Druckschrift 
1. Teil (1890) Camoes als Epiker : A. Allgemeiner Teil / Gotthold Menze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

rd

schulen geführt, das Wesen und die Ziele derselben. Es sei mir gestattet, von dem reichen Inhalt der inzwischen veröffentlichten Rede!) dasjenige zum Abdruck hier zu bringen, was sich auf das Wesen der Höheren Bürgerschule bezieht.

Unzweifelhaft das segensreichste Neue.... ist die Errichtung solcher Schulen, welche,

bestimmt zur Aneignung einer höheren bürgerlichen Bildung, in sechsjähriger Lehrdauer vom 9. Lebensjahre der Schüler ab gerechnet unter Ausschluss des altsprachlichen Unterrichts zu

einem bestimmten, nicht auf die Fortsetzung durch weiteren allgemeinen Unterricht hinweisenden Abschlusse führen und den als reif entlassenen Schülern die Erwerbung des Militärzeugnisses vermitteln, d. h. die Errichtung sogenannter lateinloser Höherer Bürgerschulen.*

Diene Anstaltenumfassen in 6 aufsteigenden Klassen 6 Jahrgänge; sie weisen nicht, wie ihre Vorgängerinnen, auf eineVollanstalt* hin, auf welcher ihre Schüler erst den eigentlichen Abschluss ihrer Bildung suchen und finden sollen; denn sie sind selbstVollanstalten. Das Lateinische ist aus ihrem Lehrplane ganz verschwunden. Auf den ursprünglichen, glücklichen Gedanken, aus welchem die Bewegung für die Höhere Bürgerschule einst überhaupt hervorgegangen war, hat man zurückgegriffen: nicht Gelehrte, nicht Beamte sollen auf diesen Schulen vorgebildet werden, sondern sie sollen den Bedürfnissen, den Zwecken des bürgerlichen Lebens dienen, diesen aber auch voll und ganz. Die jetzigen Höheren Bürgerschulen sollen eine abgerundete, in sich abgeschlossene Bildung den Bürgersöhnen gewähren, durch welche dieselben in jeder Beziehung für die mannig- faltigen Lebenswege, insbesondere für die Berufsarbeit auf den Gebieten des Handels, des Gewerbes und der Technik wohl vorbereitet und in den Stand gesetzt sind, rechtzeitig, d. h. in dem passendsten Lebensalter in dieselben einzutreten und die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten unmittelbar zu verwerten. Aberdamit diese Schulen nicht den Charakter von Fachschulen annehmen und den Charakter allgemeiner Bildungsanstalten verlieren, stellen sie sich nicht zu sehr in den Dienst der alltäglichen Wirklichkeit, sondern suchen innerhalb recht sorgsam bemessener Grenzen auch das gesamte Geistesleben der Jugend, das Leben des Verstandes, der Phantasie, des Gemütes und des Willens anzuregen und ideal auszugestalten, hierdurch aber zugleich fortdauernd erziehlich zu wirken,damit der Zögling später nicht nur ein tüchtiger Fachmann, sondern auch ein tüchtiger und guter Mensch und ein ganzer Mann werde, der selbständig denkend und im besten Sinne des Worts produktiv seinem Berufe gerecht werde, auch für seine höheren bürgerlichen Pflichten in Staat und Gesellschaft und für seine religiösen Pflichten innerhalb seiner Kirche ein klares und mit sittlichem Ernst gepaartes Verständnis und die Fähigkeit besonnener Mitarbeit gewinne*,

Der Lehrstoff, welcher diesen Schulen zugewiesen ist, die Lehrziele der einzelnen Klassen, wie das Gesamtziel dieser Schulen sind sorgfältig so abgemessen, dass jeder normal begabte Schüler, der regelmässig seinen Schülerpflichten genügt, in 6 Jahren, also, wenn er(was für die Absolvierung der ganzen Schule innerhalb des gesetzmässigen Zeitraumes stets die meiste Bürgschaft gewährt) mit dem vollendeten 9. Lebensjahre in die unterste Klasse der Schule eintritt, mit dem vollendeten 15. Lebensjahre die ganze Schule vollendet haben und die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienste durch Bestehen einer Entlassungsprüfung erwerben kann.....

Nach Überwindung mancher hier und da zunächst gehegter Vorurteile hat sich die Über- zeugung immer mehr Bahn gebrochen, dass dieHöhere Bürgerschule* wahrhaft einem Zeitbedürfnisse entspricht, ja dass sie mehr als andere der gegenwärtigen höheren Lehranstalten dieSchule der: Zukunft ist 22%

i) Die Lateinlose Höhere Bürgerschule. Rede, zur Eröffnung der Herzoglichen Höheren Bürgerschule zu Cöthen am 30. April 1889 gehalten von Dr. G. Krüger, Herzoglich Anhaltischem Oberschulrat. Cöthen, Paul Schettlers Erben. 6*