Druckschrift 
2 (1871)
Entstehung
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Widerwille gegen anhaltendes, anſtrengendes Studieren, ſind nicht Blaſierheit und Indolenz, ſchlaffes ſich gehen laßen(um hier nicht den üblichen, allerdings ſehr bezeichnenden Ausdruck zu gebrauchen) und zunehmender Stumpfſinn die Früchte, die auf jenem Baume wachſen Früchte, durch deren fortwährenden Genuß eine Generation heranwachſen würde, die am Ende das bekannte Wort des römiſchen Imperators über ſich ergehen laßen müßte: o homines ad servitutem paratissimos. Und zu dieſer geiſttödtenden Genußſucht geſellt ſich noch ein anderer ihr nahe verwandter Feind, deſſen wir vorhin ſchon im Vor⸗ beigehen gedacht haben, ich meine das weit verbreitete, in gewiſſen Gebieten in erſchreckender Weiſe über⸗ handnehmende Widerſtreben gegen Zucht und Ordnung. Zucht iſt wie wir gleichfalls vorher ſchon ausſprachen dem einzelnen Menſchen und größeren Geſamtheiten ſo notwendig und auch ſo heilſam, wie täglich Waſchen mit friſchem Waßer und wie friſche Luft. Wem es daher widerſtrebt, ſowol an ſich ſelbſt, nach Leib, Seele und Geiſt eine gründliche, geſunde Zucht zu üben, als auch ſich fremder Zucht willig unterzuordnen und ihren Einwirkungen Raum zu geben, wer alſo an innerer und äußerer Schranken⸗ loſigkeit und Zügelloſigkeit ſein Gefallen hat, bei dem wird, wenn er auf dieſem Wege der Zuchtloſigkeit verharrt, auch jeder verhältnismäßig noch geſunde Lebenskeim unter den Diſteln und Dornen ſeines ungezogenen Eigenwillens unfehlbar zu Grunde gehen.

Alſo das ſteht feſt: an rechte Energie des Denkens und Willens iſt ohne den entſchiedenen Kampf gegen ihre eben erwähnten Feinde nicht zu denken. Aber ebenſo feſt ſteht auch wieder das andere: wir können dieſen Kampf weder mit dem rechten Ernſte aufnehmen, noch auch mit der erforderlichen Ausdauer ſiegreich durchführen, wenn wir nicht die Stärkung dazu täglich aus den rechten Lebensquellen ſchöpfen. Gerade hier tritt das Wort unſeres Herrn und Heilands wieder in ſeiner ewigen Warheit mit beſon⸗ derer Lebendigkeit vor unſere Seele: ohne mich könnt ihr nichts thun. Darum iſt auch hier das erſte und letzte: zu Ihm aufſchauen, dem Anfänger und Vollender unſeres Glaubens, der wenn ich ſo ſagen darf mit der höchſten göttlichen Energie ſeiner barmherzigen Liebe, die ſtärker iſt als der Tod, den ewigen Ratſchluß unſerer Erlöſung ſiegreich vollbracht hat; ja es iſt das erſte und letzte, vor ſeinem Gnadenthron erſcheinen und im unerſchütterlichen Vertrauen auf ſeine Verheißung,ſo ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, ſo wird er es euch geben Ihn anrufen, daß Sein Licht in uns leuchte, Seine Kraft in uns mächtig werde. Wenn dann von Ihm, dem Fürſten des Lebens, uns das Auge aufgethan und unſeres Herzens Wille, wie einſt Abrahams Wille, auf den rechten Weg gerichtet wird, dann treten alsbald auch die anderen Zeugen des Lebens, das aus Gott iſt, ſo lebendig vor uns hin, daß an ihrem Vorbild nun auch unſere Energie des Denkens und Willens ſich entzünden und erſtarken kann. Der Lichtglanz, mit dem uns das höchſte Ziel fort und fort entgegenleuchtet, verbreitet ſeinen hellen Schein auch auf die andern wahren Ziele unſeres Lebens, alſo daß wir alle unſere Kräfte anſtrengen, ſie zu erreichen, und des Berufes eingedenk, den wir zu erfüllen haben, uns weder durch des eigenen Fleiſches Trägheit, noch durch leichtſinnige Verführer und Tagediebe in die Sümpfe der Genuß⸗ ſucht und des Nichtsthuns verlocken laßen.

Darum hebet eure Augen in die Höhe und ſehet auf Ihn den mächtigen König der Ehren⸗ Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden; die Knaben werden müde