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2 (1871)
Entstehung
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bald werdet Ihr in eine Welt hinaustreten, in der bei jedem Schritt, den Ihr zu thun habt, die unerlaß⸗ liche Forderung an Euch herantritt, die Augen aufzuthun. Das könnt Ihr aber nur dann, nur dann recht, wenn Ihr geübt ſeid, das rechte Licht und im rechten Lichte zu ſehen.

Soviel wird nun ſchon aus dem bisher angedeuteten zur Genüge hervorgehen, daß hier nicht von jeder Uebung des geiſtigen Geſichtsſinnes überhaupt die Rede ſein ſoll. Es gibt um den Unterſchied, den ich hier im Auge habe, mit ein paar Worten zu bezeichnen einen pſychiſchen und einen pneuma⸗ tiſchen Geſichtsſinn, ein natürliches und ein geiſtliches Sehen. Jener, der pſychiſche oder natürlich⸗ geiſtige Geſichtsſinn iſt nur auf die Dinge dieſer Welt als ſolche gerichtet, ohne auf ihren Zuſammenhang mit der höheren Welt und der Ewigkeit zu achten. Von einem Hineinragen der höheren Seligkeitswelt in dieſes unſer Daſein auf Erden wird das dafür ſtumpfe Auge nichts gewahr; es hält ſich lediglich an die irdiſche Erſcheinung, ſowol im Daſeinsgebiet des unperſönlichen, als im Leben der perſönlichen Creatur. Auf allen Gebieten menſchlicher Geiſtesthätigkeit, wohin auch nur das natürliche Geiſtesauge blicken mag, überall ſieht es nur die irdiſche menſchliche Seite, nur die beſondere Deſeinsform und ihre Entfaltung in ihrer zeitlichen, vorübergehenden Geſtalt, ohne daß die Spuren einer höheren Schöpfermacht, die Weis⸗ heit einer höheren weltregierenden Hand jemals in ſeinen Geſichtskreis fielen. Er iſt in jedem Momente ſeiner Betrachtung eigentlich und ſtreng genommen, nur auf die jedesmalige Gegen wart der Erſcheinnng gerichtet, die ihm gerade vorliegt. Von dieſem natürlich⸗geiſtigen Geſichtsſinn ſoll hier nicht die Rede ſein; und kann ich mich daher einer weiteren beſonderen Darlegung ſeines Weſens füglich enthalten. Wir haben es hier zunächſt nur mit dem pneumatiſchen oder geiſtlichen Geſichtsſinn zu thun. Man würde aber ſehr irre gehen, wenn man aus dem eben geſchilderten Gegenſatze gegen den natürlich⸗ geiſtigen Geſichtsſinn den Schluß zöge, dieſer geiſtliche Geſichtsſinn, über die Erde und die irdiſche Er⸗ ſcheinung erhaben, berühre die Lage dieſer Welt ſo wenig, daß er vielmehr ſtets in höheren Regionen, in einer fernen Welt ver Ideen ſchwebe. O nein, ſind doch ſelbſt bei Plato die irdiſchen Dinge wenigſtens Abbilder der Ideen, alſo daß ſich die Liebe zu den ewigen Urbildern in ibrer unvergänglichen Schönheit und das Verlangen, dieſe ſelbſt zu ſehen, an dieſen vergänglichen Abbildern auf Erden erſt entzünden muß. Der geiſtliche Geſichtsſinn, von dem wir reden, iſt warhaftig nicht auf eine ſelbſtgemachte Phan⸗ taſiewelt, ſondern auf dieſe unſere Erde und auf das Menſchenleben gerichtet; aber freilich ſo, daß das Auge durch die geſchaffene Welt, die Creatur, zu dem hindurchdringt, der Himmel und Erde geſchaffen hat und alles trägt mit Seinem lebendigen Wort; ja ſo, daß das Auge die Wunder des Allmächtigen, der da iſt und der da war und der da ſein wird, die Wunder der Schöpfung, der Erlöſung und der Heiligung zu ſehen bereitet wird. Dabei iſt dieſer geiſtliche Geſichtsſinn ethiſcher, wie prophetiſcher Natur: er ſieht in der Geſchichte der Völkerwelt, wie in dem Leben der Stämme und der einzelnen Perſonen die Fügun⸗ gen des lebendigen Gottes, ſeine Gerechtigkeit und ſeine Gerichte, ſieht über die Grenzen der Zeit hinaus in die Ewigkeit nach dem neuen Himmel und der neuen Erde, auf welcher die Sonne der Gerechtigkeit leuchtet in Ewigkeit. Wo dieſer geiſtliche Geſichtsſinn in der rechten Lebendigkeit vorhanden iſt, da dringt er durch die Erſcheinung in die Tiefe, in das Geheimnis, das darin beſteht, daß daſſelbe Schöpferwort, das im Anfang geredet wurde, von dem erſten: es werde Licht(und es ward Licht) bis zu dem letzten mit