well
Hirten(Luther) folgen(VII, 4), und es wagen, sich des hehren Joches des Papstes entledigen zu wollen, auf England, das auch nova maneira faz de christandada(VII, 5) und gegen die Katholiken die Waffen erhebt zum Kampfe, gegen os de Christo!
Fanatischer Hass aber beseelt ihn gegen alles, was dem Glauben Mohammeds anhängt. Er findet kaum Worte genug, um diesen genügend und kräftig genug auszudrücken, kein Beiname ist ihm schlecht genug für die Anhänger des Propheten, mögen sie nun Mauren, der Lusitanen alte Erbfeinde, oder Türken sein. Es klingt noch sehr zahm, wenn er‘sie nennt 0s descendentes da escrava Agar(lII, 26) etc, meist erscheinen stärkere Beiwörter(Mauro enganoso II, 7, perfido IIL, 112,«a gente perfida II, 16 ete., ja, er trägt kein Bedenken, sie einfach os cües, Hunde, zu nennen. Wie die Ausbreitung des Christentums, d. h. des Katholizismus, Pflicht eines jeden ist— und Gott schützt die Seinen, die für die Ausbreitung seines Wortes und Reiches streiten—, dem kleinen Portugal allerdings nach Camöes als besonderes Loos von der Vorsehung zugefallen, so ist vor allem Aufgabe und Pflicht jedes Gläubigen der Kampf mit Feuer und Schwert gegen alle, die sich zur Lehre Mohammeds halten. Er ist ein gottgefälliges Werk; weil sie Gott verhasst sind, ein Krieg gegen sie ist eine justa e sancta guerra(VIII, 17). So sehr sich auch nach Camöes’ religiöser Anschauung und nach Portugals ganzer historischer Entwicklung ein derartiger Fanatismus begreifen lässt, so wenig kann es uns sympatisch berühren, dass der Dichter nichts Gutes an Mohammed und seinen Glaubensgenossen lässt, blind ist gegen irgend welche guten Eigenschaften in ihnen; sie sind für ihn eine Rasse, die man wie die Hunde totschlagen muss. Nur von zwei Mohammedanern weiss Camöes Menschliches und Gutes zu berichten, sie bilden eine Ausnahme ihres Geschlechtes. Es sind dies Melindens Herrscher mit seinen Unterthanen und der Mohr Moncaide im Dienste des indischen Grossen in Calicut. Für den Leser geradezu wohlthuend wirkt es, von den Bewohnern Melindens und ihrem Herrscher zu hören:
Louvam do rei os Mouros a bondade,
Oondicäo liberal, sincero peito,
Magnificencia grande e humanidade
Com partes de grandissimo respeito—(II, 71).
und wenn der König selbst o generoso Mo:ro genannt wird(II, 107), der den Portugiesen friedlich gesinnt ist und ihnen jegliche Hilfe gewährt, wobei er allerdings beinahe schon wie ein halber Christ auftritt in Worten und Gedanken.
Bei Moncaide, der in Calicut die Portugiesen durch seine Redlichkeit und seinen Biedersinn vor den schlau ersonnenen Ränken und Tücken der Inder und ihre Flotte vor dem Untergange rettet, unterlässt Camöes nicht, ausdrücklich zu erwähnen, dass Gott es so mit dem Mohr vorgehabt habe, damit er das Paradies sich erwerbe(IX, 5,) und fast wie eine Entschuldigung klingt es, wenn Mongaide dem Gama von seiner Herkunft erzählt und dabei vom Islam sagt: 0 culto no qual me instituiram meus parentes(VI, 33).
Diese religiöse Kurzsichtigkeit und Voreingenommenheit ist dem Dichter in vielen Stücken künstlerisch hinderlich gewesen, abgesehen davon, dass sie für die heutige Zeit abstossend wirkt. Um wie vieles wahrer und packender wäre der grossartig geschilderte stete Kampf mit den Ungläubigen, wie viel vertiefter erschiene das Verhältnis zwischen Christen und Mahommedanern, um wie vieles näher wäre Canıdes der Lösung mancher Probleme gekommen, wenn irgendwo hervorleuchtete, dass der Mohr für die Wahrheit und Echtheit seines Glaubens und seines Bekenntnisses wie der Christ stritte, für ein ideales Gut kämpfte. Das gäbe dem ganzen Streite, der überall in den Lusiaden einen hervorragenden Platz einnimmt, ein ideales Motiv, während er so oft nur erscheint als ein Hinschlachten einer Rasse, die Gott in seinem Zorn erschaffen hat, gegen die Schonung ein Frevel
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