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1. Teil (1890) Camoes als Epiker : A. Allgemeiner Teil / Gotthold Menze
Entstehung
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bei der Hand, nach der jeder Verkehr mit. Bewohnern von Samaria als unrein machend galt (VII, 38/39). König Johanns Kraft wächst mit seinem Mute, wie Simsons Stärke durch sein langes Haar(IV, 15). Furcht vermag bis zum Verrat zu führen, wie bei Petrus zur Gottesläugnung(IV, 13). Camöes selbst kommt sich vor, als er nach schwerem Schiffbruch, dem Tode kaum mit Mühe ent- rinnend, nur das nackte leben rettete, wie der jüdische König Ezechias, dem Gott auf sein Flehen (las Leben verlängerte. i

Wenn der verräterische Mohrenlotse Gama durch Vorspiegelungen belügt, handelt er, wie Sinon mit den Phrygiern that; wird das rote Meer erwähut, so dürfen die Juden mit ihrem Durchzug durch dasselbe nicht fehlen; ist vom Maulbeerbaum die Rede, so wird gewiss auf Pyramus und Thisbes Geschick angespielt.

So sehr uns nun auch dieses Auskramen antiquarischer Gelehrsamkeit bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit abstossen mag, so sehr wir tadeln, dass alles mit antiquarischen Brocken geschmückt und ausstaffiert wird, so müssen wir andererseits die Art und Weise der Herbeiziehung, das Wie der Verwendung oft geradezu bewundern; Camöes entwickelt hierin eine wahre Virtuosität, die uns öfters über das Gesuchte und Unnatürliche hinwegzutäuschen versteht. Vor allem bieten natürlich Beispiele und Vergleiche ihm die prächtigste Gelegenheit, sein Talent und seine Gelehr- samkeit zu zeigen.

Nicht vergessen wollen wir jedoch uns daran zu erinnern, dass zu Camöes Zeiten eine der- artige Überladung mit antiquarischem Material aller Art nicht so störend empfunden wurde wie heutzutage. Es gehörte als Schmuck und Reiz der Dichtung und Darstellung notwendig dazu und hatte schon bei der ansgiebigen Verwendung der Göttermaschinerie etwas Selbstverständfiches, das (dem Kolorit des Ganzen nur förderlich und erspriesslich sein konnte.

Das für unsern heutigen Geschmack in Camödes Verfahren liegende Unschöne und Unkünst- lerische wird aber reichlich ersetzt durch die überall zu Tage tretende Meisterschaft des Dichters in Beschreibungen und Schilderungen. Gerade hierin kommen ihm die schon erwähnte Anschaulichkeit und Klarheit, sowohl in Auffassung als Darstellung, so recht zu statten. Was der Dichter auch beschreiben oder schildern mag, alles gelingt ihm zumeist prächtig. Die äussere Erscheinung von Personen, Gemüt und Charakter der Auftretenden, geschichtliche Ereignisse, Kämpfe, Vorgänge im ınenschlichen Leben und in der uns umgebenden Natur, alles versteht er als Kenner und Meister darzustellen, überall stehen ihm dabei treftliche Mittel der Darstellung neben Treue der Auffassung zu Gebote, sodass uns das Geschilderte gleichsam plastisch vor Augen tritt. Gerade darin aber zeigt er sich als Künstler, dass er dabei mit den einfachsten Mitteln auskommt, dass oft wenige charakteristische Striche ihm genügen, um uns das Bild deutlich und lebendig erkennen zu lassen.

Besonders gut gelingen dem Dichter Schilderungen und Beschreibungen von Kampf und Schlacht, von dem Herandrängen der Heeresmassen und dem Getümmel der Schlachtentscheidung.

Unübertrefflich aber ist Camödes, wenn er Erscheinungen und Vorgänge in der Natur schildert, besonders solcher, die ihren Ursprung haben in der ewigen Wechselbeziehung zwischen Luft und Wasser, da ist er in seinem Element. Hier spricht zu uns jemand, der in eigner Erfahrung all das Geschilderte auf dem unermesslichen Ocean mit eigenen Augen erschaut und selbst erlebt hat. Luft und Meer, Sturmgebraus und Unwetter zu See, die elementare Gewalt des Wassers und alle Schrecken desselben haben viele Dichter vor ihm herrlich geschildert, aber den Ocean in seiner erhabenen, überwältigenden Grösse und Unermesslichkeit mit allen sich auf ihm abspielenden grossartigen Er- eignissen und Vorgängen hat er zuerst der Menschheit dichterisch erschlossen und unnachahmlich dargestellt. Keinem wie ihm ist es so herrlich gelungen, die im glänzenden Sonnenlicht strahlende, unermessliche Oberfläche des Meeres, die im Sturm und Unwetter aufgeregten Wogen, der Menschen und der Schiffe Kampf gegen das Element so malerisch vor Augen zu führen, nie vor und nach ihm