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1 (1856)
Entstehung
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deiner Gastfreundschaft beschwör ich dich, wolle nicht die unaussprechlichen ¹) Thaten auf- gedeckt haben, und als sich auch dieszmal der Chor nicht beschwichtigen läszt, und das nimmer aufhörende Leid näher zu vernehmen begehrt, erhebt sich der innere Rampf aufs

neue; die innersten Saiten seines schuldbeladenen Herzens erbeben, und so oft ihn auch das Bewusztsein beruhigen will,es sind ja mehr Leiden, als Thaten, die dir begegnet, du hast nur getragen, was dich getroffen, unfreiwillig und ohne Wiszen bist du hineingeraten die dεενινα᷑ kærœ der Mutter ist Tod für ihn zu hören,*) und die Thatsache der Geburt jener fluchbeladenen Rinder und Schwestern zugleich, aus der Mutter, die auch die Gattin ist, hat von ihren Schrecken an sich eben so wenig verloren, als der Vatermord. An die alte Wande, die er fort und fort an Leib und Seele mit sich herumträgt,) hat sich der Rranke am Ende so ziemlich gewöhat; wo aber der Chor mit seinen einschneidenden Fragen die wehe Stelle trifft, da wachen die alten Schmerzen wieder auf, freilich um bald wieder durch den Trostgedanken, dasz der dlαντοs G*0⁴) in all das Unglück unfreiwillig gekom- men, auf eine Zeit lang wenigstens zum Schweigen gebracht zu werden. Denn in diese Selbstrechtfertigung gehen allerdings auch diese unmittelbaren Ausbrüche des alten Wehes allemal über; es sollen die brauszenden Fluten, die eben mit unwiderstehlicher Gewalt den künstlichen Damm durchbrochen haben, wieder ruhig in die alten Schranken zurückgedrängt werden, und dieses Bestreben und damit der erwähnte Charakter der Reflexion wächst im Verlaufe des Stückes noch mehr.

Das ist im Rönig Oedipus, wie wir gesehen haben, ganz anders. Nicht nur, dasz wiederholt die volle Congruenz der Strafe mit den Vergehen auf das bestimm- teste ausgesprochen wird; nirgends findet sich auch, wie gesagt, eine Spur davon, durch Reflexion über den Grad der Selbstverschuldung den fluchwürdigen Character der Missethaten abzuschwächen. Ja die Grösze des Sophokleischen Oedipus Tyrannos besteht eben zu nicht geringem Theile darin, dasz der unversöhnliche Gegensatz der heiligen Gesetze der sittlichen Weltordnung und des menschlichen Frevels in seiner ganzen Stärke zur Darstellung kommt. Dort oben in des Aethers Höhen, weit über die Erde er- haben, die reinen heiligen Gesetze, die nicht der Menschen sterblich Wesen erzeugt hat, hier unten auf der Erde Tiefen des Menschen Missethat; dort oben der Lichtglanz der

unvergänglichen, allgültigen Satzungen, hier unten die finsteren Todesschatten der mensch-

1) So ist wol an dieser Stelle(Oed. Col. 316) zu lesen: o GAνααοι statt αε⁶νν.

2) Oed. Col. 327 fl. 10η 66 9ev, dis dxod, 0uνιια 2εέαιςον ε,ταμα fragt der Chor, und Oedipus antwortet: 10 eόηιαιοσ 1εν½ τ⁴, αἀοdειν.

3) Oed. Col. 1243 ff. Jeιπα εννανμαονe drτ 2ονεοιυασυ( ν-) μ5ᷣ ονσαα.

4) Oed. Col. 1482.