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1. Teil (1890) Camoes als Epiker : A. Allgemeiner Teil / Gotthold Menze
Entstehung
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That. ‚Mit kurzer Erwähnung der Ankunft der Helden im heimatlichen Hafen schliesst dann die Handlung. Wir sehen, dass dieselbe eine sehr einfache ist.

Geschickt benutzt er nun das gerade dem Epiker so wichtige und gelegene Kunstmittel der retardierenden Motive, um uns aus ihr einen künstlerischen Bau herzustellen. Diese retardierenden Motive waren ihm naturgemäss gegeben durch das, was die Seefahrer auf ihrem Zuge durch den Ozean von den Elementen, von feindlichen Stämmen der Länder, an deren Küsten sie Anker warfen, zu erdulden hatten, was ohne ihren Willen und durch ihr Verschulden sie alles an Freud und Leid ertragen mussten. Bei all diesen Motiven verweilt Camöes mit gleicher Liebe und gleichem Interesse, wie es dem epischen Dichter zukommt. Gewissermassen vertieft und ganz besonders wirksam erscheinen sie dadurch, dass so vieles, womit Gama und seine Getreuen auf ihrer Fahrt zu kämpfen haben, sei es die Macht der Elemente, sei es Bosheit oder Verirrung der afrikanischen Küsten- bevölkerung, sei es sonstiges Ungemach, sich darstellt als der Einfluss einer höheren Macht, die den Portugiesen und ihrem Vorhaben feindlich entgegentritt. Diese wird gebildet durch den gegen Portugals Macht und Grösse eingenommenen Teil der Götter, an ihrer Spitze der alte Lusitanen- feind Bacchus. Mit aller Macht und allen Mitteln widersetzt er sich dem{seiner Herrschaft in Indien durch die Portugiesen drohenden Untergange. Überall sinnt und betreibt er. Unheil gegen die Portugiesen. Bacchus Bemühungen gelingt es, in Mozambique den Scheich gegen sie einzunehmen, indem er unter Annahme der Gestalt eines vornehmen Mauren die Schlechtigkeit des Lususvolkes predigt. Die den Portugiescn in Mombaza drohende Gefahr ist Bacchus Werk, Bacchus weiss es durch Überredung der Meeresgötter dahin zu bringen, dass im Indischen Ozean Meer und Sturm sich zum Untergange von Gamas Flotte vereinigt haben. Bacchus List und Hinterlist ist schuld an dem verräterischen Treiben und Gebahren der Vornehmen Malabars und der Widerwärtigkeiten, welche die Helden am Ziele ihrer Fahrt bestehen müssen, welche den Zweck des Zuges vereiteln. Man werfe hier nicht ein, dass das Bacchusmotiv, wenn man so sagen kann, zu oft gebraucht ermüdend und eintönig wirke. Camöes weiss in der Anwendung so gewandt zu Werke zu gehen, dass gerade die Wiederkehr in reicher Abwechslung ungemein wirksam ist.

Geschickt hat es der Dichter vermieden, wozu die Gefahr, der schwache Dichter so leicht verfallen, immer, nahe liegt, dass er uns etwa nur eine Reihe von Episoden giebt, mögen sie noch so geschickt und mit Meisterhand ineinander geflochten sein. Überall tritt vielmehr klar und deutlich die Handlung hervor sowohl in ihrem Verhalten wie in ihrem Fortschreiten. Nie entgleiten die Fäden der Hand des Dichters, wir sehen sie vielmehr sicher und gewandt von ihr gehalten; sicher, denn wir spüren aller Orten den Einfluss der Hand; gewandt, denn Camöes versteht es, sie an geeigneter Stelle fallen zu lassen oder aufzunehmen. So weiss er ein wesentliches Mittel, unser Interesse fortdauernd wach zu halten und zu spannen, geschickt zu handhaben, ein Mittel, dessen Anwendung schon die alten Volksepen so meisterlich verstanden. Es liegen dieseHemmungen durchaus im Charakter der Komposition des Epos. So sagt Goethe wohl mit Recht in einem Briefe an Schiller:eine Hauptaufgabe des epischen Gedichtes ist, dass es immer vor- und zurückgeht, Dieses Vor- und Zurückgehen geschieht bei Camöes aber nie ruck- und stossweise, wir haben nicht das Gefühl, als wären wir gleich einem Spielball behandelt, den Laune und Phantasie des Dichters nach Belieben umherwirft, sondern wir erkennen überall die Künstlerhand, die mit wahrem Verständnis geschickt abbricht, um später an der Stelle mit gleichem Geschick und ebenso verständnisvoll wieder einzusetzen, überall herrscht organische Verbindung und organischer Zusammenhang.

Das Gesagte gilt aber nicht allein für die eigentliche Handlung des Epos, sondern auch für die Darstellung des ganzen im Epos behandelten Stoffes. In Beziehung auf den letztern hatte Camöes in dieser Hinsicht viel Schwierigkeiten zu überwinden. Sie haben ihren Grund in dem Umstande, dass Camöes Epos keinen eigentlichen Helden hat, insofern nämlich, als eine einzelne