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Hierauf wandte sich Herr Oberschulrat Dr. Krüger an den Leiter und die Lehrer der neu- begründeten Anstalt, um dieselben in herzlicher Rede zu bewillkommnen und zugleich in ihre neue Stellung im Namen der Herzoglichen Regierung einzuweihen.
Nachdem der dritte Vers des Chorals verklungen, bestieg der Berichterstatter das Katheder, um zunächst zu danken Sr. Excellenz dem Herrn Minister, Sr. Excellenz dem Herrn Präsidenten Oelze und der Hohen Oberschulbehörde für ihr Erscheinen bei der Eröffnungsfeier, desgleichen den Vertretern der Stadt und der Schulen, nicht zum wenigsten der Bauverwaltung, welche diese hellen und freundlichen Räume geschaffen. Insbesondere aber sprach er der hohen vorgesetzten Behörde seinen innigen Dank aus für das ihm bewiesene ehrenvolle Vertrauen zugleich mit dem GeJöbnis, nach besten Kräften die Pflichten seines verantwortungsreichen Amtes erfüllen zu wollen.
Aus der Rede, welche darauf der Berichterstatter hielt, möge der über die besonderen Ziele der Höheren Bürgerschule handelnde Abschnitt hier zum Abdrucke gelangen.
».... Durch den Religionsunterricht soll dem Schüler ein solches Mass von Wissen vermittelt werden, dass er bekannt wird mit dem Hauptinhalte der Heiligen Schrift, insbesondere des Neuen Testamentes, mit der Reformationsgeschichte und den Hauptlehren seiner Konfession, um so für religiöse Fragen der Gegenwart das rechte Verständnis zu gewinnen. Es wäre aber um den Religionsunterricht schlecht bestellt, wollte er nur dem Wissen dienen. Herz und Gemüt vielmehr zu ergreifen und zu Gott zu erheben, einen wahrhaft gottesfürchtigen Sinn zu wecken und das Bewusstsein evangelischer Glaubensgemeinschaft in den Schülern wach zu erhalten und zu stärken, wird uns eine heilige Pflicht sein.
Der Unterricht in der Geschichte bringt den Zögling die Bekanntschaft mit den wichtigsten Ereignissen des griechischen und römischen Altertums, von der Geschichte fremder moderner Völker erfährt er so viel, als notwendig ist, um deren weltgeschichtliche Stellung und deren Einfluss auf die Geschichte des eigenen Volkes zu begreifen. Vor allem soll er eine genauere Kenntnis der vaterländischen Geschichte vom Zeitalter der Reformation an erhalten, um sich zu begeistern für alles, was deutscher Mannes- und Wagemut, was echte Vaterlandsliebe und hingebendste Auf- opferungsfreudigkeit zu schaffen imstande ist.
Von dem Schauplatz der Geschichte, der Erdoberfläche, erhält er eine bestimmt umschriebene Kenntnis sowohl nach ihrer natürlichen Beschaffenheit wie ihrer jetzigen politischen Einteilung, unter- richtet wird er insbesondere über Handel und Wandel ihrer Bewohner, vor allem gewinnt er eine eingehendere, für den später mitten im Leben stehenden Mann so notwendige Kenntnis von Mitteleuropa.
Durch die hervorragende Berücksichtigung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer glaubt die Höhere Bürgerschule das Wissen ihrer Zöglinge so weit fördern zu können, wie es im allgemeinen der Industrielle sowohl wie der Kaufmann und der Techniker für weitere erfolgreiche Thätigkeit unbedingt nötig hat.
Im Zusammenhange hiermit ist der Zeichenunterricht uns ein willkommenes Mittel zur Berücksichtigung der Bedürfnisse des technischen Gebietes, zur Übung des Blickes und des Augen- masses, zugleich aber auch ein wichtiges Mittel zur Einführung in das Gebiet der Kunstformen.
Der Unterricht in den fremden Sprachen, dem Französischen und Englischen, will neben der„„allgemeinen Schulung des Geistes““, die er verfolgt, den Zögling dahin bringen, dass er ein gewöhnliches Buch mit einiger Leichtigkeit lesen und verstehen, auch im mündlichen Verkehr sich wenigstens zur Not zu helfen imstande ist.
In den Mittelpunkt endlich des gesamten Lehrplans einer Höheren Bürgerschule wollen einige sehr beachtenswerte Stimmen, folgend dem Zuge der historischen Entwickelung, das Deutsche gestellt wissen. Ist nun auch eine solche Stellung diesem Unterrichtszweige innerhalb des Rahmens unserer Schule rücksichtlich der Anzahl der Stunden nicht eingeräumt, so wird doch immerhin daran


