a
einmal fest vor Augen stehend, mit unglaublicher Hartnäckigkeit festgehalten wird. Ein Freund langer und sorgfältiger Erwägung seiner Schritte ist er nicht, rasch im Entschluss, kühn in der Ausführung des Beschlossenen ist, er oft rücksichtslos gegen andre-— vor allem aber gegen sich. Selbstzucht übt er insofern wenig, als er die Gewohnheit derartiger Naturen teilt, erhaltenen Anregungen und Anstössen fast blindlings zu folgen. Die etwa entstehenden Folgen eines solchen Handelns, welche sie auch sein mögen, werden als etwas Selbstverständliches hingenommen und mit Gleichmut ertragen, sie aber vorher zu erwägen oder sich wohl gar in seinem Thun irgendwie dadurch bestimmen lassen, daran denkt er nicht. Gefahren kennt er nicht, auch wenn es sich dabei um Leib und Leben handelt. Tritt er ihnen gegenüber, so ist alles an ihm Mannhaftigkeit, er ist sich seines Daseins und des Wertes seines Lebens und seiner Persönlichkeit voll und ganz bewusst, schlägt das aber alles gern und willig in die Schanze für das, was er erstrebt und erjagen will, in der frohen Gewissheit und in dem hehren Bewustsein, gross und heldenhaft dann untergegangen zu sein. Das ganze äussere Leben des Dichters bildet hierzu gleichsam die Illustration. Man hat es oft und nicht mit Unrecht einem Romane verglichen, denn es gleicht einem solchen, wie ihn nur die kühnste Phantasie des Schriftstellers ersinnen. kann, aber einem solchen, dem leider der versöhnende Schluss, ein uns befriedigendes Ende fehlt. Engere Heimat und Vaterland waren dem Gamöes viel zu klein für seinen welterschütternden Thatendrang. Afrika, der unermessliche Ocean, Asien bis zu den fernsten östlichen Küsten sind Zeuge seiner Abenteuer gewesen, erzählen von seinen Thaten und Erlebnissen, berichten von seinem Streben und seinem Jagen nach dem Glück.
Aber nicht zweck- und ziellos tobt er hinaus in die Ferne, nein, sein Schwert wie seine, Feder stehen im Dienste des Vaterlandes, Gottes und der Kirche, er kämpft, streitet und dichtet zur Ehre und zum Ruhme seines Lusitanenlandes. Was er aber in der Fremde suchte, es ward ihm nicht zu teil. Abenteuer, Gefahren, Mühen und Entbehrungen der schwersten Art, Verkennung und Verläumdung fand er überreich, mehr als einmal trat der Tod nahe an ihn heran, aber die Gelegenheit und Aussicht zu Thaten, welche die Welt erschütterten, die ihm unvergänglichen Ruhm bringen, das Glück erjagen sollten, mieden ihn. Ihm hatte das Geschick zu teil werden lassen, nichts als Lohn seines Strebens zu bekommen. Gerade das aber war es, was er ersehnte, erhoffte,
Was schwer für ihn zu ertragen war, verkannt zu sein in seinem edelsten Streben, Ver- läumdung bei Hofe und in seinen Kreisen, missachtet zu sein, von denen er es am wenigsten erwartete, das schüttete das Geschick mit freigebiger Hand über ihm aus. Dazu liess es ihn in Armut und Abhängigkeit rettungslos versinken, quälte ihn in der Fremde mit verzehrender. Sehn- sucht nach der Geliebten, die für immer für ihn verloren war, und nach dem Vaterlande, und liess ihm endlich, zurückgekehrt zur Heimat, jede seiner Hoffnungen schmählich zu nichte werden. Denn, als er nun nach rastlosem Umherirren, nach Schicksalen aller Art schliesslich in sein geliebtes Vaterland zurückkehrte, um dort wenigstens das zu finden und zu geniessen, was er billigerweise beanspruchen konnte, versagte ihm neidisch das Glück auch dieses. Zwar war der Beifall, den die Lusiaden bei ihrer Veröffentlichung fanden, allgemein und unermesslich, doch an den Dichter selbst dachte dabei niemand. Die zwei ersten Auflagen des Heldenepos erschienen in demselben Jahre, doch was brachte es dem Dichter ein? Nicht einmal soviel Anerkennung ward ihm zu teil, dass er, der von allem entblösst den heimischen Boden wieder betreten hatte, sich ein sicheres, wenn auch bescheidenes Dasein verschaffen konnte. Herrscher und Volk, für die beide er doch gekämpft und gelitten, gedichtet und gesungen hatte, liessen ihn immer tiefer in Not, Armut und Elend versinken, thaten nichts, um ihm, dem Freud- und Hoffnungslosen das Leben erträglich zu machen. Er hat alles das ertragen, männlich und stark, aber nie konnte er vergessen, dass all sein Streben in allem vergeblich gewesen war, das legte sich wie ein Alp auf ihn und wirkte lähmend auf den Flug und Schwung seines grossen Geistes. Ihm fehlte die Kunst der Resignation, die Kunst


