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1. Teil (1890) Camoes als Epiker : A. Allgemeiner Teil / Gotthold Menze
Entstehung
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Lusitanen künftige Geschicke schaut und sie als herrlichste Gabe und grössesten Festesreiz bei dem fröhlichen Mahle, das Gama und seine Begleiter mit den ihnen von Venus zuerteilten Nymphen auf der ilha namorada feiern, mit entzückender Stimme in herrlichen Versen singt. Wir erfahren so von den in der Geschichte kaum ihresgleichen findenden Grossthaten, und von den gewaltigen kühnen Eroberungen, durch die Portugal sich Indien unterwarf und seine Herrschaft bis nach China hin ausdehnte, sehen an uns vorübergleiten die stattliche Zahl Helden, vor allen den Almeida und Pacheco, die durch ihre Tapferkeit und Kühnheit und durch ihren Wagemut, den sie im Kampfe und in Entbehrungen aller Art zeigten, sich unsterblichen Ruhm erwarben.

Prächtig motiviert erscheint uns dieser Bericht. Gama und seine Schar, die trotz aller Anstrengungen mit Indiens Fürsten Verbindungen anzuknüpfen, unverrichteter Sache ‚umkehren müssen, die als Ergebnis ihrer Bemühungen nur die Thatsache heimbringen, dass sie das Zauber- land Indien gefunden haben, von denen die meisten es nie wieder sehen sollten, erhalten hier gleichsam als Belohnung, die für den wahren Vaterlandsfreund grösser sein muss, als Fürsten- lohn und Volkesdank, einen Blick in die Zukunft, der ihnen im einzelnen zeigt, wie durch ihre That das Vaterland zu ungeahnter Grösse emporsteigt und für die ganze Welt eine neue Zeit angebrochen ist.

Die Entwickelung der Haupthandlung ist trefflich gelungen. Wie es der rechte Epiker thun soll, versetzt uns Comödes gleich mitten hinein in die eigentliche Handlung. Von vorn- herein weiss er durch die Wahl des Ausgangspunktes seiner Darstellung unser Interesse zu erwecken. Schon jenseit des Cabo Tormentorio befinden sich die kühnen Seefahrer in Gewässern, die noch kein europäischer Kiel durchfurcht hat, trotz aller erduldeten Mühsal kühn und unentwegt ihr Vorhaben im Auge behaltend, Indien zu suchen. Da wird in hoher Götterversammlung gegen allen Einspruch des alten Lusitanenfeindes Bacchus beschlossen, dass die Bestimmung des Fatums bestehen bleiben soll, dass die portugiesischen Helden, wenn auch nach Fährlichkeiten mancher Art, schliess- lich doch Indien erreichen. So zeigt Camöes gleich zu Anfang klar das Ziel und eröffnet uns die Perspektive dorthin. Er erreicht somit, dass unser Interesse ferner erhalten und gespannt bleibt. Unter grossen Gefahren und Abenteuern, die sie mit den Elementen und den feindlichen Bewohnern von Inseln und Festland Afrikas zu bestehen haben, gelangen die kühnen Seefahrer nach Melinde.. Hier macht der Dichter Halt, wie wir sahen, und benutzt die Gelegenheit hier einzuflechten, was vor dem Beginn der Handlung liegt und zu ihrem Verständnis nötig ist, die bisherige Ruhmesgeschichte Portugals, verbunden mit der Darstellung dessen, was die Teilnehmer der Fahrt nach Indien bisher auf ihrer Bahn erlebt haben. Beides ist dem Helden des Zuges in den Mund gelegt, ähnlich wie bei Homer Odysseus einen grossen Teil seiner Erlebnisse selbst erzählt, bei Vergil Aeneas der Dido von Trojas und seinem Geschick Kunde giebt, im Nibelungenliede Hagen von Siegfrieds Jugendthaten berichtet. Mit der Abfahrt von Melinde schreitet dann die Haupt- handlung weiter. Gama segelt nun mit seinen tapferen Gefährten, neu zur grossen Aufgabe gestärkt, durch den unermesslichen Ozean. Von neuem besteht er die grössten Gefahren, kommt aber trotz allen Ungemachs endlich zum Ziel seines Strebens, nach Indien, Hier macht der Dichter wiederum Halt, um nochmals rückschauend vor der Haupthandlung Liegendes einzuflechten, einen zweiten Bericht aus Portugals Heldenzeit. Mit der Darstellung der mannigfachen Widerwärtigkeiten und Gefahren, die Gama von Herrscher und Bewohnern des Distrikts von Calicut zu erdulden hat, setzt sich dann die Haupthandlung fort und berichtet darauf kurz die Rückfahrt, wobei der Dichter ein köstliches Erzeugnis seiner eigenen Phantasie einflicht, die Erzählung von den Wonnen des Elysiums, die für die Indienfahrer zu ihrer Belohnung auf der ilha namorada warten. Kühn allegorisch deutet er dieselben dahin, dass sie Ehre und Ruhm vorstellen, den Lohu edlen Strebens und herrlicher

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