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1 (1856)
Entstehung
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Mörder erfüllt ist, die so zu sagen als lebendiges strafendes Gewiszen den Thätern täglich vor Augen tritt(und darum auch die eigentliche treibende Seele des ganzen Stücks ist, das von ihr den Namen führt); Elektra, die nicht müde wird, den anklagenden Jammer immer von neuem in des Vaters Palast vor den Ohren der jetzigen Besitzer zu erheben, ¹) und die unterirdischen Götter, den Fluch selbst und die hehren Erinyen zur Rache des Mordes auf- ruft.*) Aber trotz alle dem bleibt Rlytemnestra mit ihrem verbrecherischen Buhlen völlig sicher, Aegisthos auf Agamemnons Thron, mit dem Rönigsgewand des ermordeten beklei- det,*) und mit der Gattin des erschlagenen verbunden, opfernd am Altar, an dem der heimkehrende Agamemnon getödtet ward; Rlytemnestra ohne Furcht vor der rächenden Erinys, den Tag feiernd, an dem sie den Gatten ermordet, mit Reigentänzen und Dank- opfern für die erwünschte Rettung. Die Regungen des Gewiszens, wo sie einmal aufsteigen in dem betäubten Herzenwerden durch die rechtfertigenden Gedanken beschwichtigt,) dasz sie recht gethan, und um das geschehene sich nicht zu betrüben brauche. Und als sie nun gar die trügerische Runde von Orestes Tod erhalten, steht dem zukünftigen, ungetrübten Glück nichts mehr im Wege. Da aber gerade zieht sich das dunkele Wetter über ihrem IIaupte zum Todesschlag zusammen. In dem Moment, wo Rlytemnestra das Haus von Mördern erfüllt sieht,-) wird sie auch erbarmungslos zu Boden geschlagen;) und ebenso bittet Aegisthos bei der schrecklichen Ueberraschung vergebens um die Vergünstigung, zu Orestes nur ein Wort noch zu reden;) ohne Zögern musz er in Todesangst und zitternden Schrittes zu der Mordstätte des Agamemnon folgen, die nun in gerechter Vergeltung zu seiner eigenen Richtstätte wird.

Bei der Sophokleischen Darstellung des Fluchs, der auf der Sündenthat lastet, ist jedoch noch eins zu beachten. Das starke Bewusztsein von der Schwere dieses Fluchs ist bei Sophokles(wie in noch höherem Masze bei dem groszen Meister, der ihm vorangieng, Aeschylos) getragen von der Erkenntnis des Fluches, der ein ganzes Geschlecht erfaszt und nicht eher abläszt, bis er seine dämonische Macht auch an dem letzten Gliede des Hauses ausgeübt hat. In dieser Beziehung ist es bekanntlich des Dichters Antigone, die uns ein solches unaufhaltsames Fortwirken des Fluches bis an das äuszerste Ende vor die Seele führt.

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1) Electr. 109.

2) Electr. 112. Vgl. 209. 779. 5) Electr. 267

4) Electr. 315 ff.

3) Eleetr. 1405.

6) Electr. 1411.

7) Electr. 1482.