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1. Teil (1890) Camoes als Epiker : A. Allgemeiner Teil / Gotthold Menze
Entstehung
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ihm den Rücken gekehrt und dabei die harten Worte ausgestossen: ingrata patria non possidebis ossa mea. Doch er verliess es nur, um ihm wieder mit alter, unwandelbarer Treue in den fernsten Landen zu dienen. Camöes ganzes späteres Leben im Orient sowohl, als auch wieder daheim in Portugal ist eine Kette von Leiden aller Art, die mehr oder weniger alle mit in dem Undank des so sehr geliebten Vaterlandes wurzeln. Er sieht, wie ihm geht es vielen Grossen, vielen Helden des Lusitanenstammes. Mit kräftigen und harten Worten, die den Groll des tief verletzten und gekränkten Patrioten atmen, wirft er dem Vaterlande und dessen Beherrscher Undankbarkeit vor (z.B. X, 22/25 u. ä.), geisselt sie bitter und beklagt, dass Schm:ichler und Schönredner Ruhm und Ehre für sich erringen von ihrem kurzsichtigen Fürsten. Aber nie ist auch der schnödeste Undank imstande gewesen, die Liebe zum Vaterlande in ihm zu ertöten, auch in weitester Ferne blieb sie stets dieselbe, ja wuchs noch an Innigkeit. Sein ganzes Thun, ob mit dem Schwerte, ob mit der Feder, blieb immer dem Vaterlande gewidmet. Des Vaterlandes Ruhm und Grösse begeistert ihn immer und erfüllt ihn mit Jubel und Frohlocken. War dem Vaterlande durch irgend einen seiner Söhne Schmach und Schimpf zugefügt, so war für Camöes das eine persönliche Kränkung, denn was dem Vaterlande geschah, geschah ihm, er war innig mit ihm verwachsen. War er voll Ingrimm im Herzen vom Vaterlande geschieden, so verzehrte ihn doch eine brennende Sehn- sucht nach ihm in der Ferne, sein ganzes Streben war darauf gerichtet, zu ihm wieder zu gelangen. Nur diese Liebe zum Vaterlande, das er je älter, je mehr mit wahrer Inbrunst fast anbetete, verschaffte ihm mitten in Entbehrungen, Kämpfen, Leiden, Drangsalen in der Fremde, die ihm ein Exil dünkte, Zeit, Mut, Ausdauer und nie schwindende Begeisterung, zum Lob und Preise seines Volkes und seines Vaterlandes, sein Epos, die Lusiaden, zu schreiben. Ihre Vollendung ist gleichsam seine Lebensaufgabe, die er vor dem Tode noch erfüllt sehen möchte(vgl. X, 9).

Die Lusiaden. Wahl und Behandlung des Stoffes.

Ganz naturgemäss erscheint es, dass ein Mann wie Comöes nur etwas zum Vorwurf einer epischen Dichtung machen konnte, in dem sich die Grösse und Herrlichkeit seines Volkes, der Glanz des Ruhmes seines über alles geliebten Vaterlandes abspiegelte. Er tritt damit in die Reihe der- Jenigen Kunstepiker, welche die Geschichte selbst oder doch eine grosse That oder Begebenheit aus einer besonders glanz- und ruhmvollen Zeit in den Kreis poetischer Auffassung und Darstellung zogen. Es hatte sich so das sogenannte historische Epos entwickelt, das in Italien, wie bekannt, die ihm nun anhaftende Kunstform gefunden hatte und das(der allgemeinen Annahme nach) in Camöes Lusiaden bis zu einer gewissen Vollendung gelangte.

Mit glücklichem Griff vermied es Camöes, einen Stoff aus der alten Heroenzeit zu nehmen, aus der Zeit, in der sich Portugal seine Selbständigkeit errang und gegen Mauren und Kastilianer zu behaupten wusste, obwohl hier manche Begebenheit und manche Erscheinung sich trefflich zu einem solchen Vorwurf geeignet hätte. Für ihn gab es ein anderes Heldenzeitalter seines Volkes,