen Kraft fortwirkt durch alle Jahrhunderte und Jahrtauſende, zu verkündigen das Lob⸗ deſſen, den aller Himmel Himmel nicht umfaßen können.

Oder wenden wir uns von der Schöpfung zu der Geſchichte des geſamten Menſchengeſchlechts: wo der geiſtliche Geſichtsſinn vorhanden iſt, da wird nicht nur, wenn ich ſo ſagen darf, der univerſal⸗ hiſtoriſche, ſondern auch der ethiſche Blick in die Geſchichte der Völker geweckt und geſchärft; erkannt wird Verheißung und Erfüllung in ihrer göttlichen Harmonie, Chriſtus als der Mittelpunk der Welt⸗ geſchichte und als ihr Ziel; die Geſchichte des Volkes Gottes im alten Bunde und der Weltreiche vor Seiner Erſcheinung, die Geſchichte Seiner Kirche und der Gang des Evangeliums durch die Heidenwelt bis zum letzten Kampf und bis zum letzten Sieg durch Ihn, den erſten und letzten, dem alle Gewalt ge⸗ geben iſt im Himmel und auf Erden. Und daß wir nicht vergeßen, ein beſonderes Gewicht darauf zu legen: wo der geiſtliche Geſichtsſinn in der rechten Stärke und Klarheit vorhanden iſt, da ſieht er mit geſteigerter Schärfe und Sicherheit die Gerichtsthaten des lebendigen Gottes im Völker⸗ wie im Einzel⸗ leben, und darauf geſtützt bleibt das Auge nicht in der Gegenwart und deren beſonderer Geſtaltung allein befangen, ſondern hält ſich frei an die Reichsordnung Gottes und ihre ewigen Geſetze, in die ihm ein Einblick geſtattet iſt. Ja, wo dieſer geiſtliche Geſichtsſinn die höchſte Stufe der Vollendung erreicht hat, da iſt er weſentlich prophetiſch; er ſieht mit göttlicher Sicherheit und Zuverſicht weit in die Ferne bis zur Vollendung der Geſchichte auf Erden. Als die Seher des alten Bundes Jahrhunderte zuvor mit er⸗ leuchteten Augen den neuen Bund und das neue Zion mit ſeinem ewigen Könige geſehen haben, ſeine Erniedrigung und ſeine Erhöhung, ſeine Leiden und ſeinen Opfertod, ſeine Auferſtehung und feine unver⸗ gängliche Herſchaft; oder als Stephanus mit verklärtem Antlitz voll heiligen Geiſtes den Himmel offen ſah und des Menſchen Sohn zur Rechten Gottes ſtehen; oder als Johannes die Geheimniſſe der Zukunft ſchaute, oder auch als andere Männer Gottes die Kampfes⸗ und Siegeswege der Kirche des Herrn zum voraus erkannten, da hat ſich dieſer mit göttlichem Inhalt erfüllte geiſtliche Geſichtsſinn in ſeiner vollen Herlichkeit offenbart.

Und dieſer geiſtliche Geſichtsſinn höre ich nun fragen dieſer geiſtliche Geſichtsſinn ſoll geübt werden können? Läßt ſich dieſes geiſtliche Sehen überhaupt lehren? Iſt es nicht vielmehr offenbar eine Gabe von oben? Der natürliche Menſch vernimmt nichts vom Geiſte Gottes; alſo muß erſt das Auge von dem Lichte der ewigen Warheit, von dem, der ſelbſt Licht iſt, erleuchtet werden, ehe von einem geiſt⸗ lichen Sehen die Rede ſein kann. Das iſt allerdings vollkommen richtig: den geiſtlichen Geſichtsſinn durch menſchliche Kräfte hervorrufen, erzeugen oder lebendig machen zu wollen, wäre mehr als Thorheit, es wäre Vermeßenheit. Aus dem natürlichen Verſtandeslicht das geiſtliche Sehvermögen herauszubilden, iſt ganz ebenſo unmöglich, als auf dem wilden Stamm ohne edles Propfreiß gute Früchte zu ziehen. Keine menſchliche Macht noch Weisheit der Erde war im Stande, dem großen Heidenapoſtel die Augen auf⸗ zuthun für des Herrn Herlichkeit und ſeine Thaten. Das konnte nur das Licht, das heller als der Sonne Licht ihn am hellen Mittag umleuchtete auf dem Wege nach Damaskus, gerade als das natürliche Licht ſeiner Augen allein auf die Zerſtörung der Gemeinde der Heiligen gerichtet war und ihren Untergang mit völliger Gewisheit vorauszuſehen glaubte. In die Seligkeitswelt dringt kein Teleſkop und wenn

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