Druckschrift 
1 (1856)
Entstehung
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mit einander vermischte und aus dem einen in das andere hinübertrüge, was vielmehr von einander geschieden pleiben musz. Wo aber gerade die festen Marksteine aufge- richtet werden, durch welche die genannten Gebicete von einander getrennt sind, wie da die objektive Auffaszung des Altertums durch den Gegensatz der Offenbarung gefährdet werden könne, ist in der That nicht einzuschen. Mannigfach gefehlt kann allerdings im einzelnen werden wer möchte das zu leugnen wagen aber dennoch halten wir es für unumstösz- lich gewis, eine gerechte und warhaftige Würdigung auch des klassischen Altertums im groszen und ganzen, wie in seinen einzelnen Erscheinungen ist im Grunde doch nur da mög- lich, wo die Erkenntnis der göttlichen Warheit selbst, also der höchste Maszstab vor- handen ist, an dem auch das Leben auszerhalb des Offenbarungskreiszes gemeszen werden soll. Mit aller Treue zu forschen und zu prüfen, sorgfältig zu untersuchen, wie dieses auszergöttliche Leben in allen seinen Gestaltungen beschaffen war, dazu wird das Auge, das dem Gnadenlicht des göttlichen Wortes geöffnet ist, die Rraft nicht nur nicht verlieren, sondern im Gegenteil es wird nur um so eifriger und schärfer bis in die entferntesten und kleinsten Gestaltungen der antiken Welt hincinzuschauen trachten, je lebendiger es hier die Zeugnisse davon zu sehen begehrt, wie weit eben dieses vorchristliche Heidentum überall auf seinen eigenen vielverschlungenen Wegen und durch seine eigene Rraft gekommen ist. Und wenn dann dasselbe Auge sieht, was der Welt des klassischen Altertums bei all ihrer im vollsten Masze anerkannten Grösze dennoch fehlte, was ihr verborgen war oder was sie nur peschränkter Weise in unvollkommneren Anfängen und Trümmern, oder in entstellter und verkehrter Bildung an sich trug, so wird eben diese W9arnehmung an ihrem Theil nur dazu beitragen müszen, das antike hellenische wie römische Leben nach allen seinen mannigfalti-

gen Beziehungen in seiner wirklichen Gestalt zu verstehen und so auch hier der Warheit die

Ehre zu geben.