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das mit Recht sein eigentliches genannt wird, die Zeit jenes leider so kurzen heldenhaften Auf- schwunges(Ende des XV. und erste Hälfte des XVI. Jahrh.), welcher es in die Weltgeschichte einführte und der zugleich die Zeit seiner höchsten Blüte bedeutete. Es zeugt von echt epischem Sinne und Verständnis und beweist eine glückliche Hand, dass Camödes die Auffindung Indiens durch Vasco de Gama zum— wir müssen sagen— Hauptvorwurf seines Epos machte, jene grösste nationale That Portugals, in der alle andern gleichsam gipfeln.
Volkstümlich war sein Stoff in jeder Weise, nichts andres in der portugiesischen Geschichte konnte es mehr sein, und volkstümlich soll der Stoff des Epo; sein. Camöes steht in dieser Hinsicht höher als Tasso. Wohl bekundet sich des letzteren episches Geschick darin, dass er in Ermangelung eines streng nationalen Stoffes zum ersten Kreuzzug griff und die Befreiung Jerusalems durch die Kreuzfahrer, an ihrer Spitze Gottfried von Bouillon,-zum Gegenstand seines Epos nahm. Auch hatte er dabei den Vorteil, dass ihm der Boden für das Verständnis seiner Dichtung durch Sage, Überlieferung und steten Verkehr Italiens mit dem Oriente empfänglich gemacht war, es lebte ferner die Erinnerung an jene Heldenthat des Abendlandes in aller Herzen— volkstümlich in dem Sinne, wie es der des Camöes sein musste, war sein Stoff natürlich nicht.
Auch die Forderung des Epos, dass eine besondere Begebenheit, ein geschichtliches Ereignis die Haupthandlung bildet, sehen wir erfüllt. Die Auffindung Indiens auf dem Seewege ist das welt- geschichtliche Ereignis, auf dessen Hintergrund die Handlung sich aufbaut; wir sehen aber zugleich in diesen eigentlich geringen Umfang in grossartiger Weise die Jahrhunderte umfassende Geschichte des portugiesischen Volkes hineingearbeitet. Der Held dieser historischen That ist Vasco de Gama, aber um ihn herum scharen sich alle Helden Portugals. Ungezwungen und wie sich von selbst verstehend, wird die Vergangenheit des portugiesischen Volkes mit all ihren Helden und ihren herrlichen Grossthaten herbeigeholt, und mit den Augen eines Sehers lässt uns der Dichter die Fleldenthaten der Lusitanen in Indien nach Gamas Zeit schauen.‘ So wird vieles in die Haupt- handlung eingeführt und eingeflochten, die Vergangenheit an passender Stelle hineingezogen. um der im Epos behandelten Gegenwart zum Verständnis und zur Motivierung zu dienen. Camöes zeigt hier hübsches Geschick. Als die Flotte unter Gamas Leitung den ersten ruhigen längern Aufenthalt in sicherem Hafen beim König von Melinde geniessen kann, hält er es für angebracht, uns mit Portugals Vergangenheit bekannt zu machen. Vorbereitet ist alles aufs beste. Gama hat nach Fährlichkeiten aller Art endiich auf Zeus’ Veranlassung einen Mohrenkönig an Afrikas Ostküste getroffen, der ohne Falsch und Tücke, dessen Einladung zu Ruh und Rast im Hafen keine leere Vorspiegelung ist, die Fremdlinge nur in Sicherheit und Sorglosigkeit einzuwiegen. Er hat durch Gerücht und Sage schon von den Portugiesen gehört(II, 107), auch durch die Botschaft der Götter, und ist nun in seiner Neugier auf das höchste gespannt durch die Ankunft der Portugiesen, deren Mut und Wagnis alles bisher von ihm Vernommene übersteigt. Was ist natürlicher, als dass er Gama auffordert, ihm während der Erholungspause Bericht zu erstatten von seines Volkes Ver- gangenheit und Grösse? Damit aber nichts vergessen werde, ruft ihm der Fürst zu:
Mas antes, valeroso Capitäo
Nos conta—— diligente
Da terra tua 0 clima e regiäo
Do mundo onde morais distinctamente.(II, 109).
Gama kommt der Aufforderung nach, selbst auf die Gefahr hin, der Herold der Ruhmes- thaten seines eigenen Volkes zu sein, denn dem Gebot des Königs muss er gehorchen, auch wird er, trotzdem er viel verkünden wird, noch vieles verschweigen(III, 3). Nun erzählt Gama nach kurzer Schilderung der Länder Europas, dessen Haupt Spanien, dessen Stirn Portugal ist, in ausführlichem


